Tag: Klimaschutz

Coronakrise / Klimawandel

Wer erinnert sich nicht an mindestens eine Diskussion mit seinem Chef / seiner Chefin wegen Homeoffice. Und was war das kompliziert. Wann fangen Sie denn dann an? Wie soll man da den Arbeitsfortschritt überprüfen? Sind sie da überhaupt produktiv? Das kann man nicht organisieren! Das ist in so einem Betrieb schlicht nicht möglich! Ohne Anwesenheit geht hier nix!

Und Videokonferenzen? Umöglich! Die Technik. Vergiss es. Und ohne Eye-to-eye kann man nicht arbeiten. Und so wurde lieber zweimal die Woche von Stuttgart nach Berlin und zurück geflogen statt sich EINMAL eine Woche ordentlich Gedanken zu machen und die Technik zum Laufen zu kriegen. Aber was haben wir uns dabei WICHTIG gefühlt.

Und ach die Experten. Ja, ist ja schon erschreckend was die zum Klimawandel sagen. Aber das kann man der Bevölkerung halt nicht zumuten, dass man da jetzt ein bisschen runterfährt und den Menschen erklärt, dass was getan werden muss. Da lässt man lieber eine komplette Gesellschaft ins offene Messer laufen und hält die Experten mit sinnlosen Beratungskommissionen beschäftigt, deren Ergebnisse ein ums andere Mal ignoriert werden.

Und dann kam Corona.

Und plötzlich wird einem klar: Das war gar nicht alternativlos. Das war einfach nur Hirnfaulheit. Das war der komplette Unwillen an den Gewohnheiten was zu ändern OBWOHL mehr Ruhe, mehr FREIWILLIGES zu Hause mit den Liebsten, mehr an einem Ort sein, weniger Wirtschaftswahnsinn und deutliches, entschlossenes Agieren des Staates unser aller Leben heute UND morgen verbessern würde. Nur anscheinend muss dazu der Tod vorm Bett stehen, es reicht nicht wenn er „nur“ an der Türschwelle steht. Denn da steht er längst. Deutschland ist bereits 1,6 Grad wärmer. 1,6 GRAD! HEUTE! Das ist keine Katastrophe von Morgen mehr!

Sogar um eine Entschleunigung und teilweise Entflechtung einer heiß gelaufenen Globalisierung wird plötzlich nachgedacht. Und das alles angesichts eine durchaus tödlichen Virus, der aber NICHT den Fortbestand der Menschheit gefährdet. Dessen Opfer im Schnitt 80 sind während die zukünftigen Opfer des Klimawandels heute 18 sind.

Versteht micht nicht falsch: Ich finde es richtig und wichtig im Angesicht eines solchen Virus solidarisch und gemeinsam zu agieren. Aber wie kann es möglich sein, dass wir im Angesicht einer viel größeren Katastrophe so wenig auf die Kette kriegen? Ein guter Freund von mit ist Klimaforscher. Der versteht das Klima aber die Welt nicht mehr. Jahrelang wird ihm erklärt warum nichts getan werden kann und plötzlich ist das alles möglich. Dabei wären die Einschränkungen um den Klimawandel aufzuhalten viel geringer! Niemand müsste zuhause bleiben, niemand müsste um sein Leben fürchten. Wir DÜRFTEN endlich ein gemütlicheres Leben führen und unsere Wirtschaft zügig auf erneuerbare Energien und alternative Antriebe umstellen. Die Wirtschaft würde anders als jetzt trotzdem weiterlaufen und danach wäre die Luft so gut wie jetzt durch Corona.

Und? Klingt plötzlich gar nicht mehr so groß die Aufgabe, oder? Das wäre doch mal was wenn wir durch Corona merken, dass die viel größeren Katastrophen von Morgen viel einfacher abzuwenden sind. Wenn wir halt jetzt mal was machen außer reden.

