Tag: Grafik der Woche (page 1 of 6)

Der klimaschädlichste Spaceporno der Welt: Milliardäre im Weltall

1961: Juri Gagarin fliegt als erster Mensch ins Weltall
2021: Milliardäre fliegen mit hinterzogenen Steuergeldern in Phallussymbolen in das Weltall und behaupten sie würden das „für den Klimaschutz“ tun.

Ich hab den „Klimaschutz“ einfach mal nachgerechnet. Ergebnis: 10 Minuten Spaceporno produzieren auf die Rakete gerechnet circa 200 Tonnen CO2 (Die Schätzungen reichen bis 300 Tonnen CO2). Das durch 5 Passagiere geteilt ergibt 50 Tonnen CO2 oder fünfmal Frankfurt Sydney. Für wohlgemerkt 10 Minuten, in denen man die Erde von oben sehen kann und sieht „wie schön und verletzlich die ist“ und erkennt „dass wir sie wirklich dringend schützen müssen!!“

Eine Stunde HD-Porno auf dem Laptop verursacht dagegen 15 Gramm C02. 10 Gramm CO2 für den Laptop und 5 Gramm CO2 für den Serverbetrieb und Datenübertragung.

Das heißt man könnte statt 10 Minuten Spaceporno 304 Jahre HD-Porno schauen um auf dieselbe Emissionsmenge zu kommen. Und ich sag mal: Selbst ein hundertstel der Zeit, also 3 Jahre kann als eine echte Herausforderung angesehen werden.

Die Logik der Spaceporno-Klimaschützer ist übrigens: Sie würden mit ihren Spacepornos Fliegen effizienter machen und grünen Wasserstoff vorantreiben. Und, natürlich, das ist etwas, für das der „normale“ Flugverkehr ja gar keinen Anreiz bietet. Dafür muss man natürlich Weltraumtourismus entwickeln, der rein zufällig so 250.000 € pro Flug kostet und wenn man ehrlich ist einfach die teuerste Achterbahn der Welt für reiche Egoisten wird.

Dazu passt, dass derzeit daran gearbeitet wird, die wahnsinnig treibstoffintensiven Überschallflüge wieder aufzulegen. Zudem fliegt Buchhändler Bezos zwar mit Wasserstoff – aber aus ungeklärten Quellen – und Gesichtshupe Branson schlicht mit üblem konventionellem Treibstoff.

Während also selbst den letzten CDU-Funktionären allmählich klar wird, dass es hier unten mit Klimwandel doch recht ungemütlich werden könnten, denken ein paar priviligierte ********* (persönliche Lieblingsbeleidigung einfüllen) „FCK Earth! Was soll ich mit meinen durch eine Heerschaar von Steueranwälten sonst machen als die Erde mutwillig zu zerstören?“

Und man muss sagen: Natürlich. Was sollte man mit all dem Geld sonst machen? Etwa echten Klimaschutz? An andere denken? Eine selbstverständlich komplett absurde Vorstellung für reiche Egoisten.

In diesem Sinne: Das Problem ist nicht, dass die Milliardäre ins All fliegen. Das Problem ist, dass sie zurückkommen.

……..

Glaub nix ohne seriöse Quellen!

https://www.swr.de/swraktuell/radio/im-gespraech-podcast-100.html

https://www.theguardian.com/science/2021/jul/19/billionaires-space-tourism-environment-emissions

https://www.co2online.de/klima-schuetzen/mobilitaet/bahn-oder-flugzeug-der-vergleich/

https://www.iea.org/commentaries/the-carbon-footprint-of-streaming-video-fact-checking-the-headlines

https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/video-streaming-art-der-datenuebertragung

Hochwasserkatastrophe: Ursachen und Folgen vs. rechtspopulistisches „Lösungsangebot“

Die Frage ist ja immer: Ist die Welt zu kompliziert, oder sind wir einfach nur zu faul ihre Komplexität zu verstehen und machen sie damit erst kompliziert?

Die Hochwasserkatastrophe zeigt eigentlich sehr schön: Die eigentlichen Probleme entstehen nicht durch komplexe Wechselwirkungen und Folgen. Es wird erst kompliziert weil zu viele Interessengruppen auf ihren egoistischen Interessen bestehen und die Politik zu bequem ist, um rechtzeitig durchzugreifen und tragfähige Lösungen zu finden.

– Niemand hat Bock bei sich nen Polder bzw. Rückhaltebecken zu bauen. Das gilt übrigens besonders länderübergreifend. Da zeigen dann die Belgier auf die Deutschen und die auf die Niederländer

– Landwirte pflügen und überdüngen bis zum letzten Meter an den Bach und zerstören so die schützende Vegetationsdecke in Ufernähe

– Waldböden werden durch intensive Forstwirtschaft verdichtet, können zu wenig Wasser aufnehmen – aber dafür kann das Wasser in den gerissenen Schneisen super abfließen und viel Boden mit sich reißen.

– Landwirte wollen (verständlicherweise) keinen giftigen Schlamm auf ihren Feldern, also auch hier kein Öffnen der Deiche um Druck abzulassen.

– Alle wollen im Grünen wohnen und durch Zersiedelung und veralteten Hochwasserschutz wird den Flüssen der Raum genommen

– Die einen wollen (angeblich) pflegeleichte Schottergärten, die anderen mehr Parkplätze oder noch eine Umgehungsstraße und auch viele Kommunen nutzen großflächig Betonchic. Folge: Wasser wird nicht gepuffert und fließt viel zu schnell ab.

– Fast alle halten Klimaschutz für wichtig, aber anfangen soll bitte meist jemand anders

– Die Politik ist zu bequem und zu ängstlich um sich mit den Interessengruppen anzulegen, schiebt auf die lange Bank und ist unentschieden. Schon wunderbar bei Corona und Laschet zu sehen: Ist der Chef unentschieden, frisst sich das durch alle Ebenen. Der Fisch stinkt vom Kopfe her…

– Die Behörden wollen im gemütlichen Tagesbetrieb nicht gestört werden.

– und die AfD? Die will zusammen mit vielen ihrer Wähler einfach richtig, richtig dumm blieben. Idiotie aus Überzeugung. Und erschwert mir ihrem unterkomplexen Schwachsinn sinnvolle aber schmerzhafte Politik.

………………

Dazu kommen noch unnötige Fehler wie z.B. das einseitige Setzen auf Digitalisierung (Haha, deutsche Behörden…) anstatt einfach SIRENEN funktionsfähig zu halten und eine viel zu lange Leitung bei Behörden aber auch Medien.

Merke: Die Definition einer modernen Katastrophe ist IMMER, das sehr viel schief gelaufen ist. Denn wissen tun wir heute eigentlich fast immer genug und früh genug.

