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Wie man Autokraten stürzt.

"Kann man Autokraten abwählen? JA! Man kann.

Victorrr Orban hat alles legale und mutmaßlich auch einiges Illegales dafür getan, dass er nie wieder abgewählt werden kann.

Richter gleichgeschaltet, Medien gleichgeschaltet, Opposition drangsaliert, wo es nur geht und das Wahlsystem perfekt auf sich selbst zugeschnitten.

Und er hat Angst, Hass und Spaltung gesät. Im Namen Putins die EU blockiert, keine Chance ausgelassen, um zu behaupten, dass ein angeblicher Krieg mit der Ukraine droht, woke Regenbogenkrieger an die Wand gemalt und dann?

Dann rockt ihn Magyar einfach weg und holt die 2/3 Mehrheit für die Opposition.

Warum? Die Opposition war geeint, sie wussten, dass das mutmaßlich die letzte Patrone der Demokratie ist.

Und Magyar hat sich auf die ganzen Lügen Orbans gar nicht eingelassen. Er hat Orban nicht den Aufmerksamkeitsraum gelassen. Er hat seine Wähler ernst genommen aber Victor Orban nicht. Er ist einfach tagtäglich durch das Land getingelt und hat die Menschen bei den ganz praktischen Dingen gegriffen.

Marode Schulen, in denen nicht mal Klopapier zu finden ist, kaputte Krankenhäuser, schlechte Versorgung der Landbevölkerung, all die ganz normalen alltäglichen Dinge des Lebens.

Den Kulturkampf hat er ausgelassen, die Lügen hat er nicht ernst genommen aber aufgezeigt wie Korruption und Günstlingswirtschaft ganz praktisch das tägliche Leben der Menschen in Ungarn ruinieren.

Und ich denke schon, dass das eine Botschaft ist, die da von Ungarn ausgeht.

Die Menschen sind durchaus bereit gemeinsam Autokraten und Möchtegernautokraten den Mittelfinger zu zeigen, wenn sie verstehen, dass es nicht um irgendeinen „abstrakten Krempel“ geht sondern ganz praktisch um ihr tägliches Leben.

Und da Autokraten nur sich selbst am nächsten sind und dann ihrer Familie und Freunden, ruinieren sie genau das mit schöner Regelmäßigkeit. Und dann können ihnen die Medien gehören, dann können sie Wähler drangsalieren, dann können J.D. Vance, Marco Rubio und co. zur Rettung eilen, es bringt alles nichts.

Die Leute haben irgendwann die Schnauze voll davon. Und es gibt eine gute Chance, dass das auch bei den Midterms mit Trump passiert.

Denn Trump ist gerade dabei ganz praktisch das tägliche Leben der Amerikaner (und unseres gleich mit) zu ruinieren. Und das sehen die Menschen täglich. Da können die ganzen sektenartigen MAGA-Spinner täglich das Gegenteil behaupten, irgendwann kommt man doch ins Nachdenken, wenn man das tägliche Leben nicht mehr bezahlen kann.

Die Demokraten gewinnen in den USA gerade Nachwahlen, die noch vo 2 Jahren gegen die Republikaner ungewinnbar gewesen wären – sofern es im November noch echte Wahlen gibt, wird Trump danach kippen.

Die Wahl in Ungarn ist auch ein phantastisches Zeichen für die EU. Denn erstens hat Orban keine Chance ausgelassen dieses zu blockieren aber zweitens ist es ein Verdienst der EU, dass Ungarn überhaupt noch eine Chance hatte.

Ohne den Rahmen der EU hätten Orban und seine Spießgesellen ihr Land noch viel zügiger Richtung Autokratie umbauen können, aber so war da immer noch ein Player, der (wenn auch viel zu spät und behäbig) diesen Umbau erschwert und ihm das Geld entzogen hat.