Radschutzstreifen sind feige Verkehrspolitik

Hamburg hat leider viel zu lange gebraucht um sich von dem Ziel der autogerechten Stadt zu verabschieden. Die Theorie war: Es gäbe eine Höchstgrenze der Automobilität und man müsste nur genug Straßen bauen, um diese abzudecken und dann würde man eines der Tages in der goldenen Stadt der perfekten Mobilität aufwachen in der jeder staufrei und gemütlich sein Ziel erreicht. Amen.

Das Problem ist: Es gibt zwar eine Höchstgrenze der Mobilität. Aber die misst sich in Zeit bzw. Aufwand und nicht in Kilometern. Ob wir bereit sind eine Strecke zurück zu legen machen wir an der Zeit und dem Aufwand in Geld, Ärger, usw. fest aber nicht an der Entfernung. Je mehr vierspurige Straßen man durch die Stadt prügelt desto mehr Menschen ziehen weiter raus weil dort die Mieten günstiger sind, mehr Natur und weniger Autoverkehr ist und der Zeitaufwand für die Fahrt ja gesunken ist. Die Theorie ist also eine Fata Morgana, die sich immer weiter entfernt, umso mehr Straßen man baut.

Das wäre völlig okay wenn Autoverkehr nicht eine Reihe von Nebenwirkungen hätte, die die Medizin der autogerechten Stadt nicht nur bitter sondern bei genauerer Betrachtung eher als Gift für ein gutes Leben in der Stadt erscheinen lässt.

Lärm, Abgase, Feinstaub, Umwelt- und Klimazerstörung, Zerschneidung und Vernichtung von Grünflächen und Freiräumen, ständige Gefahr für spielende Kinder und andere Verkehrsteilnehmer und vor allem die Vereinnahmung von unfassbar viel Raum. Und das in der Stadt, wo von allem viel vorhanden ist, aber Platz nun gerade nicht. Damit wir schnell von A nach B kommen vernichten wir also auf einer Vielzahl von Ebenen Lebensqualität.

Wird das nun mit Elektroautos besser? Lärm und Abgase ja, Feinstaub teilweise (Reifenabrieb bleibt ja) ansonsten bleibt das Problem eins zu eins bestehen.

Aber es wird doch mit autonomen Autos besser! Nein. Warum sollte es? Wenn ich das Autofahren noch angenehmer mache, man auf der Fahrt arbeiten kann und es z.B. möglich ist zu ner Party zu fahren und sich dann angetrunken das eigene Auto zu rufen „K.I.. ICH BRAUCH DICH“ – dann fahren doch nicht weniger Autos, dann fahren MEHR Autos komplett leer durch die Stadt um Menschen abzuholen. Studien berechnen den Effekt auf bis zu 60%. Und auch das Statussymbol bleibt. Ist doch derbe dicke Hose wenn bei der Party in Blankenese ein riesiger Schlitten mit der Lieblingsserie auf den Bildschirmen von selbst vorfährt. Die Stadt wird noch mehr ein Ort sein, an dem, die mit Kohle ihr Leben auf Kosten der anderen pseudo-optimieren.

Anders gesagt: Das Problem wird sich von selber nicht lösen. Das löst sich nur durch mutige Politik.

Und da kommt auch schon die mutige Hamburger Politik mit dem (Tusch) RADSCHUTZSTREIFEN!

Yay.

Man versucht also die Fata Morgana der „autogerechten Stadt“ aufrecht zu erhalten und gleichzeitig Radstadt zu werden indem man die Radfahrer als lebende Theorie-Crash-Test-Dummies und nur durch eine dünne Linie geschützt auf die jetzt schon zu enge Fahrbahn schickt. Und sagt das wäre wie in Holland.

Und irgendwo westlich fällt einem erschrockenen Niederländer der Gouda beim Radfahren in die Gracht und man hört ihn in dem Westwind rufen: „Aber das ist doch völlig waanzinnig, das hab ich doch nie gesagtje!“

Wer auch nur einmal in Holland war weiß: Hier werden Auto- Rad- und Fußverkehr konsequent und aufwendig getrennt. Hier werden Radfahrer NICHT entlang der Hauptauspuffrouten durch Abgaswolken in die Stadt geführt sondern wenn möglich abseits auf eigenen Wegen wo es ruhiger und schöner ist.

