Tag: Radfahrer (page 1 of 2)

Warum ein neuer Strafenkatalog im Straßenverkehr mehr als überfällig ist

Treffen sich drei Krokodile. Sagt das erste: „Mann ich hab gestern einen E-Bike-Fahrer gefressen, der lag mir so schwer im Magen, ich konnte den ganzen Tag nicht mehr schwimmen“.

Sagt das zweite: „Das ist ja noch gar nichts. Ich habe vor zwei Wochen einen Porsche-Cayenne-Fahrer gefressen, der lag mir so schwer im Magen, ich kann heute noch nicht wieder schwimmen.

Sagt das dritte: „Das ist überhaupt nichts. Ich habe gestern Andreas Scheuer gefressen, der war so hohl ich kann seitdem nicht mehr tauchen!“

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Dieser Witz ist so dilettantisch modernisiert wie die Politik von Andreas Scheuer. Der hat mal eben 500 Mio im Mautdesaster versenkt, sein Handy zufällig gelöscht, eigentlich für den Radverkehr gedachte Bundesmittel für den Bau von Umgehungsstraßen eingesetzt – und nun also auch noch eine Überarbeitung des Strafenkatalogs im Straßenverkehr versaut. Und knickt dann beim ersten Protest sofort begeistert ein. Denn eigentlich wollte er die Strafen halt auch nicht wirklich erhöhen.

Dabei sind die Strafen im internationalen Vergleich ein schlechter Witz und zudem auch weitestgehend unwirksam. Innerorts kann man mit 84 rasen – ein Tempo, das kein Radfahrer oder Fußgänger beim Aufprall überlebt – außerorts kann man bis zu 44 km/h schneller sein, mit tödlichen 144! über die Bundesstraße ballern und alles was man zahlen muss sind – ACHTUNG – 120€. Also circa 1mal volltanken vor Corona.

Und das in Zeiten, in denen fast jeder Blitzerapps und -Warner hat. Und es selbst im öffentlichen Rundfunk zum „Service“ gehört die mobilen Blitzer (hoffentlich) von der Freisprechanlage aus durchzusagen. Was noch mal eine ganz eigene Absurdität ist. Da muss sich der professionelle Raser ja fast schon anstrengen, um ÜBERHAUPT MAL geblitzt zu werden.

Ich fahre seit vielen Jahren neben Fahrrad und ÖPNV auch und immer mal wieder Auto. Ich bin viermal wegen Blödheit geblitzt worden. Immer so 5-8 km/h zu schnell. Zweimal weil ich ohne Nachzudenken innerorts einfach im Verkehrsfluss mitgefahren bin und die Grüne Welle bei den Ampeln erwischen wollte. Und der Verkehrsfluss in deutschen Städten liegt nunmal bei 60+x km/h und so einige Grüne Wellen gehen auch GENAU davon aus. (Da bin ich mir sehr, sehr sicher auch wenns natürlich keiner zugibt.) Zweimal bin ich in Tempo-30 Zonen geblitzt worden, die ich zu spät bemerkt habe, oder bei denen ich mir nicht sicher war.

Und genau das sind dann auch schon die Punkte, die geklärt werden müssten, damit neue, härtere Strafen fair sind: ENDLICH wirklich konsequent Ampeln, Fahrbahnbreiten und co. so auslegen, dass der Verkehrsfluss das Tempolimit NICHT überschreitet. Es ist doch absurd, wenn man z.B. in Hamburg partiell 60-70 fahren muss, um beim Einfädeln überhaupt in den Verkehr auf den Hauptstraßen zu kommen. Es darf sich schlicht nicht lohnen zu rasen. Und ENDLICH wirklich durchgehend alle Tempo-30 Zonen richtig gut und eindeutig markieren.

Und wie wäre es z.B. Strafen einfach mal am Einkommen zu orientieren? Finnland macht es vor. Denn derzeit sind die Strafen für den Cayenne oder X5-Fahrer schlicht Portokasse während sie dem lohngedumpten „Servicedienstleister“ der deutschen Post bereits RICHTIG weh tun.