Euer Captain Futura.

P.S. Die Unimogs auf dem Meme der AfD sind übrigens ein paar Meter weiter stecken geblieben und die Insassen mussten gerettet werden. Und normale Verbrenner? Saufen natürlich im Wasser ab. Das wurde in genug Videobeweisen ja tatsächlich ausprobiert, um es eindrücklich zu verifizieren. Im Grunde sind Elektroautos sogar fast einfacher sicher vor Wasser zu machen. Aber hey, Realität, who cares!?

Faktencheck: AfD hat keine Ahnung, wie Diesel funktionieren (nicht unter Wasser)

Wer wissen will, wer wann und wo gewarnt war. Wenig überraschend: Man wusste eigentlich rechtzeitig bescheid. Ich hab durch Zufall! (Kein Scherz) sogar lange vorher die Warnung bei Kachelmannwetter gelesen (Häufig übrigens sehr empfehlenswert) und wunderte mich dann darüber dass das alles so „überraschend“ kam…

https://www.tagesspiegel.de/politik/schwere-vorwuerfe-deutschland-wurde-praezise-gewarnt-die-buerger-aber-nicht/27433034.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE
Und wer für ein bisschen Hoffnung mal lesen will wie Politik komplett unpopulistisch knallharte Fehleranalyse betreiben kann: Hier ein Interview mit Baerbock. Aber gut, dass die Plagiatsaffäre so breit getreten wurde, sonst wäre noch jemandem aufgefallen, dass sie inhaltlich durchaus kompetent ist und die Dinge beim Namen nennt.
https://www.fr.de/politik/baerbock-gruene-hochwasser-katastrophe-tief-berd-unwetter-nrw-rheinland-pfalz-unwetter-politik-laschet-cdu-frankfurt-90869615.html

Armin Laschet – vom Klimawandel überrascht.

Es gibt Zitate, die altern sehr schlecht. Und es gibt Zitate, die waren schon zum Zeitpunkt ihrer Entstehung von legendärer Ignoranz. Und sind dazu noch verdammt schlecht gealtert.

„Aus irgendeinem Grund ist das Klimathema plötzlich ein weltweites Thema geworden“ hätte man vielleicht im Jahr, sagen wir 1982 erwartet. Armin Laschet hat es aber 2019 bei Anne Will gesagt. Hier der Beleg:

Nun kann sich jeder Mensch ändern. Auch Spätberufene wie Armin Laschet, die circa 30 Jahren nach dem Rest der Welt merken, dass das mit dem Klimawandel echt n Ding ist.

Nur hat Armin Laschet sich geändert?

Nein. Natürlich nicht.

– Er prügelt Autobahnen durch das Land. Oder vielmehr: Lässt prügeln

– Er behindert und verhindert den Windkraftausbau in NRW. Gerade noch einmal gesetzlich verschärft.

– Er findet ein Tempolimit „unlogisch“ (wie auch immer er zu dem Ergebnis kommt)

– Er will im Wahlprogramm der Unionsparteien die Wirtschaft „entfesseln“ (das steht ernsthaft als erster Punkt einer nachhaltigen Wirtschaft!) und irgendwie bis 2045 klimaneutral werden.

Wenn es um Klimaschutz geht, wirft Würfelarmin immer irgendwas mit Technologie, Innovation und Wasserstoff in den Raum. Denn WASSERSTOFF klingt so geil nach dem Stoff aus dem coole Illusionen sind. Egal welches Problem: Wasserstoff ist die Antwort! Zahlen dagegen nicht. Zahlen sind böse. Daher sucht man im Unions-Wahlprogramm auch umsonst nach wirklichen Plänen oder gar Vorgaben.

Es bleibt gewohnt wolkig bei der Union. Wie beim Swingerclub gilt bei der Union im Klimaschutz stets: Alles kann. Nichts muss.

Und es stimmt ja, weder Hitzewelle und Brände in Kanada / Kalifornien, noch Starkregen in der Eifel können direkt auf den Klimawandel zurückgeführt werden.

Sie werden nur wahrscheinlicher. VIEL wahrscheinlicher. 150mal heute und bald bis zu 1.000 mal wahrscheinlicher.

Und Starkregen und Hitzewelle hängen sogar zusammen. Normalerweise sorgt ein stabiler Jetstream in großen Höhen dafür, dass ständig neues Wetter herangetragen wird. Der Jetstream ist eine Art Wellenband aus Westwinden das auf der Nordhalbkugel um den Erdball geht und wie ein Fluss ständig vor sich hin määandriert. Dabei trägt der Jetstream mal ein Hoch, mal ein Tief heran und das Wetter ändert sich stetig.

Nur hat sich der Jetstream durch den Klimawandel abgeschwächt, wird langsamer und bildet sozusagen größere Buchten, in denen sich Extremwetter dann viel besser und länger halten.

Und dann regnet und regnet und regnet es. Weil das Wetter bleibt und bleibt und bleibt. Und am anderen Ende der Welt steht die Hitze. Und steht und steht.

Alles hängt zusammen. Da staunt der Fachmann und der Armin wundert sich.
……

Daher: Wenn der überraschte Armin dann demnächst im Hochwassergebiet in Gummistiefeln gesichtet wird möge man ihn daran erinnern, dass er an diesem Hochwasser mittelbar mitschuldig ist und das es mit seiner Politik noch viel, viel schlimmer werden wird.

Denn das Klimathema ist vielleicht das wichtigste Thema unserer Zeit und Armin Laschet hat keine Antworten, es ist ihm ja überhaupt erst 2019 aufgefallen. Aber ist ganz stolz, dass er die Bundeswehr schicken kann und die da jetzt also einen wichtigen Beitrag leisten….toll Armin. Ganz toll!

Und jetzt geh weiterwürfeln und Hubschrauberfliegen und lass mal Profis ran, okay? Denn ganz ehrlich: Es sterben heute schon Menschen und es werden noch viele, viele mehr sterben wenn wir den Klimawandel nicht endlich mit allem, was wir haben stoppen.

Mein volles Beileid gilt daher den Opfern und mögen wir zusammen weitere verhindern, selbst wenn die Politik versagt.

……….

Die Quellen:

Klicke, um auf Regierungsprogramm.pdf zuzugreifen

https://taz.de/Laschets-Klimapolitik-in-NRW/!5780659/

https://www.klimareporter.de/erdsystem/wenn-der-jetstream-einrastet

https://www.tagesspiegel.de/wissen/extremwetter-und-klimawandel-ueber-den-wolken-aus-der-puste/22893494.html

https://www.dw.com/de/hitzwelle-kanada-usa-nordamerika-2021/a-58215152

Ist Bitcoin die Zukunft?

