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Monopoly 2020 – Die Steinzeit ruft

Denn ich finds ja immer wieder lustig, wie man bei der leisesten Kritik an unserem derzeitigen System direkt die Steinzeit-Sozialismuskeule drüber kriegt.

Denn Steinzeit, das war – wenn ich mich recht erinner – Menschen, die sich gegenseitig mit Faustkeilen die Schädel einschlagen wobei der Stärkste oder Gerissenste gewinnt und sich fortpflanzt.

Mithin fast fairer als heute, wo schlicht derjenige gewinnt, der am reichsten geboren wird. Denn auch in Deutschland wird längst der Großteil des Vermögens vererbt. Die soziale Durchlässigkeit hat enorm abgenommen. Man wird nur in Ausnahmefällen reich durch Arbeit oder Talent (und wenn meist nur mit Burnout), man wird reich durch Reichtum*.

Und irgendwie ist eigentlich allen klar, dass da gerade was faul ist, aber jeder träumt halt auch ein bisschen davon mal so reich zu sein wie Jeff Bezos und den Traum will man sich halt nicht nehmen lassen. Jetzt höhere Spitzensteuern? NEIN! Das könnte doch mich treffen, in 10 Jahren wenn ich REICH bin!

Das faszinierende an der Situation: Es macht niemanden glücklich. Es ist längst eindeutig erwiesen, dass Glück nur bis zu einem gewissen Vermögen (maximal im unteren Millionenbereich) steigt und ab da sogar wieder abnimmt.

Und das ist auch komplett logisch, wenn man das Leben mal als Spiel betrachtet. Denn wo liegt der Reiz darin wenn man reich geboren das Spiel ja schon vor der Geburt gewonnen hat? Oder arm eh keine Gewinnchancen hat?

Zudem disruptiert eine zu starke Spaltung des Reichtums Gesellschaften und macht sie unfrei. Wenn Menschen nur noch überleben wollen und nichts zu verlieren haben töten und rauben sie irgendwann für was zu essen und die Reichen müssen sich verschanzen, wie bereits in Südamerika zu beobachten. Und ganz ehrlich: Es liegt soviel Zauber darin hinter Stacheldraht in einem Reichengefängnis zu wohnen wie wegen Corona den ganzen Tag zuhause bleiben zu müssen. Es ist kurz ganz cool und dann einfach nur noch ätzend.

Das verrückte daran: Wir wussten das alles schon mal. Es gab mal die Idee der sozialen Marktwirtschaft. Wirtschaftlicher Aufschwung von dem alle profitieren. Die Idee war nicht perfekt, aber ein guter Anfang. Mitentworfen von der CDU damals. Die heute jeden als Sozialist schmäht, der dahin zurück will, weil sie nicht gemerkt hat wie aus sozialer Marktwirtschaft klammheimlich freier Raubtierkapitalismus nach amerikanischem Vorbild geworden ist und „freie Markt“ zur Gottheit wurde und alles auf magische Weise lösen sollte. Die CDU-Führung von heute würde die CDU von damals als „rote Socken“ in der Bild schmähen.

Aber der „freie Markt“ hat kein Ziel, keine Moral, kein Mitgefühl. „freie Markt“ hat nur Profitmaximierung als Ziel. Und der „freie Markt“ wird ohne politische Steuerung zum unfreien Markt weil sich Kartelle und Monopole bilden. Sehr schön bei Amazon und ja auch bei Facebook zu beobachten.

Wie kann es z.B. sein, dass der Staat jetzt Lufthansa mit Milliarden rettet aber sich selber künstlich die Mitspracherecht nimmt, die ihm eigentlich dafür zustünden? Man könnte – wie Frankreich es gerade bei Air France macht – z.B. dafür sorgen idiotisch kurze Inlandsflüge abzuschaffen und dafür die Bahn endlich ordentlich fördern und ausbauen. Statt dessen macht der Staat sich klein und erklärt sich für komplett unfähig Wirtschaft zu lenken. Wirtschaft wohlgemerkt, die bei jeder Krise direkt nach Staatsgeldern schreit.

Wir müssen zurück zu dem Primat der Politik, der DEMOKRATISCHEN Politik. Denn nur Politik als mittelbarer Wille ALLER Bürger kann faire Chancen für alle gewährleisten. Denn nur bei der Politik haben alle EINE STIMME und nicht Jeff Bezos 80 Milliarden und du Minus 500. Und wir brauchen dringend ein Update der sozialen Marktwirtschaft in eine sozial-ökologische Marktwirtschaft. Weil auch der Planet Grenzen hat die wir ENDLICH berücksichtigen müssen.

Denn ganz ehrlich: Im Film sind Dystopien immer irgendwie geil aber so real steh ich doch eher auf Utopien. Die nie ganz real werden aber wenigstens das Schlimmste verhindern.

Denn ganz ehrlich: In der Steinzeit waren wir schon und ich will da nicht hin zurück, nur weil ein paar denken ihnen sollte alles gehören und wir nicht auf die Grenzen des Planeten achten.

Ich für meinen Teil hab jedenfalls keinen Bock stundenlang an einem Faustkeil zu klöppeln, wenn ich statt dessen in einer friedlichen Welt eine wunderschöne Radtour durch Äpfelbäume und Heide machen kann mit einem Cappuccino an der Elbe.

Wer KEINE Visionen hat sollte zum Arzt gehen. Und zwar dringend.

Euer Captain Futura

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* Und wird dann durch Ratgeber darüber wie man reich wird noch ein bisschen reicher obwohl ein Satz gereicht hätt: „Such dir vor der Geburt reiche Eltern!“

Hamburger Beton

Hamburg, weißt du eigentlich wie gut du es hast? Du bist voller kreativer, sozialer Menschen, die in tausenden und tausenden von Projekten Leben, Grün, Musik und Miteinander in deine Mauern bringen. Aber das einzige was die einfällt ist Beton.

Seit Jahrzehnten ist die Antwort auf alles: Beton und Hafen. Riesige Flächen im ehemaligen Hafengebiet, direkt am Stadtzentrum werden frei? Man könnte jetzt dem Stadtzentrum, bei dem man nicht zuletzt in Coronazeiten merkt wie tot es eigentlich ist, eine Grüne Lunge schenken können. Ihm Leben einhauchen.

Aber deine Antwort? BETON! Soviel Beton, dass für die Radwege leider nichts mehr über war. Denn die hast du vergessen Hamburg. In einem Stadtviertel, dass in den Zweitausendern neu gebaut wurde. Die Radwege vergessen. Dass muss man fast noch mal wiederholen so absurd ist das.