Aber der Hamburger Radfahrer ist halt an sich ein verkappter Navi-SEAL, der als Ex-Raucher einfach sein Pensum Gefahr, Feinstaub und Teer braucht, um den Tag wirklich zu leben. Und Hamburger Autofahrer sind einfach die hochkonzentriertesten Menschen der Welt, immer auf 20 Espresso und haben immer und überall 50 Radfahrer, 10 Fußgänger und 200 andere Autos im Blick.

Und die Realität so: Nee, is erundsie nicht. Sorry. Radverkehr ist in 2019 gesunken. War aber Zufall. Wir haben doch so viele tolle Radschutzstreifen gebaut! Und z.B. an der Osterstraße mit den Mitteln des Radprogramms die ganzen Kreuzungen saniert und nach der Sanierung haben alle mehr Platz. Außer den Radfahrern natürlich. Die haben eine Linie auf der Straße. Rechts parkende Autos und links Busse, die jetzt leider nicht mehr wirklich zwischen die Linien passen und daher standardmäßig auf den Radschutzstreifen ausweichen müssen. Aber auf dem Fußweg können jetzt Fußballmannschaften nebeneinander laufen. Oder die Straße Beim Schlump. Da hat die Behörde gleichzeitig eine riesige Unibaustelle aufgemacht, den sicheren Radweg auf dem Fußweg geschlossen und auf die Straße verlegt. What can possibly go wrong? Jetzt sind da wöchentlich Polizeikontrollen gegen Radfahrer, die überleben wollen und heimlich auf dem Gehweg fahren. Ich hab da gewohnt. Wer da mal zur Rush-Hour (ca. 50 % des Tages) mit dem Rad war, weiß: Ich übertreibe nicht. Es ist gemeingefährlich. Ich bin da nie auf der Straße gefahren. Ich mag dieses Leben.

Und auf der Elbchaussee, diesem mäandrierenden Ungetüm für Cayenne-Fahrer, bei dem nie jemand weiß obs gerade eine Spur oder zwei sind und man sich folgerichtig permanent anhupt und behindert. Da hat nicht etwa jemand die Eier zu sagen: Machen wir eine Spur draus, sonst entsteht ja eh nur Chaos. Nee, da wird das nächste Elend geplant.

Fragt man einmal NICHT die Rad-Nerds sondern die Freunden, die NICHT oder WENIG Fahrrad fahren sagt dir jeder: „Ich hab Angst. Das ist mir zu gefährlich.“ Und ich verstehe das komplett. In Deutschland sterben Jahr für Jahr mehr Radfahrer und nicht weniger wie in anderen Ländern. Aber Schuld sind die Radfahrer, weil ohne Helm und Warnweste. Auch wenn der Löwenanteil der Unfälle bei bester Sicht im Sommer passiert (Warnweste?) und durch abbiegende LKWs und Autos (Helm?).

Wir haben eine verdammte Straßenverkehrsordnung. Man hat auch OHNE Helm und Warnweste und 5 Airbags am Rad sicher zu sein. Und dafür braucht es Infrastruktur. RICHTIGE Infrastruktur. Die mit MUT. Die ohne 5.000 Auspuffe vor meiner Lunge.

Entweder: Maximal Tempo 30 für alle. Dann kann man die Wege auch zusammenschmeißen. Bin ich persönlich gern dabei, ich fürchte nur…

Oder: GETRENNTE WEGE FÜR ALLE.

Und das geile ist: Alle profitieren. Radfahren macht endlich wirklich Spaß. Fußgänger und Radfahrer müssen sich nicht mehr anbrüllen. Die Stadt atmet auf. Jeder, der neu Rad fährt macht Platz für die, die wirklich Auto fahren MÜSSEN. Ob Lieferant, körperlich eingeschränkt oder Handwerker – manche Menschen brauchen ihr Auto und auch die fahren dann entspannter und geschützt vor plötzlichen Radüberraschungen durch die Stadt. Ja. Man wird dazu manchmal eine Spur bei den Autofahrern wegnehmen müssen. Ja, es wird Protest geben. Das wird übel werden. Aber Protest ebbt auch wieder ab wenn die Menschen merken: „Scheiße, irgendwie ist mein Leben in der Stadt jetzt schöner!“

Hat in den Niederlanden funktioniert. Hat in Kopenhagen funktioniert. Wird gerade in Paris angegangen. Warum soll das nicht in Hamburg funktionieren? Also: Schluss mit halber Kacke und gefährlichen Schutzstreifen, baut endlich RICHTIGE und SCHÖNE Infrastruktur. Ich will ein Leben in der Stadt. Danke.