Elon Musk hat mit Tesla (und anscheinend auch persönlich) Milliarden in Bitcoins investiert. Was aussieht wie die Zukunft, ist aber vor allem ein weiterer Schritt Richtung Klima-Apokalypse. Denn Bitcoins laufen auf gigantischen Mengen dreckigem Kohlestrom, der den Treibhauseffekt weiter anheizt. Und das obwohl der praktische Nutzen gegen Null geht, da es sich um eine reine Spekulationsblase handelt.

Denn während Kreditkartentransaktionen sparsam mit Energie umgehen verbrauchen Bitcoins beim Schürfprozess bzw. Mining
unglaubliche Mengen von Strom. Nicht umsonst stehen die entsprechenden Rechenzentren meist dort, wo Strom günstig ist, z. B. in der chinesischen Einöde mit Direktleitung zum Kohlekraftwerk. Beim Mining knacken Hochleistungsrechner komplizierte Rechenaufgaben, um die Verschlüsselung zu validieren. Das muss man genauso wenig verstehen wie den Hype um dieses auch in halbseidenen Kreisen beliebte Zahlungsmittel – verstehen sollte man aber, dass der Stromverbrauch gigantisch ist. Schätzungen gehen davon aus, dass eine Bitcoin-Transaktion durch das Mining bis zu 300 kWh verbrauchen kann. Das entspricht ca. 300.000 Kreditkartentransaktionen.

Die Zahl wird übrigens teilweise noch höher angesetzt, ich habe mich hier grob an Wikipedia gehalten. Schon 2018 soll die Bitcoin-Szene deutlich mehr Strom verbraucht haben als Dänemark. Für etwas, das als reines Spekulationsobjekt im täglichen Leben komplett nutzlos ist. Und genauso hat Elon Musk das auch gehandhabt: Tesla hat bereits zehn Prozent der Anlagen in Bitcoins wieder abgestoßen und dabei einen hübschen Gewinn im höheren Millionenbereich gemacht.

Was einmal mehr belegt: Milliardäre machen was Milliardäre machen: Reicher werden. Und: Zwischendurch Sonntagsreden schwingen, während sie Montag bis Samstag für die Rendite die Zukunft des Planeten ruinieren.

Und Bitcoins? Gehören eigentlich längst stillgelegt und durch effizientere Kryptowährungen ersetzte. Statt dessen wird der Hype weitergehen, denn jetzt haben zu viele Menschen zu viel zu verlieren und die Gier der Anderen tut ihr übriges. Was einmal mehr beweist: Die schöne neue Digitalwelt sieht am Ende unter der weißen Plastikoberfläche genauso dreckig aus wie der Erdöl- und Kohlerausch vergangener Jahrhunderte.

Übrigens gibt es einen nennenswerten Anteil an Bitcoins, zu denen der Besitzer oder die Besitzerin den Schlüssel verloren hat. Manche Menschen sind theoretisch Multimillionäre, kommen aber an ihr Geld nicht ran, weil sie das Passwort nicht mehr wissen. Anders gesagt läuft da ein Kohlekraftwerk für Bitcoins, die im Grunde zweimal nicht existieren. Einmal nicht physisch und einmal nicht als abrufbares Vermögen. Die Zukunft unseres Planeten wird für digitale Geister ruiniert.

Euer Captain Futura.

Und weil IMMER dieselben Kommentare der Bitcoinfans kommen. Hier nochmal wiederholt, es wird folgendes verglichen:

Die Visa Incorporation mit ihrem KOMPLETTEN Stromverbrauch – auch Gebäude und co – geteilt durch alle Transaktionen die sie vornimmt

gegen

Die Bitcoin Gemeinde und ihr Stromverbrauch geteilt durch alle Transaktionen, die sie vornimmt.

Und dann kommt das in der Grafik raus, beziehungweise meist für Bitcoins noch viel schlechtere Werte (Ich war noch nett). Das liegt daran, dass Bitcoins kaum reale Anwendungen haben und reine Spekulationsobjekte sind. Und genau darum geht es hier. Es wird für eine Spekulationsblase das Klima weiter ruiniert. Es ist, wenn man so will eben kein Geld, sondern wenn überhaupt digitales Gold ABER sogar energetisch im Schürfprozess NOCH schlimmer als Gold und in dem Moment wertlos in dem z.B. China und andere Staaten entscheiden, dass man Strom besser für effizientere moderne Kryptowährungen nutzen sollte, wie z.B. Ethereum.

Bitcoin Energy Consumption Index


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Diese Grafiken und all das sind, wie man sich vermutlich vorstellen kann, tierische Arbeit und ich hab leider den Punkt verpasst Bitcoins zu kaufen. Ich hab aber ein Buch gemacht. Mit tollen Grafiken, guter Unterhaltung und spannende Wissen, also wenn ihr Euch eine Freude machen wollt und mich unterstützen mögt:
https://www.m-vg.de/yes/shop/article/20212-grafiken-fuer-eine-bessere-welt/

oder auch hier bei den pösen Amazon (aber besser im Buchhandel kaufen!)

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Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Bitcoin#Mining-Rechenleistung,_Stromverbrauch_und_Umweltverschmutzung

https://www.faz.net/aktuell/finanzen/digital-bezahlen/bitcoin-stromverbauch-beiherstellung-enorm-hoch-15876893.html

https://www.sueddeutsche.de/digital/bitcoin-herstellung-energieverbrauch-1.4207289

Das SUV – Paradoxon

Ich glaube die Szene kennen alle, die auch nur ab- und an mit dem Rad fahren: Man quält sich so hinter den Auspuffen durch den Verkehr und wird plötzlich einem dieser monströsen, mehr als 2 Meter breiten SUVs kurz vor der roten Ampel so nah mit aufheulendem Motor überholt, dass man sich bei ausgestrecktem Arm direkt mitschleifen lassen könnte. Wenn das nicht leider potentiell tödlich wäre. Und das alles nur damit der SUV 2 Sekunden früher vor der Ampel warten kann. WEIL DAS MACHT MAN SO, UND RADFAHRER STÖREN EH NUR, ICH HABS EILIG, JETZT KOMM MIR NICHT MIT LOGIK!“

Man rollt etwas bleich an die stehenden Autos ran, klopft mit mühsamer Restfassung an die Scheibe und bevor man auch nur freundlich anmerken kann, „dass es doch schön wäre wenn nicht nur das Ego des SUV-Besitzers, sondern auch das nackte Überleben der Radfahrer und Radfahrerinnen Platz auf der Straße hätte…“ ist der Kollege in der schwarzen, übermotorisierten Sofalandschaft schon explodiert. „KAMPFRADLER! – WAS MACHEN SIE ÜBERHAUPT AUF DER STRAßE! – FRECHHEIT!“

Dabei ist es selbstverständlich völlig unerheblich, dass in den meisten Großstädten inzwischen eine Großzahl der Radwege auf der Straße verläuft, aber der Informationsstand vieler Leute am Steuer ihrer Geschosse ist halt so modern wie ihr Weltbild.