Aber die Wahl in Ungarn ist auch eine Warnung: Die Demokratie muss liefern. Und zwar keine abstrakten Versprechungen sondern ganz konkrete Verbesserungen im täglichen Leben: Klopapier auf den Schultoiletten, heile Krankenhäuser, gute Straßen und Brücken, die nicht einstürzen und Bahn und ÖPNV, die funktionieren.

Und damit schlägt sich ganz wunderbar die einstürzgefährdete Autobahnbrücke zu unsere Regierung. Denn EXAKT DESHALB ist es so furchtbar dumm wenn Merz und co. die Abermilliarden aus dem Sondervermögen für fossile Subventionen, Rentnerstreicheln und Löcher im Kernhaushalt veruntreuen.

Denn DAS IST, was JEDE UND JEDER täglich merkt. Wenn die Scheißbahn wieder nicht kommt. Wenn in Dresden Brücken in die Elbe krachen, wenn es durchs Schuldach leckt.

Über den Rest, wie links wie konservativ, wie woke, wie antiwoke kann man sich wunderbar die Köpfe einhauen, ohne je irgendwo anzukommen – aber marode Infrastruktur und kaputtgesparte Bildung, da gibt es eben keine zwei Meinungen.

Wir sollten aufhören Trump und co. ständig den Aufmerksamkeitsraum zu geben, indem wir auf jeden Wahnsinn von ihnen eingehen und uns um Symbole die Köpfe einhauen und ganz praktisch für bessere Lebensbedingungen kämpfen.

Es wird Zeit, dass die Demokratie liefert. Dann hat sie eine Chance, seit heute Morgen ist sogar für Ungarn wieder Hoffnung. Und das feier ich jetzt einfach mal!

Heute ist kein guter Tag für Autokraten und damit ist heute ein guter Tag für uns.

Denkt dran: Bisherige gewaltfreie Umstürze zeigen, dass 3,5 % der Bevölkerung die beharrlich und gewaltfrei am Kippen des Autokraten oder Möchtegernautokraten arbeiten, reichen. Und diese 3,5 % sind in den USA zuletzt fast schon auf der Straße gewesen.

Einer gekippt, noch viele weitere zu kippen.

Euer CF

Man kann mit Klimaschutz Wahlen gewinnen!

"YEAH! Hier ist die gute Nachricht zum Wochenstart, die wie alle gebrauchen können.

In Hamburg hat gestern der Volksentscheid für mehr und vor allem VERBINDLICHEN Klimaschutz gewonnen!

Man kann mit Klimaschutz noch Wahlen gewinnen!

Die SPD ist jetzt laut hörbar am Leiden. Die wollten beim Klimaschutz eigentlich weiter auf sehr geduldiges Papier setzen und nebenbei um jeden Parkplatz kämpfen, als ginge es um den Untergang des Abendlandes. Da kommt sowas natürlich jetzt echt unpassend.

Die Grünen werden mutmaßlich sehr, sehr leise und unauffällig feiern (offiziell haben sich ihre Senatoren und Senatorinnen auch gegen den Zukunftsentscheid ausgesprochen), die CDU spricht schon von Deindustrialisierung, was die AfD sagt ist mir grundsätzlich egal (weil eh nichts Konstruktives zu erwarten ist) und die Linke freut sich, die haben den Zukunftsentscheid als Einzige offen unterstützt.

Hamburg will jetzt bis 2040 klimaneutral werden und was ich dazu an Ungeheuerlichkeiten gelesen habe, die jetzt wohl nötig sein könnten, ist durchaus gute Unterhaltung.

Erste Ungeheuerlichkeit: Wahrscheinlich ist Tempo 30 im größten Teil des Stadtgebiets erforderlich.

Oh meine Güte, ist das schrecklich! Ich kann also in Zukunft in den circa 70 Minuten am Tag zwischen den Rush-Hours nicht mehr kurz zwischen den Ampeln auf 70 aufdrehen, das ist ein enormer Verlust.

Statt dessen wäre dann Hamburg ja wie Helsinki, diese enorm rückschrittliche Stadt im hohen Norden, die überall Tempo 30 hat und in der deswegen nicht mal mehr Leute im Verkehr sterben und das ist nun wirklich nicht wünschenswert!