Und wenn gewährleistet ist, dass die Strafen sozial fair sind und Limits sauber markiert wird, muss ich einfach mal sagen: Blödheit und das Riskieren von eigenem und vor allem dem LEBEN anderer sind keine Grundrechte.

Wer es dann noch schafft mit 54 in der Tempo-30 Zone (mit denen er ja auch bei 50 km/h Tempolimit zu schnell wäre!), 74 km/h innerorts oder 129 km/h außerorts zu fahren UND in den Blitzer zu rasen: Sorry, aber der hat sich sein Fahrverbort halt auch redlich verdient.

Denn vor Eurer Motorhaube befinden sich Radfahrer und Fußgänger und andere Autofahrer mit deren Leben IHR spielt.

Euer Captain Futura.

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Captain Futuras Arbeit unterstützen: https://www.patreon.com/user?u=32965554

Krisenlösung auf zwei Rädern

In der Krise zeigt sich mal wieder was für eine tolle Idee eigentlich diese Fahrrad ist.

Man ist in der Stadt überall fast konkurrenzlos schnell – oder langsam wenn man gar nicht schnell sein will. Man macht keinen Lärm, keinen Dreck, nimmt fast keinen Platz weg und weicht falsch geparkten Autos und den Viren in vollgestopften Bussen aus.

Manche Städte wie Berlin oder Wien reagieren darauf mit Pop-up-Radwegen auf den gerade eh deutlich weniger genutzten Radwegen.

Manche Städte wie Hamburg machen wie üblich nichts und setzen weiterhin auf Autos und Busse, die dann derzeit beide gleich leer durch die Gegend gondeln. Und man fragt sich manchmal: Wen soll man eigentlich wählen, damit sich das WIRKLICH mal ändert.

So wünscht man sich, in der Frühlingssonne oder einem kurzen Schauer radelnd, vor allem Mut in der Politik. Denn ich schwöre: Nichts macht so leicht, ist so erleichternd und stressabbauend wie Radfahren. Fliegen für Jedermann. Es kann so einfach sein.

Also wenn ihr das nächste Mal gestresst seid: Fahrt nicht aus der Haut – fahrt Rad!

Euer Captain.

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P.S. Wer unter 50 ist und in den Harburger! Bergen Mountainbike mit Elektrounterstützung fährt hat die Kontrolle über sein Leben verloren! 😉

Leute ehrlich kauft euch einfach mal ein geiles NORMALES Rad und ein paar Muskeln. Ihr wolltet doch Sport machen? Oder nicht?

Coronakrise / Klimawandel

Wer erinnert sich nicht an mindestens eine Diskussion mit seinem Chef / seiner Chefin wegen Homeoffice. Und was war das kompliziert. Wann fangen Sie denn dann an? Wie soll man da den Arbeitsfortschritt überprüfen? Sind sie da überhaupt produktiv? Das kann man nicht organisieren! Das ist in so einem Betrieb schlicht nicht möglich! Ohne Anwesenheit geht hier nix!

Und Videokonferenzen? Umöglich! Die Technik. Vergiss es. Und ohne Eye-to-eye kann man nicht arbeiten. Und so wurde lieber zweimal die Woche von Stuttgart nach Berlin und zurück geflogen statt sich EINMAL eine Woche ordentlich Gedanken zu machen und die Technik zum Laufen zu kriegen. Aber was haben wir uns dabei WICHTIG gefühlt.

Und ach die Experten. Ja, ist ja schon erschreckend was die zum Klimawandel sagen. Aber das kann man der Bevölkerung halt nicht zumuten, dass man da jetzt ein bisschen runterfährt und den Menschen erklärt, dass was getan werden muss. Da lässt man lieber eine komplette Gesellschaft ins offene Messer laufen und hält die Experten mit sinnlosen Beratungskommissionen beschäftigt, deren Ergebnisse ein ums andere Mal ignoriert werden.

Und dann kam Corona.