Und kaum zuhause wird dann natürlich in jedem Forum rumgeopfert, wie die Autofahrer immer weiter aus den Städten verdrängt werden, obwohl die doch mit IHREN STEUERN die Verkehrwege bezahlen und über angebliche Kampfradler allerorten geätzt.

Nun gibt es natürlich auch unter Radlern Idioten, denn Idioten kommen auf und in jedem Verkehrsträger. Aber es ist halt der Unterschied zwischen nervig oder potentiell tödlich ob dieser Idiot auf einem Fahrrad oder einen 400 PS Geschoss sitzt. Und die Regel ist mit dem gesetzlichen Mindestabstand von 1,5 Metern eigentlich eindeutig.

Leider zeigen Untersuchungen und Testfahrten, dass bis heute ein ordentlicher Teil der Automibilisten das mit den 1,5 Metern immer noch nicht verinnerlicht hat. In mehr als der Hälfte der Fälle wird der Abstand NICHT eingehalten. Das ist besonders bei den breiten SUVs so und partiell noch häufiger bei LKWs und Bussen.

Besondern schlimm in diesem Fall die „Schutzstreifen“ – die viel bieten aber eben keinen Schutz und geradezu dazu verleiten beim Überholen einfach in der Spur zu bleiben, denn da ist ja eine Streifen aufgemalt!

Die genauen Zahlen hier:
https://www.tagesspiegel.de/berlin/studie-bestaetigt-tagesspiegel-radmesser-radfahrer-werden-meist-zu-eng-ueberholt/24232800.html

https://www.tagesspiegel.de/berlin/studie-bestaetigt-tagesspiegel-radmesser-radfahrer-werden-meist-zu-eng-ueberholt/24232800.html

Daher: Gute geschützte Infrastruktur für Radfahrer und Radfahrerinnen, die automatisch für die Einhaltung des Mindestabstand sorgt, ist mehr als überfällig! Es gibt keine Alternative.

Sonja Pimenta ist einer meiner Patreons und unterstützt mit einem kleinen Monatsbeitrag meine Arbeit und hat diese Idee für die Grafik eingebracht. Einen riesigen Dank für beides! Wenn ihr Lust habt Patreon von mir zu werden, kriegt ihr auch mindestens eine Grafik und immer wieder kleine Überraschungen. Und der Beitrag ist wirklich sehr, sehr klein
https://www.patreon.com/user?u=32965554

Danke und eine schöne Woche! Und passt auf euch auf!

Hamburg: Teuer ausgebaggertes Tor zu Containerwelt.

Ich hab bei diesem wunderbaren Herbstwetter mehr aus Versehen wildromantische Fotos an der Elbe geschossen, mit denen man jetzt so wunderbar einen „Hamburg, Tor zur Welt“ Post machen könnte.

Könnte. Aber mach ich natürlich nicht. Denn der Hamburger Hafen hat etwas zu feiern: Die NEUNTE Elbvertiefung ist abgeschlossen. Jetzt können Schiffe mit 13,5 Meter und tideabhängig bis 14,5 Metern die Elbe passieren. Für schnuckelige 800 Millionen. Man hat also eine Elbphilharmonie in der Elbe versenkt, wenn man so will.

Und sieht das so in der Abendsonne nicht immer noch verdammt romantisch aus? Aber ist es natürlich nicht im Mindesten. Denn auch wenn die Elbe mich seit meiner Kindheit immer wieder beeindruckt und sie immer noch wunderschöne Ecken hat, wie z.B. das Hohe Elbufer zwischen Geesthacht und Lauenburg, natürlich das Elbsandsteingebirge, die wunderschönen Strände bei Hamburg und Stade – Es ist leider nicht zu übersehen, dass der Fluss leidet. Immer weiter und weiter wird die Elbe ausgebaggert, weil auch die Seelenverkäufer immer größer und größer werden. Und auch die Seeleute auf den Schiffe haben viel, aber eine gut(bezahlte) Zeit eher nicht.

Die Folgen des massiven Ausbaggerns sind Kosten von jetzt schon 150 Mio Euro im Jahr, die von Jahr zu Jahr steigen. Denn durch die vom Ausbaggern steileren Hänge rutscht immer mehr und mehr Sediment nach. Das zudem teuer entsorgt werden muss. Wer, wie ich durch den Hafen fährt kann sie überall sehen, die zunehmend verzweifelten Versuche Hamburgs den belasteten Elbschlick auf riesigen Halden loszuwerden.

Die Folge ist auch, dass immer weniger Sauerstoff im Fluss ist, schon jetzt lohnt das Fischen so gut wie nicht mehr, die Stinte werden weniger und weniger, die ganze Biosphähre unter Wasser leidet. Der EU hat Deutschland eigentlich versprochen seine Flüsse in einen guten ökologischen Zustand zu bringen. Aber natürlich ist das Gegenteil der Fall. Wir sind ja immer noch Deutschland. Bei uns stimmt die Öko-Show, aber das wars dann auch.

Einer der Hauptgründe dafür ist der Förderalismus. Der zu der wahnsinnigen Stilblüte führt, dass im Grunde alle Flüsse, die durch Norddeutschland laufen systematisch zerstört werden. Weil jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kocht.

NIEDERSACHEN hat die Ems wegen der Papenburger Meyer-Werft in eine Schlammwüste verwandelt.

BREMEN baggert die Außen- und Unterweser kaputt.

HAMBURG erledigt systematisch die Elbe.

Alles im Namen des Größenwettbwerbs der Containerriesen, bei dem man einfach mit muss.

Aber muss man? Nein. Natürlich nicht. Eigentlich hat man zusammen den Tiefwasserhafen in Wilhelmshafen gebaut. Den Jade-Weser-Port. Aber statt nun diesen in konsequenter Zusammenarbeit der Bundesländer auszubauen und alle größeren Schiffe an diesem anlanden zu lassen, ist Bremen gerade am überlegen sich herauszuziehen.

Denn die Dauerkonkurrenz zwischen den Häfen führt dazu, dass alle baggern wie verrückt und der Jade-Weser-Port Miese schreibt.