Und wie war das noch mit dem Sprung über die Elbe? Man fragt sich ja nun länger was da in den Hamburger Süden springt. Dabei ist die Antwort sehr einfach: BETON! Genauer: Beton, Asphalt und Müll.

Giftmüll loswerden? Autobahnen gnadenlos durch die Landschaft prügeln? Mühlenberger Loch zuschütten? Kohlekraftwerke bauen? Hafenerweiterungsgebiete sinnlos groß halten obwohl sich wirtschaftlich längst Probleme abzeichnen? Alles im Süden. Natürlich.

Denn der Hamburger Politiker an sich logiert vermutlich an der Alster oder Blankenese. Oder vielleicht noch in Altona. Aber im Süden da war er halt noch nicht. Denn das ist halt auch ein Gewürge in den Süden zu kommen. Die S-Bahn z.B. ist ständig überfüllt. Furchtbar.

Hamburg, weißt du eigentlich wie gut du es hast? Du hast bis auf die Elphi und vielleicht noch den Michel kaum Gebäude, die der Rede wert sind. Aber du trägst einen Naturschatz sondergleichen mitten im Herzen. Was dich besonders macht ist nicht das Rot des Backsteins sondern das Grün deiner Parks.

Diese verkehrstechnisch ungünstig gelegene Alster. Die du schon trockenlegen wolltest. Diese verkehrstechnisch ungünstig gelegene Elbe, die du immer weiter ausbaggerst bis da kein Leben mehr ist und der letzte Elbfischer aufgibt weil dein Hafen zu arrogant ist, um mit Wilhelmshafen zusammenarbeiten, wo ganz ohne Baggern die dicksten Pötte anlegen könnten. Die Alsterniederung und die Elbparks wo die Schnösel wohnen, der Altonaer Volkspark, der Stadtpark, der Harburger Stadtpark, Billwerder, die ausgedehnten Moorgebiete im Süden und die Fischbeker Heide, wo der Pöbel wohnt.

Und deine Antwort? Beton. Beton und Asphalt. Jetzt wird dann also die A26 und die Hafenspange gebaut. Mitten durch das alte Land. Durch eines der größten Obstanbaugebiete der Welt und die letzte Ecke Hamburgs, die noch Frieden ausstrahlt. Um Harburg, Wilhelmsburg und das Alte Land vom Verkehr zu „entlasten“ natürlich.

Denn das ist ja der Witz: Autobahnen auf dem Land werden damit beworben, dass sie Verkehr und Arbeitsplätze heranführen. Autobahnen in der Stadt dagegen sollen Arbeitsplätze erhalten und Verkehr vorbeileiten. Was für ein Witz. Ich warte seit mehr als 30 Jahren auf die Pointe.

Aber da die keiner bringt hier meine Pointe: Beides ist gelogen. Auf dem Land verlagern Autobahnen nur Arbeitsplätze. Deutschland ist längst eine durchgehende Autobahn voller Logistikzentren. Alles was passiert wenn man eine neue Autobahn baut ist, dass manche der Speditionen und Logistikzentren sich einen Ort suchen der noch verkehrsgünstiger ist und mehr Fördermittel zahlt. Ach und natürlich der Transport auf der Schiene weiter abnimmt.

Und in der Stadt? In der Stadt macht jede Autobahn es noch komfortabler Auto zu fahren. Und wenn etwas komfortabler wird führt das ja meist dazu, dass weniger Leute es nutzen! Gilt ja auch für S-Bahnen und U-Bahnen. Oh wait, ist das etwa andersherum?

Richtig: Also in der Stadt führt es dazu, dass noch mehr Leute autofahren. Sich noch mehr Leute ein Haus im ehemals Grünen kaufen und täglich pendeln. Dass noch mehr Leute mal eben mit der Karre ins ehemals Grüne fahren.

Anders gesagt: Das Alte Land wird NICHT von Verkehr entlastet werden. Es wird zerschnitten und BElastet werden. Es wird einen Bauboom und Neubaugebiete kriegen. Die Leute werden mal eben über die Autobahn dahin donnern um Ruhe zu finden und mit Glück ein paar Äpfel zu kaufen.

Ich war gerade im Alten Land Rad fahren. Es ist wirklich noch so viel schöner als man es sich vorstellt. Vielleicht das letzte Paradies Hamburgs. Und wenn man sieht wie sich die neue Autobahn durch die letzten ruhigen Ecken fräst, partiell neben, partiell direkt durchs Naturschutzgebiet, dann fragt man sich: Wofür und was genau ist dieser Naturschutz?

Denn wenn es drauf ankommt wird jede verf**** Autobahn gebaut. Beton ist einfach härter als Natur. Natur kann keine BI gründen. Natur kann keine Politiker mit Aufsichtsratsposten belohnen. Es macht mich so schrecklich wütend und hilflos zu sehen wie nun diese Autobahn auf exakt dem letzten Stück Radweg gebaut wird, dass vom Süden aus durch den Hafen ins Stadtzentrum führt und nicht direkt an Auspuffen längsläuft.

Das Schild „Denkmalschutz“ ist übrigens genauso viel wert. Wie gerade an der Sternbrücke zu besichtigen. Clubs, Kultur, Denkmalbrücke weg. Fehmarn-Sund-Gedenk-Monsterbrücke und 4-spurige Stresemannstraße hin. Wegen Umweltzone und so. Damit die Autos schnell durchkommen und damit weniger Abgase hinterlassen.

Mitgebaut übrigens einmal mehr von den Grünen. Die irgendwie immer zu spät kommen, um eine Idiotie zu verhindern. So häufig, dass man sich fragt obs an den Grünen oder am Timing liegt. Ganz ehrlich: Die Hamburgs SPD, da hab ich längst alle Hoffnung verloren. Die war schon immer eine halbe CDU. Aber die Grünen? Wenns nicht mal mehr einen Unterschied macht die zu wählen, was bleibt uns dann?

Aber warte: Sie haben in den Koalitionsverhandlungen den Völli gerettet, also den Vollhöfner Wald und das ist aller Ehre wert. Nur führt dann demnächst direkt am Wald die Autobahn längs. Hach, diese erholsame Rauschen der Autos. Fast könnte man denken, da wäre das Meer.

Aber dafür hat die Koalition jetzt versprochen in Zukunft wirklich und Indianerehrenwort so viel Radweg neu zu bauen wie sie bei den letzten Koalitionsverhandlungen versprochen hatten. Was für ein Gamechanger! In Zukunft nennen sie einfach kaputten Radweg, den sie reparieren, „neu“ dann kommt das hin!