Und plötzlich wird einem klar: Das war gar nicht alternativlos. Das war einfach nur Hirnfaulheit. Das war der komplette Unwillen an den Gewohnheiten was zu ändern OBWOHL mehr Ruhe, mehr FREIWILLIGES zu Hause mit den Liebsten, mehr an einem Ort sein, weniger Wirtschaftswahnsinn und deutliches, entschlossenes Agieren des Staates unser aller Leben heute UND morgen verbessern würde. Nur anscheinend muss dazu der Tod vorm Bett stehen, es reicht nicht wenn er „nur“ an der Türschwelle steht. Denn da steht er längst. Deutschland ist bereits 1,6 Grad wärmer. 1,6 GRAD! HEUTE! Das ist keine Katastrophe von Morgen mehr!

Sogar um eine Entschleunigung und teilweise Entflechtung einer heiß gelaufenen Globalisierung wird plötzlich nachgedacht. Und das alles angesichts eine durchaus tödlichen Virus, der aber NICHT den Fortbestand der Menschheit gefährdet. Dessen Opfer im Schnitt 80 sind während die zukünftigen Opfer des Klimawandels heute 18 sind.

Versteht micht nicht falsch: Ich finde es richtig und wichtig im Angesicht eines solchen Virus solidarisch und gemeinsam zu agieren. Aber wie kann es möglich sein, dass wir im Angesicht einer viel größeren Katastrophe so wenig auf die Kette kriegen? Ein guter Freund von mit ist Klimaforscher. Der versteht das Klima aber die Welt nicht mehr. Jahrelang wird ihm erklärt warum nichts getan werden kann und plötzlich ist das alles möglich. Dabei wären die Einschränkungen um den Klimawandel aufzuhalten viel geringer! Niemand müsste zuhause bleiben, niemand müsste um sein Leben fürchten. Wir DÜRFTEN endlich ein gemütlicheres Leben führen und unsere Wirtschaft zügig auf erneuerbare Energien und alternative Antriebe umstellen. Die Wirtschaft würde anders als jetzt trotzdem weiterlaufen und danach wäre die Luft so gut wie jetzt durch Corona.

Und? Klingt plötzlich gar nicht mehr so groß die Aufgabe, oder? Das wäre doch mal was wenn wir durch Corona merken, dass die viel größeren Katastrophen von Morgen viel einfacher abzuwenden sind. Wenn wir halt jetzt mal was machen außer reden.

Radschutzstreifen sind feige Verkehrspolitik

Hamburg hat leider viel zu lange gebraucht um sich von dem Ziel der autogerechten Stadt zu verabschieden. Die Theorie war: Es gäbe eine Höchstgrenze der Automobilität und man müsste nur genug Straßen bauen, um diese abzudecken und dann würde man eines der Tages in der goldenen Stadt der perfekten Mobilität aufwachen in der jeder staufrei und gemütlich sein Ziel erreicht. Amen.

Das Problem ist: Es gibt zwar eine Höchstgrenze der Mobilität. Aber die misst sich in Zeit bzw. Aufwand und nicht in Kilometern. Ob wir bereit sind eine Strecke zurück zu legen machen wir an der Zeit und dem Aufwand in Geld, Ärger, usw. fest aber nicht an der Entfernung. Je mehr vierspurige Straßen man durch die Stadt prügelt desto mehr Menschen ziehen weiter raus weil dort die Mieten günstiger sind, mehr Natur und weniger Autoverkehr ist und der Zeitaufwand für die Fahrt ja gesunken ist. Die Theorie ist also eine Fata Morgana, die sich immer weiter entfernt, umso mehr Straßen man baut.

Das wäre völlig okay wenn Autoverkehr nicht eine Reihe von Nebenwirkungen hätte, die die Medizin der autogerechten Stadt nicht nur bitter sondern bei genauerer Betrachtung eher als Gift für ein gutes Leben in der Stadt erscheinen lässt.