Erwähnte ich schon, dass Hamburg gerade auf einen neuen Rekord zusteuert? Also leider einen Rekord an in einem Jahr getöteten Radfahrern und Radfahrerinnen? Gerade hat es eine beliebte Schauspielerin vom Großstadtrevier erwischt und wenn ich auch um jed und jeden gleichermaßen trauer, vielleicht bewegt das endlich mal was!

https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/mahnwache-fuer-grossstadtrevier-schauspielerin-wanda-perdelwitz,mahnwache-150.html

Interessant und gut finde ich übrigens, dass inzwischen auch der ADFC entschieden die zu schmalen Schutzstreifen und Radwege moniert. Das klang vor einigen Jahren noch anders, da hatte man sich drauf zurückgezogen dass Schutzstreifen ja statistisch sicherer sind als Hochbordradwege, was ich schon immer für ein – mit Verlaub – dummes Profiradfahrerargument gehalten habe.

Also: Es gibt die Chance, dass durch den Radentscheid auch die Verkehrswende noch mal einen zusätzlichen Schub bekommt. Und das möchte ich auch mal erwähnen: Da hat sich dank der Grünen zuletzt tatsächlich was bewegt, das ist cool, aber es wurde halt zuletzt auch gerade von der SPD wieder ordentlich auf die Bremse getreten. Das ist nicht so cool und das wird jetzt schwieriger und das finde ich cool

Eine weitere Ungeheuerlichkeit wäre, dass jetzt Öl- und Gasheizungen früher durch Wärmepumpen und Fernwärme ersetzt werden müssen.

Auch hier muss ich sagen: Als ich zuletzt nachschaute muss das ja eh passieren, ist Öl und Gas eh nichts von dem man dauerhaft abhängig sein möchte (siehe weltweiter Krisenmodus gerade) und wenn man dann in Hamburg früher dran ist hat mans auch früher hinter sich.

Ja, wird nicht billig, aber wird eh passieren und warum das Pflaster dann nicht einfach mal zackig abziehen, statt jedes einzelne Haar unter Wehklagen öffentlich zu beleiden.

Also ich sag mal: Der Gaszentralheizung in unserem Mehrfamilienhaus weine ich keine Träne nach, die hat uns die letzten 2 Jahre so häufig wegen Ausfällen kalt duschen lassen, ich wär bereit.

Was ich schlussendlich teile, ist eine gewisse Sorge, dass es natürlich jetzt wenig Sinn macht Betriebe wie Arubis und co. zu hart anzugehen, da die ja nur von Hamburg aus für den Rest der Welt produzieren und das im Vergleich bereits energieschonend. Hier ist tatsächlich Fingerspitzengefühl erforderlich, denn was bringts wenn dann im Ausland CO2-intensiver produziert wird.

Aber dafür ist dann tatsächlich auch die Politik da, um genau das zu verhindern und das traue ich denen ausnahmsweise auch mal zu!

Was ich der Politik aber ausdrücklich NICHT zutraue, ist dagegen einfach mal ohne gerichtliche nun ja „Hilfe“ von vornherein die naheliegende und wenigstens nicht ganz so schlimme Variante für Irrsinnnsautobahnen zu wählen.

Denn dieses Hamburg mit den angeblich bereits vorm Klimaentscheid so vorbildlichen Klimazielen hatte ja die letzten Jahre nix Besseres zu tun, als Milliarden Steuergelder für ein weiteres Autobahnprojekt im Moor versenken zu wollen.