Oder sie machens wie direkt hinterm alten Elbtunnel. Der Hauptradweg nach Wilhelmsburg. Zu Stoßzeiten ist da Rad-High-Noon. Bisher war da ein solider Radweg auf dem sehr breiten Bürgersteig. Jetzt, nach 2 Jahren aufwendiger Bauzeit sind da mitten in Schwerlast- und Blohm & Voss Berufsverkehr zwei schmale Schutzstreifen für die Radler aufgepinselt. Aber die 3 Fußgänger am Tag, die haben jetzt 4 1/2 Meter Fußweg in der Breite! Die können durch den Hafen flanieren!

Man hätte allen Platz gehabt, um da leicht erhöhte Protected-Bike-Lanes hinzubauen. Aber nicht mit der Hamburger Verkehrsbehörde. Denn was man ja immer im – manchmal berechtigten, manchmal unberechtigten – Politikerbashing vergisst ist: Der Supertanker Behörde hat sein Eigenleben und eine Bremsspur von Hamburg bis nach Geesthacht hoch.

Wenn da die Politik nicht endlich mal die richtigen Leute reinbringt fällt denen in 20 Jahren noch nicht auf, dass Radfahrer auch Verkehr sind. Und Platz und Sicherheit brauchen. Denn Hamburger Beton ist geduldig.

Denn eigentlich wäre JETZT der Zeitpunkt. Es gibt phantastische Radtechnik. Es gibt E-Bikes. Es gibt LASTENRÄDER. Man kann lange Strecken endlich komfortabel mit dem Rad fahren. Man könnte landschaftlich schöne Strecken von allen Seiten in das Hamburger Zentrum bauen. Nicht an Auspuffen. An GRÜNFLÄCHEN!

Man könnte S-Bahnen und U-Bahnen konsequent ausbauen, Straßenbahnen bauen, endlich weniger auf diese scheißlangsamen Virenschleudern namens Bussen setzen. Denn ein Bus ist IMMER das unangenehmste Verkehrsmittel. Laut, eng, wackelig und ÜBERALL in der Stadt langsamer als das Rad.

Man könnte zu der Erkenntnis kommen, dass Autos in der Stadt nur in Ausnahmefällen Sinn machen. Für genau die, die sie wirklich brauchen. Körperlich eingeschränkt, Polizei etc. Denn für die wäre dann mehr Platz und weniger Stau.

Und ich weiß was jetzt kommt – Irgendwer nölt: „Aber ich lebe auf dem Land, da fährt kein Bus ich bin aufs Auto ang….“ Ja verfluchte scheiße nochmal, kann eigentlich niemand lesen? IN DER STADT! Auf dem Land, macht es ab einer bestimmten nicht vorhandenen Besiedlungsdichte keinen Sinn Busse fahren zu lassen. Da ist das Auto doch völlig okay. Da ist Platz, keiner will euch die Karre verbieten. Ich hab selber eine aber ich fahre damit NICHT IN DIE STADT. Denn da gibt es viel bessere Optionen.

Denn IN DER STADT sind Autos die dümmste, platzverschwendenste, asthmaerzeugendste, nervigste und lebsqualitätsvernichtenste Option.

Also hört endlich auf die letzten intakten Grünflächen mutwillig zu zerschneiden, die Elbe totzubaggern, die letzten Clubs zu beerdigen nur damit der VERKEHR besser durchkommt nur weil ihr daran scheitert zu erkennen, dass VERKEHR UNGLEICH AUTO ist und REICHTUM UNGLEICH HAFEN ist.

Der Reichtum von Hamburg besteht in Menschen, Ideen, Natur und vielen klugen mittelständischen Betrieben und Verkehr kann in 2020 so viel smarter sein als ein SUV, der nicht auf den Parkplatz passt. Eine S-Bahn durch den Elbtunnel um Altona und den Süden zu verbinden. Da ist doch eh immer eine Röhre gesperrt. Einfach mal sauber sanieren das Teil und dann passt das auch für den Autoverkehr. Radfernwege auf eigener Strecke durch Hafen und co. Die Milliarden sind doch anscheinend da?! Und technisch sollte das im Land der Ingenieure doch auch möglich sein. Oder können die nur Autobahnen? „Nee, sorry du ich bin Autobahnasphaltingenieur, Radwege sind mir echt zu komplex!“

Aber das geht nur wenn IHR in Politik UND DEN BEHÖRDEN endlich mal den Hamburger Beton aus euren Köpfen spült.

Also wenn ihr welche aus den Behörden oder Politik kennt, schickt ihnen das hier, schnappt ihn euch, redet mit ihnen, macht ihnen klar, dass das auch anders geht. Oder gründet eine Partei für das Jahr 2020. Denn ich bin es so satt in einer Stadt zu leben, die immer noch Verkehrspolitik aus den 60ern umsetzt. Wirklich. Ich mag nicht mehr. Es ist so unfassbar lächerlich.

Und außerhalb Hamburgs? Wählt verflucht nochmal endlich Parteien, die nicht die nächste idiotische, ewiggestrige Autokaufprämie durchwinken. Ich hoffe die gibts. Also die Parteien, nicht die Prämie.

Sorry für nix. Euer Captain Futura.
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Petition gegen Spritschleuderkaufprämie: https://epetitionen.bundestag.de/…/Petition_110043.$$$.a.u.…

Petition gegen neue Autobahn im Hamburger Süden: https://www.bund-hamburg.de/keine-neue-stadtautobahn/

P.S. Der Captain wohnt wenige hundert Meter von der B73 entfernt, die angeblich durch die Autobahn entlastet werden soll. Er würde also theoretisch von der Autobahn „profitieren“. Ist aber natürlich Blödsinn.

P.P.S. Auf dem Foto ist eine Streuobstwiese unter Naturschutz versteckt. Finde sie!

Abwrackprämie abwracken

Nach der Abwrackprämie 2009, die außer einem Vorzieheffekt beim Autokauf und einem Loch in der Staatskasse nichts gebracht hat – soll jetzt die nächste Prämie kommen. Fett Staatskohle für die Autokonzerne bzw. deren milliardenschwere Besitzer wie z.B. die Quandt-Familie (31 Milliarden – BMW), die sich weiter fröhlich Dividende auszahlen, obwohl die Belegschaft auf staatlich bezahlter Kurzarbeit ist.

Und natürlich wird die „Abwrackprämie“* eine echte Spritschleuderprämie, denn dem deutschen Autoingenieur ist nix zu schwör, außer sparsame Autos und Elektroautos zu bauen. Vor allem Elektroautos kann die deutsche Autoindustrie gerade gar nicht liefern. Die stehen mit Softwareproblemen irgendwo auf versteckten Parkplätzen, weil die Softwareentwickler vermutlich in den letzten Jahren voll damit ausgelastet waren, Schummelsoftware für den Diesel zu programmieren.