Lärm, Abgase, Feinstaub, Umwelt- und Klimazerstörung, Zerschneidung und Vernichtung von Grünflächen und Freiräumen, ständige Gefahr für spielende Kinder und andere Verkehrsteilnehmer und vor allem die Vereinnahmung von unfassbar viel Raum. Und das in der Stadt, wo von allem viel vorhanden ist, aber Platz nun gerade nicht. Damit wir schnell von A nach B kommen vernichten wir also auf einer Vielzahl von Ebenen Lebensqualität.

Wird das nun mit Elektroautos besser? Lärm und Abgase ja, Feinstaub teilweise (Reifenabrieb bleibt ja) ansonsten bleibt das Problem eins zu eins bestehen.

Aber es wird doch mit autonomen Autos besser! Nein. Warum sollte es? Wenn ich das Autofahren noch angenehmer mache, man auf der Fahrt arbeiten kann und es z.B. möglich ist zu ner Party zu fahren und sich dann angetrunken das eigene Auto zu rufen „K.I.. ICH BRAUCH DICH“ – dann fahren doch nicht weniger Autos, dann fahren MEHR Autos komplett leer durch die Stadt um Menschen abzuholen. Studien berechnen den Effekt auf bis zu 60%. Und auch das Statussymbol bleibt. Ist doch derbe dicke Hose wenn bei der Party in Blankenese ein riesiger Schlitten mit der Lieblingsserie auf den Bildschirmen von selbst vorfährt. Die Stadt wird noch mehr ein Ort sein, an dem, die mit Kohle ihr Leben auf Kosten der anderen pseudo-optimieren.

Anders gesagt: Das Problem wird sich von selber nicht lösen. Das löst sich nur durch mutige Politik.

Und da kommt auch schon die mutige Hamburger Politik mit dem (Tusch) RADSCHUTZSTREIFEN!

Yay.

Man versucht also die Fata Morgana der „autogerechten Stadt“ aufrecht zu erhalten und gleichzeitig Radstadt zu werden indem man die Radfahrer als lebende Theorie-Crash-Test-Dummies und nur durch eine dünne Linie geschützt auf die jetzt schon zu enge Fahrbahn schickt. Und sagt das wäre wie in Holland.

Und irgendwo westlich fällt einem erschrockenen Niederländer der Gouda beim Radfahren in die Gracht und man hört ihn in dem Westwind rufen: „Aber das ist doch völlig waanzinnig, das hab ich doch nie gesagtje!“

Wer auch nur einmal in Holland war weiß: Hier werden Auto- Rad- und Fußverkehr konsequent und aufwendig getrennt. Hier werden Radfahrer NICHT entlang der Hauptauspuffrouten durch Abgaswolken in die Stadt geführt sondern wenn möglich abseits auf eigenen Wegen wo es ruhiger und schöner ist.

Aber der Hamburger Radfahrer ist halt an sich ein verkappter Navi-SEAL, der als Ex-Raucher einfach sein Pensum Gefahr, Feinstaub und Teer braucht, um den Tag wirklich zu leben. Und Hamburger Autofahrer sind einfach die hochkonzentriertesten Menschen der Welt, immer auf 20 Espresso und haben immer und überall 50 Radfahrer, 10 Fußgänger und 200 andere Autos im Blick.

Und die Realität so: Nee, is erundsie nicht. Sorry. Radverkehr ist in 2019 gesunken. War aber Zufall. Wir haben doch so viele tolle Radschutzstreifen gebaut! Und z.B. an der Osterstraße mit den Mitteln des Radprogramms die ganzen Kreuzungen saniert und nach der Sanierung haben alle mehr Platz. Außer den Radfahrern natürlich. Die haben eine Linie auf der Straße. Rechts parkende Autos und links Busse, die jetzt leider nicht mehr wirklich zwischen die Linien passen und daher standardmäßig auf den Radschutzstreifen ausweichen müssen. Aber auf dem Fußweg können jetzt Fußballmannschaften nebeneinander laufen. Oder die Straße Beim Schlump. Da hat die Behörde gleichzeitig eine riesige Unibaustelle aufgemacht, den sicheren Radweg auf dem Fußweg geschlossen und auf die Straße verlegt. What can possibly go wrong? Jetzt sind da wöchentlich Polizeikontrollen gegen Radfahrer, die überleben wollen und heimlich auf dem Gehweg fahren. Ich hab da gewohnt. Wer da mal zur Rush-Hour (ca. 50 % des Tages) mit dem Rad war, weiß: Ich übertreibe nicht. Es ist gemeingefährlich. Ich bin da nie auf der Straße gefahren. Ich mag dieses Leben.

