Tag: soziale Gerechtigkeit (page 1 of 2)

Mietendeckel runter? – Renditen hoch!

Der Mietendeckel wurde vom Bundesverfassungsgericht gekippt und die Häme ist groß. Gerade bei CDU und FDP, deren Abgeordnete stolz die Klage eingereicht haben. Und das macht ja auch irgendwie Sinn, dass CDU und FDP gegen den Versuch aktiver Politik geklagt haben. Beide Parteien zeichnen sich ja dadurch aus, dass sie in den letzten rund 20 Jahren zu reinen Erfüllungsgehilfen der Wirtschaft geworden sind.

„Sag mal da am Selbstbedienungsbuffet ist ein Monster, dass alles auffrisst, seht ihr das nicht?“ – „Oh doch klar, das ist die Wirtschaft!“ – „Oh, okay? Und warum setzt der keiner Grenzen?“ – „Bist du wahnsinnig, die muss man immer füttern, hörst du! Und ihr alle Wünsche erfüllen! Nicht, dass sie böse wird und weggeht! Die scheißt Gold! Und macht das Leben besser!“ – „Für wen?“ – „Das ist hier doch nicht die Frage, sie tut es, darauf kommt es an und nicht soo laut, sie ist sehr scheu!“ – „Aber sie hat angefangen den Tisch und die Möbel mit aufzuessen“ – „Ja, das ist normal mach dir keine Sorgen!“

Denn das ist ja der Punkt: Außerhalb absurd gestiegener Renditen für Deutsche Wohnen und co. gibt es keine sinnvolle Erklärung für die explodierenden Mieten.

Die deutsche Bevölkerung ist in den letzten 10 Jahren um 1,7 % gestiegen. Die Inflation ist fast schon historisch niedrig und beläuft sich auf ganze 13 %. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person ist um 10 % von 42,5 auf 47 Quadratmeter gestiegen, wobei sie in den großen Städten und insbesondere Berlin lange nicht so schnell steigt.

Das heißt entweder Wohnen ist von 2009 bis 2019 einfach doppelt so toll geworden und alle Mieter in Berlin haben jetzt eine Dachterrasse, vergoldete Wasserhähne und Marmorbäder, oder da haben Investoren einen Selbstbedienungsladen gefunden, weil alle in die Städte wollten.

Eindeutig ist übrigens, dass der Mietpreisdeckel, anders übrigens als die schnuckelige Mietpreisbremse funktioniert hat. Die Mietpreise in Berlin sind zuletzt kaum mehr gestiegen.

Jetzt kommen natürlich all die Jünger des ewigen Wachstums aus ihren Homeoffices, die rufen: „Das einzige was gegen Mietpreissteigerungen hilft ist bauen, bauen, bauen!“

Aber ist das so? Hamburg baut so schnell es kann, die Mietpreise steigen hier langsamer, aber insgesamt immer noch ordentlich explosiv. Ich war da und bin nicht umsonst rausgezogen, mir fehlte die Begeisterung die Hälfte der Zeit für die Miete zu arbeiten.

Wer derzeit in Hamburg unterwegs ist, weiß: Halb Hamburg ist eine Baustelle, am Anfang ist immer von Sozialwohnungen die Rede, die dann doch häufig Stadtvillen werden, aber sicher ist stets: Am Ende ist noch ein Stück versiegelt, ist noch ein Hinterhof verbaut, ist noch ein Baum gefallen, ist noch ein Freiraum verloren, ist noch mehr Platz für „einfache“ Leute und Künstler weginvestiert.

Es gibt also zwei Varianten des FRISS ODER STIRB!

– Bau nicht schnell genug und schau zu wie die Mieten explodieren, Superreiche die Reichen verdrängen, Reiche die Wohlhabenden verdrängen, Wohlhabende die Armen verdrängen. Modellstadt hierfür: London. Am Ende steht ein verödeter Stadtraum.

– Bau so schnell du kannst und schau zu wie die Mieten etwas langsamer explodieren, alle Freiräume zugebaut werden, die Lebensqualität der Stadt sinkt, die Luftqualität abnimmt und die Erhitzung im Sommer zunimmt und trotzdem auf mittlere Sicht Superreiche die Reichen verdrängen, Reiche….Am Ende steht ein verödeter, zugebauter Stadtraum.