Und da mussten jetzt halt erst die Umweltverbände (vor allem der BUND, DANKE LEUTE!) vors Gericht ziehen um die Nasen in der Politik zu erinnern, dass sie ja eigentlich da so nen Klimaschutzplan hatten.

https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/verwaltungsgericht-stoppt-plaene-zur-a26-ost-vorerst,hafenautobahn-hamburg-100.html

Hamburg will ja KOSTE ES WAS ES WOLLE die Hafenspange bauen. Das ist die Verbindung von A7 und A1 da so im Hamburger Süden. Zwar fusst die auf längst überholten Wirtschaftlichkeitsberechnungen, weil man dem Hafen ein glorreiches und nie erfolgtes Wachstum vorausgesehen hat aber wir wissen alle: Wo eine Autobahnplanung, da stets ein zerstörerischer Weg. Bevor man die Milliarden noch sinnlos in Bildung ausgibt, lieber Beton in die Landschaft, das macht keine Scherereien!

Die Strecke, die der Senat ausgwählt hatte, kenne ich sehr gut. Denn das ist mein Lieblingsradstrecke.

Mitten durch die letzten wunderschönen Moorgebiete da im Hamburger Süden, zwischen quackenden Fröschen, Rohrdommeln und einmal erlebte ich wie ein Fuchsfamilie erschrocken im Licht meines Fahrrades querte und eines der Kids in den Graben plumste und sehr aufgeregt von Mama gerettet wurde und ich werde das nie vergessen.

GENAU da wollten die durchbauen. Und genau das hat sie jetzt zerlegt. Denn Moorböden speichern sehr viel CO2, das dann frei würde und da hat Leipzig jetzt ein Stoppschild gesetzt und das absolut verdient.

Noch witziger ist, dass die Autobahn auch noch den STADTEIGENEN teuren Abriss und Umbau von Moorburg zu einem Wasserstoffhub gefährdet, dass sie über belastetes Shell-Gelände geht und bisher niemand Anstalten macht das zu sanieren und das sie ingesamt wohl eines der teuersten Autobahnstücke in Deutschland ever wäre.

2,3 Milliarden für 10 Kilometer sind gerade die Annahme, Kritiker gehen längst von mehr als 3 Milliarden aus und es wär ein Wunder wenn es günstiger wird.

Mein Verdacht daher: Ein Verzicht auf die Hafenspange bzw. A26 Ost könnte problemlos alle nun erforderlichen Klimaschutzmaßnahmen in Hamburg bezahlen! 😇

Insofern: Danke Leipzig und lieber Politiker & Betonköpfe, ihr habt jetzt nochmal ein paar Jahre Bedenkzeit, nutzt sie doch einfach mal, wie wärs?

Heute ist also ein guter Tag für Hamburg UND den Steuerzahler. Kommt gut in die Woche, es ist nicht alles schlecht! 😀

Aber die armen Retter! Strohmänner gegen die Verkehrswende.

"Eines der Lieblingsargumente von Leuten, die gerne die Verkehrswende verbieten würden ist ja, dass dann angeblich Handwerker, alte gehschwache Menschen und vor allem Retter und Polizei nicht mehr durchkommen und dann müssen wegen der Verkehrswende Menschen sterben und Räuber kommen ungeschoren davon!

Kurz: Man stellt einfach sehr, sehr viele Strohmänner auf, hinter denen man seine Bequemlichkeit und Angst mal was Neues auszuprobieren, verstecken kann.

Wusstet ihr, dass ein relevanter Teil der durchaus siginifikanten Kosten von Radschnellwegen daher kommt, dass die für bis zu 7,5 Tonnen ausgelegt sind? Also überall? Die Fahrbandecken, aber vor allem auch die dadurch deutlich teureren Dämme und Brücken.

Warum? Natürlich damit Reinigungsfahrzeuge darauf fahren können und damit im Notfall die Retter auf exakt diesen Radschnellwegen schnell durchkommen. Radschnellwege haben den enormen Vorteil, dass keine Monster-SUVs im Weg stehen, deren Besitzer leider einem Krankenwagen nicht ausweichen können, weil dieser Ausweichprozess ihr Ego beschädigen würde. Radfahrer sitzen zudem nicht in einem schallgedämmten Raum mit lauter Mucke und selbst das größte Lastenrad kann so ein mehrfaches so schnell und einfach ausweichen wie eine Gruppe Autofahrer.