Und auf der Elbchaussee, diesem mäandrierenden Ungetüm für Cayenne-Fahrer, bei dem nie jemand weiß obs gerade eine Spur oder zwei sind und man sich folgerichtig permanent anhupt und behindert. Da hat nicht etwa jemand die Eier zu sagen: Machen wir eine Spur draus, sonst entsteht ja eh nur Chaos. Nee, da wird das nächste Elend geplant.

Fragt man einmal NICHT die Rad-Nerds sondern die Freunden, die NICHT oder WENIG Fahrrad fahren sagt dir jeder: „Ich hab Angst. Das ist mir zu gefährlich.“ Und ich verstehe das komplett. In Deutschland sterben Jahr für Jahr mehr Radfahrer und nicht weniger wie in anderen Ländern. Aber Schuld sind die Radfahrer, weil ohne Helm und Warnweste. Auch wenn der Löwenanteil der Unfälle bei bester Sicht im Sommer passiert (Warnweste?) und durch abbiegende LKWs und Autos (Helm?).

Wir haben eine verdammte Straßenverkehrsordnung. Man hat auch OHNE Helm und Warnweste und 5 Airbags am Rad sicher zu sein. Und dafür braucht es Infrastruktur. RICHTIGE Infrastruktur. Die mit MUT. Die ohne 5.000 Auspuffe vor meiner Lunge.

Entweder: Maximal Tempo 30 für alle. Dann kann man die Wege auch zusammenschmeißen. Bin ich persönlich gern dabei, ich fürchte nur…

Oder: GETRENNTE WEGE FÜR ALLE.

Und das geile ist: Alle profitieren. Radfahren macht endlich wirklich Spaß. Fußgänger und Radfahrer müssen sich nicht mehr anbrüllen. Die Stadt atmet auf. Jeder, der neu Rad fährt macht Platz für die, die wirklich Auto fahren MÜSSEN. Ob Lieferant, körperlich eingeschränkt oder Handwerker – manche Menschen brauchen ihr Auto und auch die fahren dann entspannter und geschützt vor plötzlichen Radüberraschungen durch die Stadt. Ja. Man wird dazu manchmal eine Spur bei den Autofahrern wegnehmen müssen. Ja, es wird Protest geben. Das wird übel werden. Aber Protest ebbt auch wieder ab wenn die Menschen merken: „Scheiße, irgendwie ist mein Leben in der Stadt jetzt schöner!“

Hat in den Niederlanden funktioniert. Hat in Kopenhagen funktioniert. Wird gerade in Paris angegangen. Warum soll das nicht in Hamburg funktionieren? Also: Schluss mit halber Kacke und gefährlichen Schutzstreifen, baut endlich RICHTIGE und SCHÖNE Infrastruktur. Ich will ein Leben in der Stadt. Danke.

Euer Captain.

P.S. Sonntag ist Wahl.

Was geben Städte pro Kopf für den Radverkehr aus?