Euer Captain.

P.S. Sonntag ist Wahl.

Was geben Städte pro Kopf für den Radverkehr aus?

Was geben Städte pro Kopf für den Radverkehr aus – und
was ist das Ergebnis? Wenig überraschend: VIEL HILFT VIEL.
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Ich poste diese Grafik weil die Ausgaben pro Kopf alleine ehrlich gesagt nichts aussagen außer einer Willensbekundung. Nur an dem Anteil des Radverkehrs zeigt sich Erfolg oder Nichterfolg der Maßnahmen.
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Was zeigt die Grafik? Berlin und Hamburg investieren trotz gigantischem Nachholbedarfs immer noch viel zu wenig. Ein paar Mutige fahren trotzdem immer Fahrrad. So ist der im Vergleich zum niedrigen Einsatz recht hohe Anteil des Radverkehrs zu erklären. Damit auch weniger Mutige (oder Verrückte) sich auf das Rad schwingen muss aber investiert werden, was Beispiele wie Kopenhagen und Utrecht deutlich zeigen.
Amsterdam ist schwierig zu ermitteln: Die Stadt selber investiert in den nächsten Jahren 11 € pro Einwohner und Jahr. Dazu kommen aber erhebliche Mittel aus Landestöpfen was einen Schnitt über die ganzen Niederlande von 30 € pro Kopf und Jahr ergibt. Zudem wurde schon sehr lange sehr viel investiert, daher hab ich hier mal ein größer-Zeichen ergänzt. (Ihr seht ich hab mir wirklich verdammt viel Arbeit gemacht…)

Interessant dabei ist auch, dass der Anteil verunglückter Radfahrern in den Niederlanden kontinuierlich sinkt während er in Deutschland steigt. Woran mag das wohl liegen? Etwa an der unzureichenden Investition in sichere Infrastruktur? Nein! Doch! Oh. In Hamburg ist bald Wahl und ich glaube es ist kein Geheimnis dass CDU und SPD der Überzeugung sind, dass für Radverkehr eigentlich erstmal genug getan wurde. Nachdem vor allem die Grünen in den letzten Jahren tatsächlich für Schwung gesorgt haben. Ich lasse mir gerade die Wahlprogramme kommen.
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Alle Daten sind mit Vorsicht zu betrachten. Ich hab mein Bestes getan das Internet gründlich zu durchsuchen aber man findet viel sich widersprechendes und viele die stumpf voneinander abschreiben. Und natürlich Berlin, das kaum aktuelle Zahlen hat. Wie könnte es auch anders sein. Ich hab daher jeweils die glaubwürdigste und konservativste Zahl genommen. Wenn ihr bessere habt und das begründen könnt immer her damit!

Nachtrag: Bei Hamburg war bisher dank einer anscheinend fehlerhaften Studie immer die Rede von 2,9 € pro Kopf. Der Etat für Radverkehr versteckt sich in Hamburg in diversen Töpfen. Die Verkehrsbehörde berechnet für 2017 10,56 € und für 2018 noch etwas mehr. Es geht also voran und das habe ich in der Grafik entsprechend angepasst. Danke für den Hinweis.