Also: Radschnellwege sollen von Rettern nur im Notfall befahren werden, aber sie sind in genau diesem Notfall natürlich eine Option und auch darauf ausgelegt. Nicht zuletzt, weil ja durchaus auf dem Radschnellweg jemand zusammenbrechen könnte. Und die Ersthilfe kann ja auch ein Retter auf dem Fahrrad erledigen.

Aber was ist mit Radwegen in der City? Sind die nicht?

Oh warte, schauen wir doch einfach mal in Städte, die das mit der Verkehrswende schon ausprobiert haben. Kopenhagen, Utrecht, Amsterdam…

In der Radcity Kopenhagen sind gesetzlich im Schnitt unter 9,8 Minuten vorgeschrieben und selbst in dichten Innenstadtvierteln kommen die Krankenwagen zuverlässig in 8-10 Minuten an.

Die niederländischen Radstädte glänzen trotz dichter Bebauung und sehr hohem Radanteil mit Spitzenzeiten von bis zu nur 7 Minuten!

Oder sollte ich sagen WEGEN hohem Radanteil. Denn in den Niederlanden werden die großen Vorteile des Radverkehrs für Retter gezielt genutzt.

Radfahrer und Radfahrerinnen hören besser, reagieren schneller, können leichter ausweichen und Platz machen und vor allem: Brauchen Räder in der Stadt einfach enorm viel weniger Platz, weil sie nicht mit schwer manövrierbaren 10 Quadratmeter Stahl und Plastik Luft durch die Gegend fahren. Das heißt es bleibt MEHR Platz für gute Rettungswege.

https://dutchcycling.nl/knowledge/german/fahrradforderung-und-rettungswege-zusammendenken/

In Hamburg dagegen, einer Stadt, die sich langsam an die Verkehrswende rantastet, liegt die Vorgabe bei 8 Minuten, die Realität liegt aber leider deutlich darüber. Vor allem in Der Rush-Hour gibt es ordentliche Dämpfer. Warum? Weil die Retter bei den ganzen Autos nicht durchkommen.

https://www.abendblatt.de/hamburg/article239879553/Weiterhin-viele-Rettungswagen-nicht-puenktlich-am-Einsatzort.html

Schaut gerne hier mal aus Seite 50: https://reposit.haw-hamburg.de/bitstream/20.500.12738/5972/1/lsab12_91.pdf

Und klar auch in Berlin fahren Retter zu manchen Zeiten eher im Stop-and-Go als in Überschallgeschwindigkeit. Nicht zuletzt übrigens auch wegen Falschparkern. Einer der vielen Gründe warum Falschparken in Deutschland immer noch viel zu günstig ist.

https://www.tagesspiegel.de/berlin/die-not-der-retter-in-berlin-staus-falschparker-uberlastung–die-vielen-probleme-im-feuerwehr-alltag-8942200.html

Ich hatte hier im Hamburger Süden neulich einen Fall der fast exemplarisch ist. Ich kann mit dem Fahrrad aus der Tempo 30 Zone vor einer Schule und wollte gerade die große Kreuzung an der Bundesstraße queren, auf der sich wegen Rush-Hour alles begann zu stauen. Ich hörte und sah Polzei und Krankenwagen in der Ferne auf der Gegespur anrasen.

Also hielt ich mit meinem Rad an der grünen Ampel an und bemühte mich den Autofahrern hinter mir ein deutliches Zeichen zu geben nicht auf die Kreuzung zu fahren. Denn die Gegenspur war für die Retter dicht, die mussten direkt vor mir bzw. uns durch.

Was machen die Autofahrer? Natürlich hupen und mit quietschenden Reifen auf die Kreuzung schlingern. Was denn sonst? Verdammter Kampfradler, jetzt will der uns schon verbieten über eine grüne Ampel zu fahren.