Was geben Städte pro Kopf für den Radverkehr aus – und
was ist das Ergebnis? Wenig überraschend: VIEL HILFT VIEL.
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Ich poste diese Grafik weil die Ausgaben pro Kopf alleine ehrlich gesagt nichts aussagen außer einer Willensbekundung. Nur an dem Anteil des Radverkehrs zeigt sich Erfolg oder Nichterfolg der Maßnahmen.
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Was zeigt die Grafik? Berlin und Hamburg investieren trotz gigantischem Nachholbedarfs immer noch viel zu wenig. Ein paar Mutige fahren trotzdem immer Fahrrad. So ist der im Vergleich zum niedrigen Einsatz recht hohe Anteil des Radverkehrs zu erklären. Damit auch weniger Mutige (oder Verrückte) sich auf das Rad schwingen muss aber investiert werden, was Beispiele wie Kopenhagen und Utrecht deutlich zeigen.
Amsterdam ist schwierig zu ermitteln: Die Stadt selber investiert in den nächsten Jahren 11 € pro Einwohner und Jahr. Dazu kommen aber erhebliche Mittel aus Landestöpfen was einen Schnitt über die ganzen Niederlande von 30 € pro Kopf und Jahr ergibt. Zudem wurde schon sehr lange sehr viel investiert, daher hab ich hier mal ein größer-Zeichen ergänzt. (Ihr seht ich hab mir wirklich verdammt viel Arbeit gemacht…)

Interessant dabei ist auch, dass der Anteil verunglückter Radfahrern in den Niederlanden kontinuierlich sinkt während er in Deutschland steigt. Woran mag das wohl liegen? Etwa an der unzureichenden Investition in sichere Infrastruktur? Nein! Doch! Oh. In Hamburg ist bald Wahl und ich glaube es ist kein Geheimnis dass CDU und SPD der Überzeugung sind, dass für Radverkehr eigentlich erstmal genug getan wurde. Nachdem vor allem die Grünen in den letzten Jahren tatsächlich für Schwung gesorgt haben. Ich lasse mir gerade die Wahlprogramme kommen.
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Alle Daten sind mit Vorsicht zu betrachten. Ich hab mein Bestes getan das Internet gründlich zu durchsuchen aber man findet viel sich widersprechendes und viele die stumpf voneinander abschreiben. Und natürlich Berlin, das kaum aktuelle Zahlen hat. Wie könnte es auch anders sein. Ich hab daher jeweils die glaubwürdigste und konservativste Zahl genommen. Wenn ihr bessere habt und das begründen könnt immer her damit!

Nachtrag: Bei Hamburg war bisher dank einer anscheinend fehlerhaften Studie immer die Rede von 2,9 € pro Kopf. Der Etat für Radverkehr versteckt sich in Hamburg in diversen Töpfen. Die Verkehrsbehörde berechnet für 2017 10,56 € und für 2018 noch etwas mehr. Es geht also voran und das habe ich in der Grafik entsprechend angepasst. Danke für den Hinweis.

Von folgenden Links:
https://assets.amsterdam.nl/publish/pages/865242/meerjarenplan_fiets_2017-2022.pdf
http://www.aviewfromthecyclepath.com/2010/05/487-million-euros-for-cycling.html
https://www.zeit.de/mobilitaet/2018-07/fahrradstadt-hamburg-verkehr-abgase-amsterdam-velorouten?fbclid=IwAR3H9MKp81UqkdzE_fHSlM1DrQYldUgFC6pGdnfjoV0Ko2BqqAVUGKqDBa4
https://www.bikecitizens.net/de/bicycle-first-radverkehr-utrecht/
https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/nachhaltige-mobilitaet/radverkehr#vorteile-des-fahrradfahrens
https://hamburg.adfc.de/news/neue-mobilitaetsstudie-wer-25-prozent-radverkehr-in-2030-will-muss-dem-rad-jetzt-mehr-platz-geben/
https://bicycledutch.wordpress.com/2019/05/29/cycling-increased-again-in-utrecht/
https://www.coya.com/bike/index-2019
https://bicycledutch.wordpress.com/2018/01/02/dutch-cycling-figures/
https://ecf.com/cycling-data/netherlands/north-holland-noord-holland/amsterdam
http://www.aviewfromthecyclepath.com/2010/05/487-million-euros-for-cycling.html