Wenn das die zwei Varianten sind, was ist dann die dritte, von der keiner redet?

Nun die Variante ist, dass die Politik sich endlich nicht mehr der anscheinend unaufhaltbaren Logik der Wirtschaft am Selbstbedienungsbuffet ergibt, sondern die Wirtschaft zähmt und in den Nutzen der Menschen stellt. Klar brauchen wir eine gesunde Wirtschaft. Aber wir brauchen auch gesunde Menschen und einen Planeten.

Nun werden die Jünger des ewigen Wachstums mit ihren Perlen klimpern und sagen: Aber die Prozesse kehren sich auch wieder um, die Menschen wollen wegen Corona aufs Land.

Ja. Aber dadurch wird nichts besser. An allen schönen Orten, am Meer, an der Schlei, an den Bergen, kämpfen die Orte damit, dass reiche Städter die Einheimischen in hässliche Neubauviertel auf der grünen Wiese verdrängen. Sobald ein Haus frei wird, kaufts ein Investor aus der Stadt und entzieht den Raum der Allgemeinheit, um da 2mal im Jahr ein paar Wochen zu wohnen. Und den Rest der Zeit ist Leerstand, während die lokalen Geschäfte Pleite gehen weil außerhalb der Saison keiner mehr da seine Brötchen verdient oder Brötchen verkauft.

Ich wohnte mal am Schlump. Sehr zentral in Hamburg. Nachverdichtet im Innenhof. Längere Geschichte. Jedenfalls über uns eine schicke Bude mit Dachterrasse. Gemietet von einem Pärchen, die da zweimal im Jahr für ne Woche waren. Sie hatten eine Wohnung in Berlin, eine in München und eine in Hamburg. Bei uns waren sie nur im Urlaub und zum Sex. Was kaum zu überhören war. Und die Wohnung? War wirklich schön. Und schön leer. Bis sie sich wohl getrennt haben und jemand anders einzog. Es gibt kein Ende für Gier und Habenwollen. Wer zwei Ferienwohnungen hat kann immer noch drei haben wollen. Oder vier.

Daher: Auf Dauer werden wir um viel mehr Deckel oder einen grundsätzlichen Umbau des Wirtschaftssystems nicht herum kommen. Es gibt keine Alternative dazu. Wenn die Wirtschaft nicht für die Menschen arbeitet, für wen arbeitet sie dann? Wer sich dem unvermeidlichen Wachstum opfert, opfert sich. Und die Anderen gleich mit.

Und kommt mir nicht mit: „Veränderung gehört zum Leben! Da muss man mit!“

Ja. eben! Und deshalb sollten wir mal was ändern, damit sich nicht immer alles zum beschissenen ändert. Ich muss mir täglich Gedanken machen, ob eine Künstliche Intelligenz morgen meinen Job übernimmt, da will ich mich wenigstens nicht auch noch fragen müssen, ob ich meine Bude morgen noch bezahlen kann.

Lustig finde ich auch wenn flehentlich gesagt wird: „Wir sollten jetzt keinen Klassenkampf beginnen!“ Nun, der Klassenkampf läuft doch längst. Nur wurde er von Superreichen und Reichen angefangen, die dem Rest der Bevölkerung die Mittel entziehen. Denn deine überhöhte Miete bezahlt die dritte Nobel-Ferienwohnung des Investors. Oder zumindest den goldenen Wasserhahn.

Und diese Problem kann nur aktive Politik lösen und keine Erfüllungsgehilfen des Monsters am Selbstbedienungsbuffet von CDU und FDP.

Euer Captain Futura.

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Und hier die Quellen zu meinem Beitrag:

https://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-verfassungsgerichtshof-cdu-und-fdp-klagen-gegen-mietendeckel/25857444.html

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/167163/umfrage/mietentwicklung-in-den-deutschen-grossstaedten/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2861/umfrage/entwicklung-der-gesamtbevoelkerung-deutschlands/

https://www.finanz-tools.de/inflationsrechner-preissteigerung

Klicke, um auf ibb_wohnungsmarktbericht_2020.pdf zuzugreifen

https://www.berlinhyp.de/de/media/newsroom/berlin-hyp-trendbarometer-wohnfl%C3%A4chenbedarf-pro-person-steigt-mobiles-arbeiten-befeuert-zuzug-ins-umland-anspr%C3%BCche-an-infrastruktur-steigen

Merkel: The Power of Teflon.