Dabei wäre eine Lösung sichtbar, wenn man es will. Man löscht die größten Pötte am Jade-Weser-Port, schickt den Teil der Hamburg oder Bremen weiterverarbeitet wird, per Feederschiff Elbe und Weser hoch. Man gibt dem Jade-Weser-Port endlich eine gute Bahnanbindung, vor allem auch mit Verbindung nach Hamburg. Man teilt sich die Kompetenzen auf. Offshore-Windindustrie, Containerverkehr, Wasserstoffindustrie – es kommt genug auf die Häfen zu.

Man könnte einen nationalen Champion als Antwort auf die tatsächliche Konkurrenz aus Rotterdam schaffen. Aber die Nordbundesländer ziehen es lieber vor öffentliche Gelder rauszublasen, um ihre Flüsse langsam totzubaggern.

Dabei stimmen die Zahlen und Prognosen hinten und vorne nicht. Hamburg rechnet mit 25 Mio Standardcontainern pro Jahr damit sich die Elbvertiefung lohnt. 2020 waren es aber nur 8,5 Mio. Kein Experte rechnet mit deutlich mehr. Ach und selbst nach dem Ausbaggern, sind die größten Schiffe schon wieder tiefer als die Elbe. Ob bei Flut oder Ebbe.

Aber man hat 600 Mio für den Jade-Weser-Port ausgegeben und 800 Mio für die Elbvertiefung. Die Ebbe in den Statskassen ist also immerhin sicher.

Das kann man natürlich alles trotzdem so machen. Ist dann halt nur wirklich, wirklich dumm. Daher hab ichs mal in zwei Grafiken gepackt.

Also: Ist der Anblick romantisch? Über Wasser schon. Unter der Wasseroberfläche? Sicher nicht.

https://www.bund-hamburg.de/service/presse/detail/news/mogelpackung-elbvertiefung-grosser-schaden-fuer-die-umwelt-wenig-nutzen-fuer-die-wirtschaft/

http://www.hamburg-fuer-die-elbe.de/

Ein Artikel der schön zeigt wie wenig die Politik dazugelernt hat. Der ist von 2012! und klingt absolut aktuell…
https://taz.de/Kampf-gegen-das-Ausbaggern/!5091128/

Über das Elbschlickproblem:
https://www.zeit.de/hamburg/2020-09/hamburger-hafen-elbvertiefung-schlick-wattenmeer-umweltschutz-klimawandel

Antwort auf die Junge Union: Schwarz-Gelb-Blau(braun) im Bund?

Die Junge Union hängt zu jeder Wahl die roten Socken raus. Und warnt in wunderbaren Grafiken vor einer linken Bundesregierung. Und ich dachte: Das ist so eine schöne Tradition, da starte ich direkt meine eigene. Denn wenn die Junge Union die roten Socken raushängt, dann häng ich doch einfach mal die braunen raus. Ist doch nur fair.

Denn ein kleiner Tipp liebe Junge Union: Die Personen, die ihr da abbildet sollten mehr Panik auslösen als das derzeitige Kabinett. Und ich muss sagen: Habeck für Arbeit und Soziales, Baerbock als Kanzlerin, Hofreiter für Verkehr, Kühnert für Wirtschaft und Ralf Stegner für Justiz und Katja Kipping: Kann ich das bitte einfach sofort haben?

Wir haben derzeit Andi B. Scheuert als Verkehrsminister. Und Altmaier als Wirtschaftsminister. Euer Andi hat Inkompetenz in eine ganze neue Liga geführt und Altmaier ist der erste Wirtschaftsminister, den von Arbeitgeber über Arbeitnehmer, Industrie bis hin zu denen, die erst noch in die Klimakatastrophe geboren werden – wirklich ALLE für inkompetent halten. Muss ich mehr sagen?

Und ja, das ist gemein, Maaßen und Höcke mit in eine potentielle Bundesregierung aufzunehmen. Denn noch steht eure Brandmauer nach rechts. Also so halbwegs. Nicht in Thüringen. Nicht in der Provinz, da bröckelts schon. Aber sonst so halbwegs.

Aber ganz ehrlich: Das ist einfach nur Euer Niveau des Diskurses. Und ich mein es immerhin satirisch mit einer ordentlichen Portion schwarzem Humor. Ihr meint Euren kompletten Unsinn völlig ernst.

Hier übrigens mal, für alle (außer euch, liebe Junge Union) zum Lachen, eure Angstmacherpost aus 6 Jahren:

2016 noch mit Claudia Roth:

Mit Habeck als Kanzler:
https://m.facebook.com/JUMuenchenNord/photos/a.490286407738776/2754076291359765

Die aktuelle Version der roten Socken:
https://twitter.com/ju_mucnord/status/1340741365756510209

Witzig.

Wir sehen uns im September,
Euer Captain Futura

……..

Falls ihr meine aufwendige Arbeit unterstützen wollt und Lust auf lustige Grafiken und natürlich streng linkökofaschistisch-stalinistische Unterhaltung habt findet ihr mein Buch mit hundert erhellenden Grafiken hier:
https://www.m-vg.de/yes/shop/article/20212-grafiken-fuer-eine-bessere-welt/

oder auch hier bei den pösen Amazon (aber besser im Buchhandel kaufen!)
https://www.amazon.de/Bauhaus-Taschenbuch-Architectur-After-Speculation/dp/3969050170

Mietendeckel runter? – Renditen hoch!

Der Mietendeckel wurde vom Bundesverfassungsgericht gekippt und die Häme ist groß. Gerade bei CDU und FDP, deren Abgeordnete stolz die Klage eingereicht haben. Und das macht ja auch irgendwie Sinn, dass CDU und FDP gegen den Versuch aktiver Politik geklagt haben. Beide Parteien zeichnen sich ja dadurch aus, dass sie in den letzten rund 20 Jahren zu reinen Erfüllungsgehilfen der Wirtschaft geworden sind.

„Sag mal da am Selbstbedienungsbuffet ist ein Monster, dass alles auffrisst, seht ihr das nicht?“ – „Oh doch klar, das ist die Wirtschaft!“ – „Oh, okay? Und warum setzt der keiner Grenzen?“ – „Bist du wahnsinnig, die muss man immer füttern, hörst du! Und ihr alle Wünsche erfüllen! Nicht, dass sie böse wird und weggeht! Die scheißt Gold! Und macht das Leben besser!“ – „Für wen?“ – „Das ist hier doch nicht die Frage, sie tut es, darauf kommt es an und nicht soo laut, sie ist sehr scheu!“ – „Aber sie hat angefangen den Tisch und die Möbel mit aufzuessen“ – „Ja, das ist normal mach dir keine Sorgen!“

Denn das ist ja der Punkt: Außerhalb absurd gestiegener Renditen für Deutsche Wohnen und co. gibt es keine sinnvolle Erklärung für die explodierenden Mieten.