Von folgenden Links:
https://assets.amsterdam.nl/publish/pages/865242/meerjarenplan_fiets_2017-2022.pdf
http://www.aviewfromthecyclepath.com/2010/05/487-million-euros-for-cycling.html
https://www.zeit.de/mobilitaet/2018-07/fahrradstadt-hamburg-verkehr-abgase-amsterdam-velorouten?fbclid=IwAR3H9MKp81UqkdzE_fHSlM1DrQYldUgFC6pGdnfjoV0Ko2BqqAVUGKqDBa4
https://www.bikecitizens.net/de/bicycle-first-radverkehr-utrecht/
https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/nachhaltige-mobilitaet/radverkehr#vorteile-des-fahrradfahrens
https://hamburg.adfc.de/news/neue-mobilitaetsstudie-wer-25-prozent-radverkehr-in-2030-will-muss-dem-rad-jetzt-mehr-platz-geben/
https://bicycledutch.wordpress.com/2019/05/29/cycling-increased-again-in-utrecht/
https://www.coya.com/bike/index-2019
https://bicycledutch.wordpress.com/2018/01/02/dutch-cycling-figures/
https://ecf.com/cycling-data/netherlands/north-holland-noord-holland/amsterdam
http://www.aviewfromthecyclepath.com/2010/05/487-million-euros-for-cycling.html

Warnwesten und Radfahren – PR-Flowchart der Polizei

2019 starben bisher 11 % mehr Radfahrer im Straßenverkehr als 2018 (endgültige Zahlen stehen noch aus). 2018 starben 445 Radfahrer, 2017 starben 382 Radfahrer. Hier setzt sich also ein unglücklicher Trend fort. Nur 25,4 % der Radfahrer verunglücken im Winter. 70% der Radfahrer verunglücken bei Zusammenstößen bei denen wiederum in knapp 70 % der Fälle Autofahrer hauptschuldig sind. (Alle Daten Statistisches Bundesamt)
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Was macht man nun daraus?
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Nun, wenn man die Polizei ist, hat man natürlich keine Probleme den Übeltäter zu finden und macht jedes Jahr zur dunklen Saison und überhaupt immer wenn ein Radfahrer verunglückt lustige Videos und Anmerkungen wie wichtig es ist, dass Radfahrer und Fußgänger grünen Ampeln nicht trauen und immer Warnwesten und Helme mit Reflektorstreifen tragen. „Looks like shit. But saves my life.“
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Dass Ampeln und Vorfahrt eigentlich dazu da sind ihnen trauen zu können, dass die meisten Menschen im hellen Sommer sterben, dass eine ganze Stadt in Warnwesten eher nach Gelbwesten als nach Sicherheit aussieht weil eine Warnweste unter tausend Warnwesten keine mehr ist, dass die Infrastruktur dank feiger Politik aus völlig ungenügenden Radschutzstreifen und maroden, holprigen Radwegen besteht: Geschenkt. Der Sherlock deutsche Polizei & Politik weiß immer schon wer der Täter war bevor es Opfer gab! Und damit auch ihr endlich versteht wie es geht hier endlich der offizielle PR-Flowchart der Polizei für euch! Mit Liebe vom Captain. Ride safe.

P.S. Der Captain weiß aus diversen Fastunfällen mit abbiegenden Kraftfahrzeugattentätern: Wo kein Auto ist, kann einen auch keiner überfahren. Er fährt daher lieber dann wenn keiner kommt als dann wenn Ampel grün. Aber pssst.
P.P.S. Der Captain fährt auch ab- und an Auto. Und CRAZY SHIT: Er lässt sich bei jedem Abbiegeprozess genug Zeit um niemanden platt zu fahren. Und wird dafür regelmäßig von hinten totgehupt. „Jetzt fahr den Radfahrer doch tot, du Spast, ich habs eilig!“

Außen schön braun – Horst Seehofer

Das ist ja das absurde an Horst: Man wird den Verdacht nicht los, dass all das populistische angebräunte Draufgehaue, die ganze AfD-Mimikri doch nur Taktiererei ist. Wie man überhaupt bei Horst diesem bayrischen Biergarten-Machiavelli keinen Verdacht so richtig los wird. Man fragt sich ja ob Horst Seehofer am Abend eines ereignisreichen Tages noch weiß ob er Horst Seehofer ist. Horst Seehofer ist wie eine Weißwurst, die sich auf den Grill legt, weil nun mal gerade außen leicht braun „in“ ist. Und dann platzt sie ständig weil sie so dunnhäutig ist. Das sollte einfach nur lächerlich sein. Dummerweise ist dieser Horst Seehofer aber Innenminister und wird mit seinem populistischem Möchtegern-braungetue zum Steigbügelhalter für Menschen, die die fanatisch-reaktionäre Scheiße tatsächlich glauben. Denn die schaffen es nie allein an die Macht.