So soll es jetzt also dick Staatskohle für SUV-Spritmonster geben, die jegliche deutsche und europäischen Klimaziele torpedieren. Wir bekämpfen also das eine Feuer, indem wir gallonenweise Diesel in das andere, viel größere kippen.

Letztendlich bleibt also nur die Erkenntnis: Die deutschen Autokonzerne können sich erlauben was sie wollen, am Ende des Tages schlafen sie friedlich auf einem Bett aus Staatskohle 😴💶💶💶

Und die Pflege und das Gesundheitswesen, die sich vor und in der Krise für uns den Arsch abarbeiten?

Applaus, Applaus! 👏👏 Und eine doppelte Nachtschicht!

Aber hey, am Ende zählen doch die inneren Werte! 😍

Petition gegen die Spritschleuderprämie:
https://aktion.campact.de/abwrackpraemie-…/appell/teilnehmen

Petition für eine ökologisch/soziale Ausrichtung von Konjunkturpaketen:
https://epetitionen.bundestag.de/…/Petition_110043.$$$.a.u.…
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* P.S. Ich find ja alleine den Namen „Abwrackprämie“ schon komplett beknackt. Als gäbe es auf deutschen Straßen noch was abzuwracken. Wir reden über Autos, die mit viel Glück überhaupt 10 Jahre alt sind und vom TÜV gründlich geprüft. Und selbst ein 30 Jahre alter Bulli z.B. (den man auch mit Prämie sicher nicht! abwrackt) verbraucht real! um die 8 Liter. Ein moderner mit fetten Motoren im Grunde genauso viel und so mancher „moderne“ SUV zieht locker 12 Liter. Was für ein Wahnsinn.

Warum ein neuer Strafenkatalog im Straßenverkehr mehr als überfällig ist

Treffen sich drei Krokodile. Sagt das erste: „Mann ich hab gestern einen E-Bike-Fahrer gefressen, der lag mir so schwer im Magen, ich konnte den ganzen Tag nicht mehr schwimmen“.

Sagt das zweite: „Das ist ja noch gar nichts. Ich habe vor zwei Wochen einen Porsche-Cayenne-Fahrer gefressen, der lag mir so schwer im Magen, ich kann heute noch nicht wieder schwimmen.

Sagt das dritte: „Das ist überhaupt nichts. Ich habe gestern Andreas Scheuer gefressen, der war so hohl ich kann seitdem nicht mehr tauchen!“

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Dieser Witz ist so dilettantisch modernisiert wie die Politik von Andreas Scheuer. Der hat mal eben 500 Mio im Mautdesaster versenkt, sein Handy zufällig gelöscht, eigentlich für den Radverkehr gedachte Bundesmittel für den Bau von Umgehungsstraßen eingesetzt – und nun also auch noch eine Überarbeitung des Strafenkatalogs im Straßenverkehr versaut. Und knickt dann beim ersten Protest sofort begeistert ein. Denn eigentlich wollte er die Strafen halt auch nicht wirklich erhöhen.

Dabei sind die Strafen im internationalen Vergleich ein schlechter Witz und zudem auch weitestgehend unwirksam. Innerorts kann man mit 84 rasen – ein Tempo, das kein Radfahrer oder Fußgänger beim Aufprall überlebt – außerorts kann man bis zu 44 km/h schneller sein, mit tödlichen 144! über die Bundesstraße ballern und alles was man zahlen muss sind – ACHTUNG – 120€. Also circa 1mal volltanken vor Corona.

Und das in Zeiten, in denen fast jeder Blitzerapps und -Warner hat. Und es selbst im öffentlichen Rundfunk zum „Service“ gehört die mobilen Blitzer (hoffentlich) von der Freisprechanlage aus durchzusagen. Was noch mal eine ganz eigene Absurdität ist. Da muss sich der professionelle Raser ja fast schon anstrengen, um ÜBERHAUPT MAL geblitzt zu werden.

Ich fahre seit vielen Jahren neben Fahrrad und ÖPNV auch und immer mal wieder Auto. Ich bin viermal wegen Blödheit geblitzt worden. Immer so 5-8 km/h zu schnell. Zweimal weil ich ohne Nachzudenken innerorts einfach im Verkehrsfluss mitgefahren bin und die Grüne Welle bei den Ampeln erwischen wollte. Und der Verkehrsfluss in deutschen Städten liegt nunmal bei 60+x km/h und so einige Grüne Wellen gehen auch GENAU davon aus. (Da bin ich mir sehr, sehr sicher auch wenns natürlich keiner zugibt.) Zweimal bin ich in Tempo-30 Zonen geblitzt worden, die ich zu spät bemerkt habe, oder bei denen ich mir nicht sicher war.

Und genau das sind dann auch schon die Punkte, die geklärt werden müssten, damit neue, härtere Strafen fair sind: ENDLICH wirklich konsequent Ampeln, Fahrbahnbreiten und co. so auslegen, dass der Verkehrsfluss das Tempolimit NICHT überschreitet. Es ist doch absurd, wenn man z.B. in Hamburg partiell 60-70 fahren muss, um beim Einfädeln überhaupt in den Verkehr auf den Hauptstraßen zu kommen. Es darf sich schlicht nicht lohnen zu rasen. Und ENDLICH wirklich durchgehend alle Tempo-30 Zonen richtig gut und eindeutig markieren.

Und wie wäre es z.B. Strafen einfach mal am Einkommen zu orientieren? Finnland macht es vor. Denn derzeit sind die Strafen für den Cayenne oder X5-Fahrer schlicht Portokasse während sie dem lohngedumpten „Servicedienstleister“ der deutschen Post bereits RICHTIG weh tun.

Und wenn gewährleistet ist, dass die Strafen sozial fair sind und Limits sauber markiert wird, muss ich einfach mal sagen: Blödheit und das Riskieren von eigenem und vor allem dem LEBEN anderer sind keine Grundrechte.

Wer es dann noch schafft mit 54 in der Tempo-30 Zone (mit denen er ja auch bei 50 km/h Tempolimit zu schnell wäre!), 74 km/h innerorts oder 129 km/h außerorts zu fahren UND in den Blitzer zu rasen: Sorry, aber der hat sich sein Fahrverbort halt auch redlich verdient.

Denn vor Eurer Motorhaube befinden sich Radfahrer und Fußgänger und andere Autofahrer mit deren Leben IHR spielt.

Euer Captain Futura.

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Promis in der Krise

Zur Feier des Tages, da nun auch Sido dem Kreis der Erleuchteten beigetreten ist – die letzte Grafik diese Woche.