Die deutsche Bevölkerung ist in den letzten 10 Jahren um 1,7 % gestiegen. Die Inflation ist fast schon historisch niedrig und beläuft sich auf ganze 13 %. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person ist um 10 % von 42,5 auf 47 Quadratmeter gestiegen, wobei sie in den großen Städten und insbesondere Berlin lange nicht so schnell steigt.

Das heißt entweder Wohnen ist von 2009 bis 2019 einfach doppelt so toll geworden und alle Mieter in Berlin haben jetzt eine Dachterrasse, vergoldete Wasserhähne und Marmorbäder, oder da haben Investoren einen Selbstbedienungsladen gefunden, weil alle in die Städte wollten.

Eindeutig ist übrigens, dass der Mietpreisdeckel, anders übrigens als die schnuckelige Mietpreisbremse funktioniert hat. Die Mietpreise in Berlin sind zuletzt kaum mehr gestiegen.

Jetzt kommen natürlich all die Jünger des ewigen Wachstums aus ihren Homeoffices, die rufen: „Das einzige was gegen Mietpreissteigerungen hilft ist bauen, bauen, bauen!“

Aber ist das so? Hamburg baut so schnell es kann, die Mietpreise steigen hier langsamer, aber insgesamt immer noch ordentlich explosiv. Ich war da und bin nicht umsonst rausgezogen, mir fehlte die Begeisterung die Hälfte der Zeit für die Miete zu arbeiten.

Wer derzeit in Hamburg unterwegs ist, weiß: Halb Hamburg ist eine Baustelle, am Anfang ist immer von Sozialwohnungen die Rede, die dann doch häufig Stadtvillen werden, aber sicher ist stets: Am Ende ist noch ein Stück versiegelt, ist noch ein Hinterhof verbaut, ist noch ein Baum gefallen, ist noch ein Freiraum verloren, ist noch mehr Platz für „einfache“ Leute und Künstler weginvestiert.

Es gibt also zwei Varianten des FRISS ODER STIRB!

– Bau nicht schnell genug und schau zu wie die Mieten explodieren, Superreiche die Reichen verdrängen, Reiche die Wohlhabenden verdrängen, Wohlhabende die Armen verdrängen. Modellstadt hierfür: London. Am Ende steht ein verödeter Stadtraum.

– Bau so schnell du kannst und schau zu wie die Mieten etwas langsamer explodieren, alle Freiräume zugebaut werden, die Lebensqualität der Stadt sinkt, die Luftqualität abnimmt und die Erhitzung im Sommer zunimmt und trotzdem auf mittlere Sicht Superreiche die Reichen verdrängen, Reiche….Am Ende steht ein verödeter, zugebauter Stadtraum.

Wenn das die zwei Varianten sind, was ist dann die dritte, von der keiner redet?

Nun die Variante ist, dass die Politik sich endlich nicht mehr der anscheinend unaufhaltbaren Logik der Wirtschaft am Selbstbedienungsbuffet ergibt, sondern die Wirtschaft zähmt und in den Nutzen der Menschen stellt. Klar brauchen wir eine gesunde Wirtschaft. Aber wir brauchen auch gesunde Menschen und einen Planeten.

Nun werden die Jünger des ewigen Wachstums mit ihren Perlen klimpern und sagen: Aber die Prozesse kehren sich auch wieder um, die Menschen wollen wegen Corona aufs Land.

Ja. Aber dadurch wird nichts besser. An allen schönen Orten, am Meer, an der Schlei, an den Bergen, kämpfen die Orte damit, dass reiche Städter die Einheimischen in hässliche Neubauviertel auf der grünen Wiese verdrängen. Sobald ein Haus frei wird, kaufts ein Investor aus der Stadt und entzieht den Raum der Allgemeinheit, um da 2mal im Jahr ein paar Wochen zu wohnen. Und den Rest der Zeit ist Leerstand, während die lokalen Geschäfte Pleite gehen weil außerhalb der Saison keiner mehr da seine Brötchen verdient oder Brötchen verkauft.

Ich wohnte mal am Schlump. Sehr zentral in Hamburg. Nachverdichtet im Innenhof. Längere Geschichte. Jedenfalls über uns eine schicke Bude mit Dachterrasse. Gemietet von einem Pärchen, die da zweimal im Jahr für ne Woche waren. Sie hatten eine Wohnung in Berlin, eine in München und eine in Hamburg. Bei uns waren sie nur im Urlaub und zum Sex. Was kaum zu überhören war. Und die Wohnung? War wirklich schön. Und schön leer. Bis sie sich wohl getrennt haben und jemand anders einzog. Es gibt kein Ende für Gier und Habenwollen. Wer zwei Ferienwohnungen hat kann immer noch drei haben wollen. Oder vier.

Daher: Auf Dauer werden wir um viel mehr Deckel oder einen grundsätzlichen Umbau des Wirtschaftssystems nicht herum kommen. Es gibt keine Alternative dazu. Wenn die Wirtschaft nicht für die Menschen arbeitet, für wen arbeitet sie dann? Wer sich dem unvermeidlichen Wachstum opfert, opfert sich. Und die Anderen gleich mit.

Und kommt mir nicht mit: „Veränderung gehört zum Leben! Da muss man mit!“

Ja. eben! Und deshalb sollten wir mal was ändern, damit sich nicht immer alles zum beschissenen ändert. Ich muss mir täglich Gedanken machen, ob eine Künstliche Intelligenz morgen meinen Job übernimmt, da will ich mich wenigstens nicht auch noch fragen müssen, ob ich meine Bude morgen noch bezahlen kann.

Lustig finde ich auch wenn flehentlich gesagt wird: „Wir sollten jetzt keinen Klassenkampf beginnen!“ Nun, der Klassenkampf läuft doch längst. Nur wurde er von Superreichen und Reichen angefangen, die dem Rest der Bevölkerung die Mittel entziehen. Denn deine überhöhte Miete bezahlt die dritte Nobel-Ferienwohnung des Investors. Oder zumindest den goldenen Wasserhahn.

Und diese Problem kann nur aktive Politik lösen und keine Erfüllungsgehilfen des Monsters am Selbstbedienungsbuffet von CDU und FDP.

Euer Captain Futura.

P.S. Falls ihr Bock auf spannende Grafiken und ein bisschen gute Unterhaltung habt und mich unterstützen mögt:
https://www.m-vg.de/yes/shop/article/20212-grafiken-fuer-eine-bessere-welt/

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Und hier die Quellen zu meinem Beitrag:

https://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-verfassungsgerichtshof-cdu-und-fdp-klagen-gegen-mietendeckel/25857444.html

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/167163/umfrage/mietentwicklung-in-den-deutschen-grossstaedten/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2861/umfrage/entwicklung-der-gesamtbevoelkerung-deutschlands/

https://www.finanz-tools.de/inflationsrechner-preissteigerung

Klicke, um auf ibb_wohnungsmarktbericht_2020.pdf zuzugreifen

https://www.berlinhyp.de/de/media/newsroom/berlin-hyp-trendbarometer-wohnfl%C3%A4chenbedarf-pro-person-steigt-mobiles-arbeiten-befeuert-zuzug-ins-umland-anspr%C3%BCche-an-infrastruktur-steigen

Merkel: The Power of Teflon.