Sie brauchen Idioten wie Horst, die im Herzen höchstens an sich selber glauben aber für genau dieses „ICH!“ bereit sind alles zu opfern. Die sich bräunen weil sie meinen es zu müssen. Menschlichkeit, Glaubwürdigkeit, Demokratie, alles wird in diesem Zuge eiskalt mitbeerdigt. Menschen wie Horst zerstören im Vorbeigehen das Vertrauen in Politik und Demokratie, behaupten aber steif und fest es zu retten und endlich aufzuräumen. Mit irgendwas. Hauptsache aufräumen und irgendwie harte Kante. Also heute da so harte Kante und morgen woanders. Mit glasklaren Positionen im Trüben fischen. Hintenrum dreckige Deals aber die Unschuld vom Lande im Nachinterview mimen. Menschen wie Horst können auch nur von Menschen abgelöst werden, die mindestens genauso falsch spielen wie sie.

So folgt folgerichtig Söder auf Seehofer. Ein Söder, der fast noch durchtriebener ist und sich bemüht seinen Ex-Chef noch rechts zu überholen. Auf dem Standstreifen vorbeizieht und Kreuze zu Islamaustreibung und Atheistenbestrafung aufhängen lässt während der Rest der Republik hilflos dem Schauspiel namens „Die Geißel Deutschlands – CSU“ zuschaut. Schön ist, dass jetzt viele Kommentatoren sagen, dass das doch gut wäre: Eine bundesweite CSU, die endlich wieder wirklich konservative Positionen besetzt, die angeblich von der CDU vorsätzlich geräumt wurden. Dumm ist nur, dass was der CSU-Männerbund unter „konservativ“ versteht, mit „reaktionär“ noch freundlich umschrieben ist. Merkel hat ehemals konservative Positionen ja nicht grundlos geräumt, sie hat nicht selten versucht sie gegen den Strom der Zeit noch so lange wie möglich aufrecht zu erhalten.

Atomkraft beenden, Homo-Ehe einführen, Menschen-nicht-ersaufen-lassen war ja nicht progressiv sondern folgerichtig. Merkel hat sich bei all diesen Entscheidungen nicht als Gestalterin hervorgetan aber sie hat eben auch nicht den Horst gegeben und die Zeichen der Zeit zumindest nicht völlig ignoriert. Die CSU-Komödientruppe hat in derselben Zeit mit Mütterrente, Mautdesaster und diversen am Bundesverfassungsgericht gescheiterten Dilettantengesetzen sogar handwerklich armselige Showpolitik gemacht.

Wenn das konservativ war, heißt konservativ dann unfähig, ungeeignet, unzurechnungsfähig? Dabei gäbe es viele konservative Positionen, die zu besetzen es lohnen würde: Strukturen auf dem Land erhalten, sinnlose Zersiedelung und Landschaftszerschandelung durch ständig neue Gewerbegebiete beenden, alte Handwerksberufe unterstützen, steuerflüchtige Großunternehmen und Großreiche wirksam an ihre Pflichten erinnern, tatsächlich mal den Mittelstand fördern (und nicht Großkonzerne, aber behaupten man würde den Mittelstand fördern).

Man könnte Förderprogramme für gute Landgasthöfe und Biergärten auf dem Land auflegen. Man könnte Strukturvielfalt in der Landwirtschaft fördern. Kleine lokale Brauereien unterstützen. Genossenschaften aus aufrechten bayerischen oder deutschen Bürgen staatlich unter die Arme greifen. Aber an all dem hat die CSU-Bundesspitze kein Interesse. Da zieht man sich lieber einmal im Jahr Lederhose an, faselt irgendwas von Brauchtum und Traditionen und macht im Rest des Jahres Politik auf Kosten des Bürgers und des Restes der Republik. Denn das ist ja das furchtbar nervige an der Situation. Eine ganze Bundesrepublik, in der viele Länder zeigen wie es anders geht, muss hilflos die Bayerischen Extrawürste ertragen weil die Union das irgendwann mal entschieden hat.