(Sido schwurbelte jüngst Unterstüzung für Xavier Naidoo, das mit dem Kinderblut und so würde schon stimmen, den Xavier wäre ja im Raum Frankfurt* und da hätte der eine Rothschild-Sohn eine Geheimorganisation aufgebaut)

Noch ein kurzes Wort zu Solidarität und co: Solidarität ist immer schön, aber das „We’re all together in sich“ stimmt tatsächlich VOR ALLEM in Krisen nicht. Gerade Krisen legen schonunglos soziale Unterschiede offen. Denn jeder erlebt eine andere Krise. Der Promi in seiner 10 Mio. Krise lebt in einer anderen Krise als wir und wir leben in einer anderen Krise als die Näherin in Bangladesh. Und genauso lächerlich, wie wenn Hollywood-Promis Imagine für die „die einfachen Leute“ da draußen zu singen, wäre es wenn einer von uns ein „We’re all in this together“ für die verzweifelte Näherin in Bangladesh brächte.

Helfen würde vielleicht wenn wir in der Krise (und auch danach) weniger nach oben und mehr nach unten schauten. Erdet ungemein und ganz vielleicht kommt man dann sogar auf die Idee zu helfen oder ganz schlicht Steuern zu zahlen und NICHT drüber zu reden. Denn manchmal hält man als Promi halt vielleicht einfach mal die Klappe und macht die Welt damit besser. So einfach ein Held zu sein.

Viel Spaß, Euer Captain (der macht jetzt erstmal politikfrei bis nächste Woche – man sieht sich)

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Wichtig: Diese Grafik entstand zusammen mit Britta Tüsfeld, die dank wunderbarer Gartenfotos unter einem meiner Beiträge eine persönliche Grafik gewonnen hat und Ideengeberin und Co-Autorin war. Und weil sie cool ist, dürft ihr die Grafik jetzt auch alle sehen. Yeah & Danke!
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* was besondere „Witzigkeit“ eintfaltet, wenn einem auffällt dass Mannheim – wo Xavier tatsächlich ist – nur mit seeehr viel Schielen Raum Frankfurt ist. Es ist tatsächlich nichtmal in Hessen sondern in Ba-Wü und wenn überhaupt dann Raum Heidelberg. Aber hey, Logik, Daten, Fakten – SOWAS von gestern!

Alzheimer der Woche – Corona in den Schlachthäusern

Mal kurz zur Alzheimer-Diskussion der Woche: Coronaausbreitung wegen schlechter Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen.

Dazu die Lösung von Vegetarierbund und der Taz: Esst weniger Fleisch! (oder am besten keins)

Und ich find das ja grundsätzlich sympathisch. Allerdings hatten wir nicht vor circa 30 Tagen die Diskussion um Spargelstecher und deren schlechten Arbeitsbedingungen? Und war da dann auch die Lösung: Esst weniger Spargel! (oder am besten keinen)?

Für mich bleibt bei diesen Diskussionen meist das Gefühl zurück: Jeder hat seinen Punkt gemacht. Sache erledigt.

Nur geändert hat sich natürlich nix. Und ist das dann die Lösung: Alles boykottieren, was irgend jemand pervertiert? Bis man dann halt irgendwann nix mehr kann? Wenn ich mal so alle Dinge im Kopf aufzähle, bei denen ich boykottieren sollte oder beim Kauf drauf achten: Ich wäre stundenlang beschäftigt und mein Einkaufskorb wäre immer noch leer.

Denn falls es mal eine Lösung gibt ist die Lösung im Regelfall ein neues Label. Weil Label sind immer toll. Vor allem wenn sie möglichst schlaff sind. Kannste aufs Produkt drucken, haste Werbeeffekt, alle sind beruhigt, tadaa. Sind wir eigentlich schon dreistellig bei den Labeln? Ich frag nur mal.

Denn das ist ja der schicke Dreh: Etwas was eigentlich in den staatlichen Einflussbereich fällt wird mal so flugs zum Verbraucher rübergeflankt. Du, Verbraucher, sei mal grün und mach das Ding rein, ja?! Danke, toll, super, du! Die Ministerin dankt!

Der Verbraucher hat aber vielleicht gar nicht das Wissen. Die Intelligenz. Den Bock. Oder schlicht das Geld. Weil Hartz IV. Der würde vielleicht gern, aber scheitert am Bio-Freiland-ohne-Gentechnik-aber-wirklich-genug-Auslauf-was-ist-eigentlich-mit-den-Männchen-lässt-man-die-auch-leben-?-Ei.

Denn viel aufschlussreicher war eigentlich eine Randnotiz, ich meine im Spiegel wars: „Die Behörden wurden angewiesen, bei den Arbeitsschutzbedingungen in den Schlachthäusern wirklich genau hinzuschauen“. Ein kleiner Nebensatz, leicht zu überlesen.

Aber wenn man ihn bemerkt, fragt man sich plötzlich: Was haben die denn vorher gemacht? Nicht so genau hingeschaut? Vielleicht sogar gar nicht hingeschaut? Und das als Wirtschaftsförderung verkauft? So wie eine schwarzgelbe Landesregierung in Niedersachen mal 100 Wirtschaftsprüfer „reduziert“ hat, um die Wirtschaft zu fördern? Also anders gesagt: 100 Kontrolleure eingespart hat, um den Firmen zu ermöglichen, sich ungestraft illegal zu verhalten, damit die nicht abwandern?

Und dann fragt man sich plötzlich: Könnte es sein, dass der Staat im Namen der freien Marktwirtschaft sich einfach so weit zurückgezogen hat, dass da so ein bisschen Wildwest ist?* Und dann hat man ein schlechtes Gewissen bekommen und um das zu beruhigen: Label drauf, der Verbraucher machts!

Denn in der freien Marktwirtschaft ist Mensch und Tier schlicht ne Zahl. In den Schlachthäusern ist Tier eine positive Zahl und Mensch eine negative. Also Tiere möglichst hoch und Mensch möglichst weit runter. Das führt in beiden Fällen zum Zusammenpferchen und Ausbeuten. Und endet in einem Fall sicher und im anderen ab- und an tödlich. Denn Seele hat halt leider keinen Zahlenwert.

Leider kommt aber keiner auf die Idee in all den schicken Pressemitteilungen anzumerken, dass vielleicht der Grund hinter allem ist, dass wir uns in den letzten 20-30 Jahren zunehmend diesem verrückten angloamerikanischen Modell der Wildwestmarktwirtschaft unterworfen haben. Und dass, wenn eben nur das Geld zählt, am Ende irgendwer immer unnötig leidet. Und ganz sicher der Planet.