Ich weiß ich mache mich jetzt hart unbeliebt. Aber es muss raus. Ich finds ja schön, wie jetzt alle Merkel für ihre Fehlerkultur feiern. Und Andi B. Scheuert. Und überhaupt. Und da sieht man mal wieder: Frauen sind besser in der Politik, die können wenigstens Fehler eingestehen.
Und tatsächlich, das mit dem Fehlereingeständnis, ich finde das positiv. Ich mag auch vieles an Merkels Art und ich finde das in letzter Zeit viele Frauen als Präsidenten eine gute Figur gemacht haben, während so einige Männer in ihrer breitbeinigen Art eine sehr traurige abgegeben haben.
ABER, ich finds auch faszinierend, wie an Merkel seit Anbeginn aller Regierungstage jegliche negativen Folgen des Regierungshandelns oder gerade des RegierungsNICHThandelns abperlen, als wäre sie mit Teflon beschichtet. Bei aller Liebe: Merkel ist Kanzlerin. Vielleicht darf man daran erinnern. Sie ist keine Präsidentin oder Grüßangela. Es wäre IHR Job durchzugreifen, sie hätte sich LÄNGST mit aller Energie dafür einsetzen können, dass Andi B. Scheuert gefeuert wird! Sie hätte es sogar müssen!
Merkel hat Spahn mehrfach sehr geschickt ins Masken und Schnelltestdesaster laufen lassen. Und immer wenns um die gebrochenen Versprechen ging, war sie zufällig nicht im Raum. Merkel wollte damals mit Kirchhoffs Bierdeckelsteuerreform den Neoliberalismus auf die Spitze treiben. Merkel hat damals den recht kompetenten Atomkompromiss zum Ausstieg aus der Kernkraft von den Grünen ohne Not und wider besseres Wissen rückgängig gemacht! Dann kam Fukushima und sie hat einen neuen, deutlich ungeschickteren Atomkompromiss zusammengeschustert, der kaum gerichtsfest war. Merkel hat Asse und Gorleben viel zu lange weiterlaufen lassen.
Merkel hat sich als Klimakanzlerin inszeniert, aber nichts fürs Klima getan und später die Erneuerbaren Energien abgefrühstückt und von ihren Ministern die Photovoltaik brutal abwürgen zu lassen. Merkel hat sich als Europäerin inszeniert, aber niemals eine Vision für Europa entwickelt und keine Anstalten gemacht Orban und co. zu stoppen oder wenigstens den Geldhahn zuzudrehen. Merkel hat die Digitalisierung verpennt und keinen Druck gemacht, um die Stromnetze für die Zukunft fit zu machen. Mutti Merkel hat alles Konkurrenten auf legendär geschickte Art kaltgestellt, da wirkte sie plötzlich gar nicht mal so muttimäßig.
Merkel regiert Deutschland seit 16 Jahren und Deutschland ist in der Zeit konsequent abgerutscht. In Klimaschutz, in Natur- und Umweltschutz, in sozialer Gerechtigkeit, im Bildungsbereich, Digitalisierung, Zukunftstechnologien, die Verkehrswende kommt nicht in die Pötte, die Bahn ist in desaströsem Zustand.
Manchmal hab ich das Gefühl als wäre halb Deutschland geblitzdingst und hätte komplett vergessen was Merkel in den 16 Jahren (nicht) getan hat. Ach die war Kanzlerin?
Denn sie war immer gemütlich dabei, wirkte irgendwie authentisch und vertrauenswürdig und klar kann man behaupten: „Aber die CDU! Mit jeder oder jedem anderen in der CDU wäre es noch schlimmer geworden!“ Ja aber deswegen muss ich Merkel jetzt gut finden? Und dann hätte es vielleicht eine Gegenreaktion gegeben und dann mal rechtzeitig eine Regierung ohne die CDU.
Also sorry, es tut mir leid, aber wenn jemand 16 Jahre Kanzlerin ist, dann erwarte ich mehr. Dann reicht mir eine moralisch halbwegs integre Persönlichkeit nicht. Dann erwarte ich ganz stumpf sowas wie gute Ergebnisse. Ansonsten steht auf dem Zeugnis: „Sie hat sich stets ehrlich bemüht.“
Das finde ich dann menschlich sympathisch aber diese Merkel-gibt-Fehler-zu-Feierstunde kann ich trotzdem bei bestem Willen nicht verstehen. Sorry.

Renaissance der Atomkraft? Schon wieder?

Es ist ja so: Wenn die Bundesregierung einmal mehr die Energiewende verschlampt und allerorten gegen Windräder oder Strommasten opponiert wird* – dann kommt ganz sicher jemand von AfDPWirtschaftsunion in den Raum, furzt „Atomkraft ist klimafreundlich!“ oder „Atomkraft ist die Zukunft, nur wir dummen Deutschen machen wieder nicht mit!“, geht wieder und lässt den Rest mit dem Gestank allein.

Als kleiner Reminder diese Grafik. Ist es nicht alleine schon auffällig genug, wie beliebt es ist Atomkraftwerke direkt an die Grenze zu bauen? So hat Tschernobyl Weißrussland am Ende härter getroffen als die Ukraine. Und Weißrußland baut seinen neuen Reaktor Astrawez folgerichtig mit voller Absicht direkt an die Grenze zu Litauen. Als politisches Druckmittel. Nach dem Motto: Jetzt hängen die Litauer mit drin. Subtext: Wenns Weißrußland scheiße geht und sich die Pannen häufen, dann ist auch Litauen in Gefahr. Also unterstützt mal besser die Führung (bzw. den Föhrer) von Weißrußland!

Auch Fessenheim war zuletzt mehr ein Problem Deutschlands als Frankreichs. Wegen vorherrschender Westwinde hätte Fallout aus einer Kernschmelze wohl vor allem die Umgebunge von Freiburg verseucht. Und die diversen Pannen haben zu so viel Ärger, vor allem auch aus Deutschland geführt, dass man es schlussendlich endlich abgeschaltet hat. Noch dreister ist nur Chooz, das Frankreich mehr oder weniger in Belgien „reingebaut“ hat. Wer seine Nachbarn liebt, zeigt ihnen halt gern sein strahlendstes Lächeln.