Auf der Kreuzung merkten sie dann schnell, dass es nicht mehr so richtig weiterging. Der eine im Golf fuhr bis zur Kreuzung, bemerkte dann Polizei und Krankenwagen und versuchte immerhin hektisch wieder rückwärts zu fahren, war dabei aber so ungeschickt dass er fast in ein andere Auto fuhr und sich beide anhupten. Der andere mit seinem fetten Range-Rover blieb SCHRÄG mitten auf der Kreuzung stehen, und schaffte es so die Retter und Gesetzeshüter auf Schrittgeschwindigkeit runterzubremsen, bevor er sich langsam zur Seite bequemte.

Nur um dann innerhalb von Millisekunden hinter den Rettern einzuscheren und mitzurasen.

Da gingen wertvolle Sekunden verloren, die vielleicht ein Leben gekostet haben. Mit Verkehrswende wäre das nicht passiert.

Übrigens können auch Dänen in Autos Idioten sein. Als wir neulich gen Kopenhagen auf der Autobahn standen, war dort Stau, Rettungsgasse ging auf, Krankenwagen fährt durch und bevor ich oder der LKW vor mir überhaupt wieder einscheren kann, versucht eine Dänen im Kleinwagen mich neben mich zu setzen und einfach mal eine dritte Spur auf der zweispurigen Autobahn aufzumachen. Selten hab ich meine Hupe sinnvoller eingesetzt und sie hat sich sogar noch ernsthaft aufgeregt, dass ich sie blockiert habe – unter anderem um ihr Leben zu schützen, während der LKW gerade zurückscherte.

Merke: Idioten gibt es in jedem Verkehrsmittel, aber sie können auf dem Auto erheblich mehr Schaden verursachen als auf dem Fahrrad und das gilt GERADE auch wenn es um die Lebensrettung geht.

Richtig gemacht sind Fahrradstädte echte Lebensretter auf sehr vielen Ebenen. Weniger Verkehrstote (Helsinki hatte letztes Jahr exakt 0), weniger Luftschadstoffe, mehr Bewegung und gesündere Bewohner und schnellere Lebensretter. Und gerade eine alternde Republik profitiert von all diesen Vorteilen gleich doppelt!

Helsinki und 0 Verkehrstote:
https://www.adfc.de/neuigkeit/helsinki-erreicht-vision-zero

Paris und plötzlich gute Luft und sogar der Focus bringts: https://www.focus.de/earth/saubere-luft-die-folgen-der-radikalen-pariser-verkehrspolitik-mit-karten_a4fe90d1-13bc-4da0-9af7-2b86cab13b8e.html

Fahrrad und Gesundheit (Schlussfolgerunen auf Seite 18)
https://fgoe.org/sites/fgoe.org/files/2017-10/2012-02-23.pdf

Und Fun-Fact (Ich LIEBE solche Zusammenhänge bzw. positive Rückkopplungen): Weil in Fahrradstädte viel weniger Menschen schwer verunglücken oder mit Asthmaanfällen und Herz-Kreislaufproblemen zusammenbrechen, sind die Retter im Ernstfall nochmal schneller, weil sie weniger überlastet sind!

Und alles, was wir dafür tun müssen ist uns von alten Gewohnheiten zu verabschieden. Es ist wie beim Sex: Man kann sich das ganze Leben lang über schlechten Verkehr beschweren – oder man probiert mal was Neues aus und merkt plötzlich: Verdammt, das macht ja Spaß! Und gesund und entspannend ist es auch noch.

Verkehrswende? Endlich guter Verkehr und schnelle Retter.

Euer Captain F wie Fahrradstadt

………….
P.S. Die alte gebrechliche Frau ist in Bus, Bahn und Taxi im Zweifel deutlich besser aufgehoben als in einem Blankeneser Schaufenster weil sie Gas und Bremse verwechselt und gerade die Handwerker kommen in Fahrradstädten mit Ausnahmegenehmigung selbst in beruhigten Ecken sogar besser durch, weil sie eben nicht mehr in der Rush-Hour festhängen und durch die vielen Radfahrer MEHR Platz in der Stadt ist.

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