Aber hey. Der Verbraucher wirds richten! Der GRÜNE Verbraucher. Doch, doch. Denn der Verbraucher soll sich plötzlich NICHT nach der freien Marktwirtschaft richten sondern immer und überall trotz nicht vorhandener Transparenz allwissend, weise, sozial und grün entscheiden. So. Und ich warte jetzt auf das nächste folgerichtige Label demnächst auf den Fleischverpackungen.

Das MENSCHWOHLLABEL! Das Tier wurde von glücklichen Arbeitern in gesunden Haltungsbedingugen geschlachtet. Sie bekommen dank deinem freiwilligen Mehrbeitrag von 10 Cent sogar Schutzbekleidung bei ihrer Arbeit. Das Label gibts in bronze, silber und gold. Keiner weiß was die Farben bedeuten, aber es sieht verdammt cool aus!

Guten Appetit,
Euer Captain Futura (gerade etwas polemisch – sorry dafür, es musste kurz raus, er kauft natürlich weiterhin trotzdem möglichst grün ein, der Captain)
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*Also natürlich nur bei den großen Schlachthäusern, denn die kleinen Landschlachtereien, die hat man mit absurd überzogenen Hygienevorschriften erstmal kaputt gemacht.

Krisenlösung auf zwei Rädern

In der Krise zeigt sich mal wieder was für eine tolle Idee eigentlich diese Fahrrad ist.

Man ist in der Stadt überall fast konkurrenzlos schnell – oder langsam wenn man gar nicht schnell sein will. Man macht keinen Lärm, keinen Dreck, nimmt fast keinen Platz weg und weicht falsch geparkten Autos und den Viren in vollgestopften Bussen aus.

Manche Städte wie Berlin oder Wien reagieren darauf mit Pop-up-Radwegen auf den gerade eh deutlich weniger genutzten Radwegen.

Manche Städte wie Hamburg machen wie üblich nichts und setzen weiterhin auf Autos und Busse, die dann derzeit beide gleich leer durch die Gegend gondeln. Und man fragt sich manchmal: Wen soll man eigentlich wählen, damit sich das WIRKLICH mal ändert.

So wünscht man sich, in der Frühlingssonne oder einem kurzen Schauer radelnd, vor allem Mut in der Politik. Denn ich schwöre: Nichts macht so leicht, ist so erleichternd und stressabbauend wie Radfahren. Fliegen für Jedermann. Es kann so einfach sein.

Also wenn ihr das nächste Mal gestresst seid: Fahrt nicht aus der Haut – fahrt Rad!

Euer Captain.

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P.S. Wer unter 50 ist und in den Harburger! Bergen Mountainbike mit Elektrounterstützung fährt hat die Kontrolle über sein Leben verloren! 😉

Leute ehrlich kauft euch einfach mal ein geiles NORMALES Rad und ein paar Muskeln. Ihr wolltet doch Sport machen? Oder nicht?

DIE VERSCHWÖRER

Hallo VERSCHWÖRER: Ich wäre so gerne die kritische Mitte aber ihr lasst mich nicht.

Ich hab mich die letzten Tage gefragt was mich eigentlich so ärgert an all den Verschwörungstheorien und den Antworten der „Mehrheitsgesellschaft“ darauf. Denn die Theorien an sich sind irgendwo zwischen lächerlich, traurig und lustig aber eben zu wirr um Mehrheitsmeinung zu werden. Es ist auch nicht zu erwarten, dass von heute auf Morgen die öffentliche Meinung kippen und demnächst Xavier Naidoo zum Kanzler gewählt wird und Attilla Hildemann zu seinem Gesundheitsminister ernennt.

Was mich wirklich ärgert ist, dass DIE VERSCHWÖRER jede differenzierte Kritik mit verseuchen. Dass DIE VERSCHWÖRER es mir und anderen, die versuchen sich ihre eigene unabhängige Meinung zu bilden, fast unmöglich machen Regierung und Wirtschaft auf rationaler Ebene zu kritisieren. Dass jede WIRKLICHE Verschwörung vor ihren absurden Szenarien verblasst und ihren Schrecken verliert.

Denn das ist der wahre Schaden den sie anrichten: Dass sie berechtigte Kritik mit in ihren idiotischen Wahnsinn ziehen und Autolobbyisten mit Dauerkarte für den Bundestag plötzlich wie ein Kavalierdelikt erscheinen. Ach komm, die quälen Kinder um Hormone zu gewinnen, was interessiert mich da der Lobbyismus?

Denn der Witz ist ja, die echten, die wirklichen Verschwörungen: Die passieren direkt im hellen Tageslicht vor unseren Augen. Da werden Gesetze von der Industrie in die Feder des Gesetzgebers diktiert, Firmen erpressen sich Steuernachlässe und staatliche Hilfen, Pestizide werden nicht verboten obwohl seit Jahren bekannt ist, dass sie die Insekten und Vogelwelt vernichten, in den Supermärkten steht mit Fett und Zucker vollgepumpter Dreck aber keine Ernährungsampel und wir pumpen weiter tonnenweise CO2 in die Luft obwohl wir wissen, dass der Klimawandel die größte Bedrohung der Neuzeit ist. Und jede verdammte Autobahn: Am Ende wird sie immer gebaut.

Aber dann kommen DIE VERSCHWÖRER, schwafeln vom Widerstand gegen die Corona-Politik, von der CO2-Lüge, Reptiloiden und unaussprechlichen Worten aller Art und die berechtigte Kritik geht unter im FÜR ODER GEGEN MERKEL!

Und plötzlich fühlt man sich gedrängt jetzt seinerseits die Arbeit der Regierung zu unterstützen – dabei findet man vieles, was die macht, auch gar nicht so weit vom Wahnsinn entfernt. Ja, Merkel macht in Krisen meist einen guten Job aber dazwischen macht sie halt leider meist nix und das ist angesichts der drängenden Probleme tatsächlich ziemlich verrückt. Wir haben einen Wirtschaftsminister, den Arbeitgeber- UND Arbeitnehmerverbände für komplett unfähig halten und der ABSICHTLICH nach- und nach alle Erneuerbaren Energien kaputt macht. Einen der wichtigsten neuen Wirtschaftszweige in Deutschland. Dieser Riesenidiot ist plötzlich wieder BELIEBT weil er jetzt für Stabilität steht. Teile der CDU halten CO2 für einen harmlosen Pflanzendünger, bei Olaf Scholz und seinem neoliberalem Nonsens will ich gar nicht erst anfangen und Andreas Scheuer hebt Dilettantismus auf ein Niveau außerhalb des bisher bekannten Universums.