Nun noch kurz in Sachen „Renaissance der Kernkraft“ die von den Unbeirrbaren immer so gerne bemüht wird. Zwei Projekte sagen eigentlich alles was man wissen muss:

Olkiluoto in Finnland
Hinkley Point in England

An diesen beiden Orten in zwei der höchstentwickelten Ländern der Welt (na gut, bei England lässt sich zunehmend drüber streiten) sollen neue Kernkraftwerke gebaut werden. Also genauer: Man versuchts. Halt nur schon etwas länger. Um es ganz genau zu sagen: Die beiden Projekte sind der Berliner Flughafen von Finnland bzw. England. Nur dass sie noch viel, viel teurer sind und die Folgekosten viel, viel höher. Sogar wenn man das Risiko einer Kernschmerze ausklammert.

Olkdingsbums wird seit 12. August 2005 gebaut. Geschätzte Kosten 3 Milliarden Euro. Geplante Fertigstellung 2011.

–> Heute geschätzte Baukosten liegen bei 11 Milliarden Euro. Ganz vielleicht soll das Kernkraftwerk Februar 2022 ans Netz gehen. Die explodierenden Kosten trägt größtenteils der französische Steuerzahler, weil Areva als Bauträger einen Festpreis vereinbart hat und französischer Staatskonzern ist. Ich wage die vorsichtige Schätzung: Das machen die nicht nochmal.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Olkiluoto
https://www.swr.de/swr2/wissen/swr2-wissen-2019-12-16-100.html

Hinkley Point. Hier begann das Projekt Neubau 2013 mit geschätzten Kosten von 16 Mrd. Pfund (ca. 18 Mrd Euro) inzwischen sind wir bei 24,5 Mrd. Pfund (27,4 Mrd. Euro) und die Fertigstellung? Nun ja. Eigentlich ist bis heute nicht mal so richtig der Bau in Gange gekommen, Stand 2019 ist man 8 Jahre hinter Zeitplan, was wenn man zurückrechnet das Jahr 2011 wäre, was somit ein Zeitpunkt vor dem Planungsbeginn wäre. Hinkley Point ist also das erste Bauprojekt der Welt, das beim Bau in der Zeit zurückreist. Sozusagen der Benjamin Button der Großprojekte.

Um das Vertrauen in den Erfolg des Projektes noch zu vertiefen: Drin hängen England (logisch), China über den Staatskonzern China General Nuclear Power und Frankreich über den Staatskonzern EDF. Wobei EDF wegen der explodierenden Kosten Angst hat Pleite zu gehen und wilde Memos verschickt wurden. Daher wurde eine Einspeisevergütung verhandelt. FALLS das Atomkraftwerk eines Tages ans Netz geht, würde der britische Staat über 35 Jahre garantiert mindestens 100 Euro pro Megawattstunde zahlen. Und zwar mit der Inflation wachsend. Es würde also mit 10 cent pro kWh starten und mit ca. 22 cent pro kWh enden.

Der Witz daran: Erneuerbare Energien produzieren Strom längst durchweg günstiger. Heute schon. Onshore-Wind kostet zwischen 3,99 und 8,23 cent pro kWh / Offshore-Wind geht von 7,79 bis 13,79 cent pro kWh / Solarenergie kostet zwischen 3,71 und 11,54 cent pro kWh / Tendenz überall fallend.

Man schätzt die Gesamtkosten von Hinkley Point für den britischen Staat auf 100 Milliarden. HUNDERT Milliarden. Das sind Löcher in der Staatskasse, da wird sogar Corona neidisch.

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Kleiner Funfact zu den alten schon bestehenden Blöcken von Hinkley Point, ich zitiere Wikipedia: „Während der Bauphase im Jahr 1961 urinierte ein Bauarbeiter gegen eine der Rohrleitungen. Dies hatte zur Folge, dass die entsprechenden Leitungen, durch welche während der Betriebsphase die radioaktiven Abwässer flossen, zu rosten begannen und deswegen 1986 die Anlage für zehn Tage stillgelegt werden musste, um die Leitungen für umgerechnet damals rund 4,5 Millionen DM zu erneuern.“

Atomkraft: Immer eine sichere Kiste! Wirklich traurig dass wir dummen, dummen Deutschen da nicht mehr mitspielen. Wir verpassen die strahlende Zukunft Leute! Aber sowas von!
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P.S. Mehr aufschlussreiche Grafiken (und Erklärungen) nur im Buch „Grafiken für eine bessere Welt“ im Yes Verlag:
https://www.m-vg.de/yes/shop/article/20212-grafiken-fuer-eine-bessere-welt/
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weitere Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Hinkley_Point
https://www.ews-schoenau.de/energiewende-magazin/zur-sache/hintergruende-zu-hinkley-point-c/
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/energie-strahlendes-milliardenspiel-1.4147237

* kurz noch ein Wort zu Bürgerinitiativen. Ursprüngliche Formulierung hab ich gestrichen weil sie missverstanden wurde. Grundsätzlich finde ich BIs ein sinnvolles Instrument des Bürgerwillens. In den letzten Jahren gab es leider einen gewissen Trend zu Nimby (Not-in-my-backyard) bzw. dem schönen St. Florians Prinzip („“Heiliger Sankt Florian, verschon‘ mein Haus, zünd‘ and’re an!“) was meint: Alle, wollen alles haben außer den Nachteilen, die will keiner. Anders gesagt: Wer Strom will, muss halt auch irgendeinen Tod sterben. Und wer aus guten Gründen GEGEN Atomkraft und Kohle ist, muss Windkraftanlagen und PV auch in seiner Nachbarschaft akzeptieren, sonst wirds irgendwann lächerlich. Der Windstrom muss zudem von Norddeutschland nach Süddeutschland. Ganz ohne Fernspannung wirds nicht gehen, auch wenn Dänemark vormacht, dass mehr lokal ausgeglichen werden kann, als in Deutschland gerne behauptet wird. Kurz, es ist kompliziert, wenn aber an so gut wie jedem Windrand und jedem Hochspannungsmast demonstriert wird kommt überhaupt nichts voran und es ist teilweise schwer die seriösen BIs von den zunehmend verschwörungstheoretisch aktiven wie z.B. „Windwahn“ (Wobei da der Name immerhin Bände spricht) zu unterscheiden.

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/erdweg-windrad-energiewende-1.4950579
https://www.kontextwochenzeitung.de/gesellschaft/245/hansi-mueller-und-die-windkraft-verschwoerer-3303.html
https://www.sfv.de/artikel/mit_vernunftkraft_gegen_saubere_energie
http://www.bund-rvso.de/buergerinitiativen-windkraft-windenergie-fake-news.html

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