In Schleswig-Holstein führt ein konservativer Politiker eine fast geräuschlose schwarz-grün-gelbe Regierung, die nach Lösungen und nicht nach Problemen sucht, aber in den Medien inszeniert Horst seinen angeblichen Rücktritt und die AfD steigt in den Umfragen. In Hamburg arbeiten rot-grün sachlich und größtenteils konstruktiv zusammen aber in den Medien inszeniert Horst Seehofer seinen Rücktritt vom Rücktritt und die AfD steigt in den Umfragen. Aus Bremen ist schon länger kein Finanzdesaster mehr zu hören, überhaupt geht es Deutschland wirtschaftlich glänzend aber in den Medien inszeniert Horst Seehofer inzwischen gewohnt durchtrieben seinen Anti-Asyl-Plan (der so nicht mit der SPD abgestimmt ist) und die AfD steigt in den Umfragen. In Mecklenburg nimmt das Leben seinen Lauf, in Niedersachsen auch, in Berlin wird der BER von VW als Lagerplatz zwischengenutzt, die Kriminalitätsstatistiken sind deutschlandweit so niedrig wie lange nicht und Horst freut sich öffentlich dass an seinem 69ten Geburtstag 69 Afghanen abgeschoben wurden, nennt Victor Orban einen super Kumpel und ist mit Salvini und Kurz per Du. Und die AfD steigt in den Umfragen.

Horst Seehofer, ein Mann in seinen besten Trump-Jahren. Man müsste den Hit von Udo Jürgens umschreiben. Mit 69 Jahren fängt das Politikerleben an, mit 69 Jahren ist noch lang noch nicht Schluss. Da kann man noch locker zehn Jahre lang Demokratien zersetzen, Politikverdrossenheit fördern, hübsch entmenschlichte Wörter wie „Asyltouristen“ prägen und die Bürger immer schön mit der Nase in jeden Haufen Wohlfühlscheiße am Wegesrand stoßen. Damit er nicht auf die Idee kommt sich umzuschauen und zu sehen wie schön das so vor sich hinblüht. Wie reich wir sind. Wie viel wir zu verlieren haben. Was für dringendere Probleme wie z.B. den Klimawandel es gibt. Wir sollten uns langsam überlegen wie lange wir noch zuschauen wie der Club der Rentner unsere westlichen Demokratien zersetzte. Aber was sage ich „wir“. Wir haben Horst ja nie gewählt. Wir stehen da als hilflose Zaungäste und weinen Tränen der Wut über die bayerische CSU-Extrawurst.

Also: Hallo Bayern, ihr habt da demnächst Landtagswahl, wäre es euch vielleicht einmal möglich über Alternativen nachzudenken? Und damit meine ich nicht DIE Alternative. Die ist auch nicht anders als der CSU-Bundesvorstand nach 4 Mass auf dem Oktoberfest. Damit meine ich mal in Parteiprogramme reinschauen und selber nachdenken. Sich mal fragen ob man wirklich mit dem nächsten Horst das bayerische Wesen komplett lächerlich machen möchte. Ich verspreche auch keine Weißwürste mehr zu grillen. Oder nach 12 zu essen. Und vielleicht trink ich sogar mal eine gute Mass bayrisches Bier, obwohl mir ein herbes norddeutsches Pils normalerweise eher zusagt. Nur erspart uns in Zukunft Menschen vom Schlage Horsts. Und lieber Horst Seehofer, um wie du mit einem falschen jovialen Lächeln, aufgesetzter Ehrlichkeit und den Diktum eines ehemaligen Außenministers zu schließen: „Mit Verlaub, Herr Innenminister, Sie sind ein Arschloch!

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