Und dann postet der Freundeskreis Unterstützung für diese Regierung. Weil DIE VERSCHWÖRER halt noch viel wahnsinniger sind. Und man nicht zu denen gehören möchte.

Und plötzlich versteht, dass all die VERSCHWÖRER einen wahnsinnig guten Job für das System machen. Weil sie letztlich von den wahren Mauscheleien ablenken und den Versuch echte Verschwörungen aufzudecken in Misskredit bringen. Und so stehen denn auch Grüne und Linke auf verlorenem Posten da. Irgendwie plötzlich gezwungen die Regierung geil zu finden dabei wissen sie ganz genau, dass da so einiges schief läuft. Aber man will ja kein VERSCHWÖRER sein. Und das macht mich einfach verdammt wütend.

Und meine Wut gilt dabei weniger den Opfern all dieser kranken Theorien sondern den Urhebern. Dieser unheiligen profitgeilen Allianz aus Youtube und den Kommerzverschwörern von Kopp-Verlag und co. Der Deal lautet: Wir sorgen für ordentlich Screentime von angefixten Verschwörungsopfern, ihr lasst uns machen und Bücher und Gedöns fürs Ende der Welt verkaufen.

Und so schwächen sie aus persönlicher Profitgier den zivil möglichen Widerstand und werden damit zu Wegbereitern der Diktatur, die zu verhindern sie vorgeben bzw. die es nach den Theorien DER VERSCHWÖRER längst gebe aber die bisher natürlich nur in ihren Köpfen existiert.

Und wir stehen weitgehend hilflos daneben und schauen zu wie ein Prominenter nach dem anderen der Idiotie zum Opfer fällt – wohl wissend, dass das nur die Spitze des Eisbergs ist.

Denn die Theorien sind so verdammt verlockend. Endlich mal nicht schuld sein flüstert Ken Jebsen! Der Mann der eine ganze Karriere darauf aufgebaut hat Dinge „nicht“ zu sagen und bei dem sogar ich vor Jahren mal bei einigen Kommentaren dachte: Hat er vielleicht recht? Denn schuld sind bei Ken und co. immer die Anderen. Die Politik, die Wirtschaft, die Sonne, die Wissenschaft – nur nicht wir. Wir sind unschuldig. Unser Auspuff trägt nicht zum Klimawandel bei, den gibts doch gar nicht! Wir tragen nicht zum Zerfall der Demokratie bei, weil wir uns nicht engagieren, denn die Demokratie? Die gibts doch gar nicht!

Und Google, Amazon, Monsanto, Ölkonzerne, Rupert Murdoch und all die tatsächlich korrupten Politiker können sich freuen. Denn wenn irgendwann alles geglaubt oder nicht geglaubt wird können sie sich irgendwie auch alles erlauben und die echten investigativen Journalisten und die aufrechten Wissenschaftler und Demokraten stehen hilflos daneben. Und der gesellschaftliche Fortschritt kommt unter die Räder weil jeder sinnvolle Konsens, wie z.B. dass es den Klimwandel gibt und wir was tun müssen, ohne Not zerlegt wird. Bald kommen dann noch Deepfakevideos dazu und einem wird ganz schwindelig bei dem Gedanken daran, was man damit alles glaubhaft machen könnte.

Denn das ist der wahre Wahnsinn an DEN VERSCHWÖRERN: Ihre Anarchie der Logik, ihr Zersetzen und Diskreditieren einer wachen, einer mitdenkenden demokratischen Gesellschaft stärkt schlussendlich die wahren Verschwörungen unser Zeit und schwächt die Demokratie und Mitbestimmung. Und erreicht damit genau das Gegenteil von dem, was sie vorgeben erreichen zu wollen.

Dabei wäre es so einfach sie aufzudecken man muss sich einfach nur mal im Geiste der Verschwörungstheoretiker fragen: Was bringt es eigentlich dem Kopp-Verlag und co. diese Theorien zu befeuern? Ah, oh, KAUF DIESES BUCH die haben da eine ganze Wirtschaft darauf aufgebaut und arbeiten über Bande mit Google zusammen…DEIN HEILMITTEL HIER IM ABO…interessant…

Daher: Bleibt kritisch, bleibt laut, aber hinterfragt auch die, die hinterfragen. Auch und natürlich mich.

Euer Captain Futura

Konzernkrisenzyklus

Norbert Walter-Borjans, der Grüßaugust von der SPD fordert: Staatliche Unterstützung nur für Konzerne, die keine Steuerflucht betreiben!

Recht hat der Mann. Nur leider wird da ein Scholz und die CDU vor sein und ihren Amigos in den Konzernen die nächsten Milliarden rüberschieben.

Alles streng nach der Logik des Konzernkrisenzyklus. So lange es läuft soll der Staat bitte weg bleiben, bei jeder Gelegenheit wird über die Bürokratie und die Steuerlast in Deutschland geächzt. Und an der Wand immer das Gespenst des Sozialismus. Dabei ist die Steuerlast für Konzerne in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gesunken und die Bürokratie sorgt dafür, dass Deutschland eben noch eine stabiles System ist, auf dass ja letztlich auch die Konzerne angewiesen sind.

Die Mittel aus der gesenkten Steuerlast werden dann genutzt um Arbeitsplätze zu verlagern, die Dividenden an die Aktionäre auf Rekordhöhen zu treiben und Steueranwälte zu bezahlen, die nach (il)legalen Wegen suchen, die Abgaben noch weiter zu senken.

Aber sobald die Wirtschaft einbricht stehen die Lobbyvertreter plötzlich Schlange beim Staat. Staatliche Hilfen jetzt! Und zwar schnell! Abwrackprämie Nr. 28 sofort! Jetzt brauchen wir den starken Staat, der uns rettet und vor der Konkurrenz im Ausland schützt! Plötzlich versteigen sich die Konzernchefs zu Aussagen, bei denen selbst Che Guevara rot werden würde.

Die Frage ist nur: Wo soll der starke Staat das Geld her haben, dass ihm ja die Konzerne in Schritt 1. entzogen haben?

Die logische Folge: Die Staatsschulden steigen ins Unermessliche und die Gelddruckmaschine wird angeworfen, um die Folgen auszufangen.

Die Folge davon ist eine wahre Geldflut, die – sobald es wieder läuft – um den Erdball marodiert weil sie nach geldbringenden Anlagemöglichkeiten sucht und bei den Immobilien, in der Landwirtschaft, im Lebensmittelhandel, im Kunstmarkt oder wo auch immer neue Blasen schafft und die Grundversorgung für den Normalbürger unerschwinglich macht.

Wunderbar zu besichtigen nach der letzten Finanzkrise.