Ich weiß ich mache mich jetzt hart unbeliebt. Aber es muss raus. Ich finds ja schön, wie jetzt alle Merkel für ihre Fehlerkultur feiern. Und Andi B. Scheuert. Und überhaupt. Und da sieht man mal wieder: Frauen sind besser in der Politik, die können wenigstens Fehler eingestehen.
Und tatsächlich, das mit dem Fehlereingeständnis, ich finde das positiv. Ich mag auch vieles an Merkels Art und ich finde das in letzter Zeit viele Frauen als Präsidenten eine gute Figur gemacht haben, während so einige Männer in ihrer breitbeinigen Art eine sehr traurige abgegeben haben.
ABER, ich finds auch faszinierend, wie an Merkel seit Anbeginn aller Regierungstage jegliche negativen Folgen des Regierungshandelns oder gerade des RegierungsNICHThandelns abperlen, als wäre sie mit Teflon beschichtet. Bei aller Liebe: Merkel ist Kanzlerin. Vielleicht darf man daran erinnern. Sie ist keine Präsidentin oder Grüßangela. Es wäre IHR Job durchzugreifen, sie hätte sich LÄNGST mit aller Energie dafür einsetzen können, dass Andi B. Scheuert gefeuert wird! Sie hätte es sogar müssen!
Merkel hat Spahn mehrfach sehr geschickt ins Masken und Schnelltestdesaster laufen lassen. Und immer wenns um die gebrochenen Versprechen ging, war sie zufällig nicht im Raum. Merkel wollte damals mit Kirchhoffs Bierdeckelsteuerreform den Neoliberalismus auf die Spitze treiben. Merkel hat damals den recht kompetenten Atomkompromiss zum Ausstieg aus der Kernkraft von den Grünen ohne Not und wider besseres Wissen rückgängig gemacht! Dann kam Fukushima und sie hat einen neuen, deutlich ungeschickteren Atomkompromiss zusammengeschustert, der kaum gerichtsfest war. Merkel hat Asse und Gorleben viel zu lange weiterlaufen lassen.
Merkel hat sich als Klimakanzlerin inszeniert, aber nichts fürs Klima getan und später die Erneuerbaren Energien abgefrühstückt und von ihren Ministern die Photovoltaik brutal abwürgen zu lassen. Merkel hat sich als Europäerin inszeniert, aber niemals eine Vision für Europa entwickelt und keine Anstalten gemacht Orban und co. zu stoppen oder wenigstens den Geldhahn zuzudrehen. Merkel hat die Digitalisierung verpennt und keinen Druck gemacht, um die Stromnetze für die Zukunft fit zu machen. Mutti Merkel hat alles Konkurrenten auf legendär geschickte Art kaltgestellt, da wirkte sie plötzlich gar nicht mal so muttimäßig.
Merkel regiert Deutschland seit 16 Jahren und Deutschland ist in der Zeit konsequent abgerutscht. In Klimaschutz, in Natur- und Umweltschutz, in sozialer Gerechtigkeit, im Bildungsbereich, Digitalisierung, Zukunftstechnologien, die Verkehrswende kommt nicht in die Pötte, die Bahn ist in desaströsem Zustand.
Manchmal hab ich das Gefühl als wäre halb Deutschland geblitzdingst und hätte komplett vergessen was Merkel in den 16 Jahren (nicht) getan hat. Ach die war Kanzlerin?
Denn sie war immer gemütlich dabei, wirkte irgendwie authentisch und vertrauenswürdig und klar kann man behaupten: „Aber die CDU! Mit jeder oder jedem anderen in der CDU wäre es noch schlimmer geworden!“ Ja aber deswegen muss ich Merkel jetzt gut finden? Und dann hätte es vielleicht eine Gegenreaktion gegeben und dann mal rechtzeitig eine Regierung ohne die CDU.
Also sorry, es tut mir leid, aber wenn jemand 16 Jahre Kanzlerin ist, dann erwarte ich mehr. Dann reicht mir eine moralisch halbwegs integre Persönlichkeit nicht. Dann erwarte ich ganz stumpf sowas wie gute Ergebnisse. Ansonsten steht auf dem Zeugnis: „Sie hat sich stets ehrlich bemüht.“
Das finde ich dann menschlich sympathisch aber diese Merkel-gibt-Fehler-zu-Feierstunde kann ich trotzdem bei bestem Willen nicht verstehen. Sorry.