Warnwesten und Radfahren – PR-Flowchart der Polizei

2019 starben bisher 11 % mehr Radfahrer im Straßenverkehr als 2018 (endgültige Zahlen stehen noch aus). 2018 starben 445 Radfahrer, 2017 starben 382 Radfahrer. Hier setzt sich also ein unglücklicher Trend fort. Nur 25,4 % der Radfahrer verunglücken im Winter. 70% der Radfahrer verunglücken bei Zusammenstößen bei denen wiederum in knapp 70 % der Fälle Autofahrer hauptschuldig sind. (Alle Daten Statistisches Bundesamt)
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Was macht man nun daraus?
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Nun, wenn man die Polizei ist, hat man natürlich keine Probleme den Übeltäter zu finden und macht jedes Jahr zur dunklen Saison und überhaupt immer wenn ein Radfahrer verunglückt lustige Videos und Anmerkungen wie wichtig es ist, dass Radfahrer und Fußgänger grünen Ampeln nicht trauen und immer Warnwesten und Helme mit Reflektorstreifen tragen. „Looks like shit. But saves my life.“
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Dass Ampeln und Vorfahrt eigentlich dazu da sind ihnen trauen zu können, dass die meisten Menschen im hellen Sommer sterben, dass eine ganze Stadt in Warnwesten eher nach Gelbwesten als nach Sicherheit aussieht weil eine Warnweste unter tausend Warnwesten keine mehr ist, dass die Infrastruktur dank feiger Politik aus völlig ungenügenden Radschutzstreifen und maroden, holprigen Radwegen besteht: Geschenkt. Der Sherlock deutsche Polizei & Politik weiß immer schon wer der Täter war bevor es Opfer gab! Und damit auch ihr endlich versteht wie es geht hier endlich der offizielle PR-Flowchart der Polizei für euch! Mit Liebe vom Captain. Ride safe.

P.S. Der Captain weiß aus diversen Fastunfällen mit abbiegenden Kraftfahrzeugattentätern: Wo kein Auto ist, kann einen auch keiner überfahren. Er fährt daher lieber dann wenn keiner kommt als dann wenn Ampel grün. Aber pssst.
P.P.S. Der Captain fährt auch ab- und an Auto. Und CRAZY SHIT: Er lässt sich bei jedem Abbiegeprozess genug Zeit um niemanden platt zu fahren. Und wird dafür regelmäßig von hinten totgehupt. „Jetzt fahr den Radfahrer doch tot, du Spast, ich habs eilig!“

Die AfD und Verkehrspolitik – Ey ich Opfer!

Die AfD opfert mal wieder rum: Diesmal als überzeugte Autobesitzer. Und es ist ja auch einfach furchtbar unfair: Als Autofahrer wird man einfach überall diskriminiert. Während die Radfahrer bis zu 80 cm Radweg haben, müssen die ausgebeuteten Autofahrer mit 8 Metern auskommen. So kann das einfach nicht weitergehen. Und die Städte sind gepflastert mit Radfahrparkplätzen während man wirklich nirgendwo Parkplätze für Autofahrer sieht. Aber zahlen dürfen sie die Autofahrer. Diese Welt ist einfach so ungerecht. Ach.

P.S. Ich fahre selber Auto. Aber nur für Urlaub und große Besorgungen. Städte sind nicht für Autos gemacht und sollten es auch niemals sein.

Was tut die CDU für die Verkehrswende?

Ich weiß nicht ob die CDU, die Sache mit der Verkehrswende so ganz verstanden hat. Nacktmodels mit Fahrradhelmen aufhängen (und sich damit lächerlich machen) Gebühren für Fahrradparkplätze fordern oder Lungenärzte feiern, bei denen später rauskommt, dass sie sich so einen Hauch verrechnet haben (bzw. eher einen ziemlich großen Hauch, fast schon einen Sturm…) das klappt. Aber tatsächliche konstruktive Radverkehrspolitik ist bis heute komplette Fehlanzeige.

Wer selber voran fahren will und die Schnauze voll hat von all den Deppen, die offensichtlich Radwege und Schutzstreifen als Kurzparkszonen verstehen, findet hier eine gute Anleitung für Anzeigen gegen Radwegparker von Kumpel Axel.

Lieblingsfilme der Hamburger Radfahrer

Lieblingsfilme_hamburger_radfahrer-01

Radfahren – Wie viele Gänge benutzt man in Hamburg?

Wie_viele_Gaenge-01

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