In diesem Sinne: Bitte steigen sie ein! Willkommen zu einer weiteren Runde im Konzernkrisenzyklus!

Die Steuerflucht der Konzerne, die jetzt Hilfen wollen super von der Sueddeutschen aufgearbeitet:
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/corona-steueroase-1.4893770?utm_source=pocket-newtab

……..
P.S. Das gilt NICHT oder kaum für den Mittelstand, Kleinunternehmen und Freiberufler. Die können und wollen häufig aus moralischen Gründen bzw. sozialer Verbindung nicht verlagern werden aber unerbittlich von jeder neuen Steuer und jeder neuen Bestimmung voll getroffen und ächzen tatsächlich häufig unter ausufernder Bürokratie obwohl sie letztlich einen Großteil des Wohlstandes dieses Landes schaffen.

P.P.S. Da der Captain Futura trotz aller Bemühungen leider kein Konzern ist schwimmt er wieder Erwarten nicht in Geld. Falls ihr mich unterstützen mögt könnt ihr das zum sozialistischen Einheitspreis für 2 € im Monat bei Patreon tun, bekommt dafür mehr als hundert Grafiken – viele nicht veröffentlicht – Texte, Musik, Euren eigenen Podcast und mehr. Und macht möglich, dass das hier weitergeht! Denn ja, auch an mir geht der Konzernzyklus nicht komplett vorbei. Leider

https://www.patreon.com/user?u=32965554

Die Coronawelle

Liebe Medien, ich hab News für Euch!

Ihr seid keine Thrillerautoren. Wirklich nicht. Wenn ihr Thriller schreiben wollt, dann empfehle ich Hollywood.

„Coronavirus, wie schlimm wird es noch?“ – „Noch kann man keine Aussagen treffen, es bleibt bedrohlich!“ – „Es ist noch zu früh für …“ – „Den Lockdown überstehen, 100 Tipps aus der ….“

Gerade sind auch in allen großen deutschen Newsportalen circa 98 % Corona. Und das wäre noch verständlich wenn die Artikel dabei über „ES IST CORONA!“ in 1.000 Wörtern hinaus gingen.

Aber Weiterdenken? Fehlanzeige! Eine gigantische Live-Berichterstattungswelle schwemmt alle Nicht-Corona-Themen davon. Alles ist Corona! Klimawandel, soziale Gerechtigkeit, rechte Gewalt, Mietenwahnsinn. Alles weggespült. Und wenn die Coronawelle irgendwann gebrochen ist? Nun, die nächste Medienwelle kommt bestimmt aber bis dahin werden die Corona-Klickzahlen geritten.

Aber inzwischen hat jeder, bei dem sich mehr als 3 Gehirnzellen im Kopf zusammentun begriffen: Corona ist mehr als ein Grippe. Es ist gefährlich. Es ist weltweit. Es wächst ohne Gegenmaßnahmen exponentiell. Der Lockdown macht leider Sinn. Wir müssen abwarten.

Aber jetzt wäre es gut zu wissen: Wie geht es danach weiter? Wie verhindern wir weitere Katastrophen? Wie erhalten wir trotzdem eine offene Gesellschaft? Wie die kleinen Läden? Was ist eigentlich mit dem Klimawandel? Wie schaffen wir es, dass nach Corona nicht alle wieder wie bekloppt jeden Tag 100 km ins Büro pendeln müssen und um den Erdball fliegen, um CO2 und Viren zu verteilen?

Fast nichts davon erfahre ich gerade bei euch. Aber ich erfahre, dass heute 2 neue Menschen in Buxthehude erkrankt sind. Ihr traut euch nichtmal mehr offensichtliche Dinge zu benennen weil ihr die Leute im Ungewissen lassen wollt. Dann klicken die mehr, man will ja die Spannung beim Coronathriller halten. „Es ist zu früh um Aussagen zu treffen“ – Ist es das, allerdings? Die Verdoppelungszeiten sind in Deutschland von 2 auf circa 10 Tage gestiegen, die Ausbreitungsgeschwindigkeit also enorm gesunken.

Selbst mit aller statistischer Unsicherheit ist das ein gigantischer Erfolg. Man könnte sogar sagen: Das funktioniert also. Denke wir von hier weiter.

Versteht mich nicht falsch: Ich bin ein riesiger Fan von euch. Weil ihr die Demokratie festigt. Weil ihr unbestechlich Steuerbetrug und Skandale aufdeckt. Die Panama-Papers, Football-Leaks, Cum-Ex Geschäfte, Umsatsteuerkarussel: Alles Ihr, alles auch euer Verdienst. Ohne Euch wäre es nie in dieser Form aufgedeckt worden.

Umso wichtiger wäre es, dass ihr eure momentane Berichterstattung ENDLICH in eine Dauerberichterstattung wichtiger Themen einbettet. Regelmäßige Statusupdates zum Stand des Klimawandels, sozialer Gerechtigkeit, Steuern und überhaupt. Damit nicht mit jeder Welle jeder Wissensfortschritt begraben und weggeschwemmt wird.

Denn ja, ihr seid keine Thrillerautoren, die einen Spannungsbogen so lange halten bis die Welle bricht. Ihr seid Information. Ihr seid gemeinsames Nachdenken. Weiterdenken. Aufdecken. Und manchmal auch einfach nur Unterhalten.

Das gilt umso mehr für die Öffentlich-Rechtlichen, die das sogar in der Satzung stehen haben. Aber gerade finde ich euch fast komplett unlesbar, unhörbar, unsehbar.

Ihr spielt seit Minimum 3 Wochen denselben Song, wäre nice wenn ihr mal die Platte wechselt.

Danke,
Euer Captain Futura

………

Eine Kleinigkeit in eigener Sache: Diese hübschen bunten Grafiken für Euch zu erstellen, die Texte zu schreiben und all die Nazi-Trolle wegzulöschen: Das ist tierische Arbeit. Ich möchte das aber gerne weiter machen, weil ich es wichtig finde. Und ich mag selber keine Werbung und will keine schalten weil ich sinnvolle Meinungen verbreiten will und keine gekauften. Daher brauche ich Euch. Wer mich unterstützen mag:

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Für 2 € im Monat könnt ihr das bei Patreon tun, bekommt dafür mehr als hundert Grafiken – viele nicht veröffentlicht – Texte, Musik, Euren eigenen Podcast und mehr. Und macht möglich, dass das hier weitergeht! Denn ja, auch an mir geht die Coronawelle nicht vorbei. Leider.

Danke!

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* also alle bis auf Bolsonaro in Brasilien und einige Verschwörungtheoretiker und AfD-Politiker (Bei den letzten beiden Gruppen ist zugegeben eine sehr große Schnittmenge)

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