Die Trickle-Down Legende

Es gibt ja diese Legenden, die sich wider besseres Wissen ewig halten. der angebliche „Trickle-down-effekt“ ist so eine. Er besagt ganz kurz, dass wachsender Wohlstand der Reichen über Konsum und Investitionen zu den unteren Gesellschaftsschichten durchsickert.

Selbst ein Paul Krugman, der freien Markt (mit schützenden Staatseingriff) grundsätzlich positiv findet, sagte schon 2008: „Wir warten auf diesen Trickle-down-Effekt nun seit 30 Jahren – vergeblich.“

Trotzdem ist die Idee nicht tot zu kriegen, dabei beweist nicht zuletzt die Coronakrise in der ganze Länder und Gesellschaftsschichten verarmen, während Jeff Bezos, Elon Musk und co. Rekordeinkünfte erzielen, dass es sich um eine Legende ohne Wahrheitsgehalt handelt.

Dabei kann die Trickle-Down-These bereits theoretisch sehr einfach widerlegt werden.

Geld bedeutet Einfluss. Und Einfluss führt zu Geld. Nicht immer so schmutzig und plump wie beim Maskenskandal der Union, wo es fast mustergültig zu beobachten ist – aber während bei der Wahl jeder eine Stimme hat, ist in der Wirtschaft jeder Euro eine Stimme. Denn jeder Euro wird potentiell zu Lobbyismus, der die Rahmenbedingungen nach dem Wunsch des Besitzenden gestaltet. Und daher haben dann einige wenige Milliarden von Stimmen, während Milliarden keine Stimme haben.

Damit der Besitzende seine Besitztümer anhäufen kann, ist er auf die Arbeit der Anderen angewiesen. Hier scheint nun der Ansatzpunkt für den Trickle-Down-Effekt zu sein, weil eine gegenseitige Abhängigkeit entsteht.

Aber weil Geld gleich Einfluss ist, ist es ein Spiel mit gezinkten Karten und ungleicher Machtverteilung. Gefallen dem Milliardär die Spielregeln nicht, verändert er sie mit Lobbyismus oder umgeht sie mit einer Heerschar von Rechtsanwälten.

Dazu kommen drei wichtige Schritte, die die Abhängigkeit immer weiter entkoppelt haben:

– Industrialisierung
– Globalisierung
– Digitalisierung

Vor der Industrialisierung hatte z.B. ein Schuster Fertigkeiten, die ihm exklusiv gehörten und die seine Verhandlungsmasse waren.

Nach der Industrialisierung war er Teil eines standardisierten Prozesses und jederzeit austauschbar.

……

Vor der Globalisierung konnten sich Arbeiter und Angestellte mit gleicher Kultur und Sprache organisieren und den Arbeitskampf als Verhandlungsmasse nutzen.

Nach der Globallsierung standen sie plötzlich in Konkurrenz zu Arbeitskräften auf der ganzen Welt und waren jederzeit austauschbar, wenn sie zuviel Ärger machten, oder mehr Geld wollten.

……

Vor der Digitalisierung hatten Arbeiter und Angestellte Wissen, das ihnen exklusiv gehörten.

Nach der Digitalisierung sind sie wie z.B. als Lieferando-Fahrer nur noch bloße Drohnen, die appgesteuert einzelne Aufgaben erfüllen und im nächsten Schritt durch Roboter und KI ersetzt werden können.

Und Roboter und KI sind letztlich der letzte Schritt zur endgültigen Monopolisierung von Macht. Spätestens dann funktionieren die unteren Schichten nur mehr als Konsumenten in vollständiger Abhängigkeit von einigen Firmenlenkern.

…..

Jetzt muss man noch ergänzen, dass Gier per Definition kein Ende kennt. Etwas, das Jeff Bezos und diverse Autokraten wie Putin oder Erdogan in ihren goldenen Palästen mit hunderten Zimmern und Swimming-Pools eindeutig beweisen. Superreich kann immer noch super reicher sein.

Die Folge davon ist, Werte werden dem Nutzen für die Allgemeinheit entzogen und bilden tote, ungenutzte Materie, die niemandem Freude bringt aber durch die Zerstörung bei der Erzeugung vielen Millionen Menschen Leid.

So sind in New York in den Wolkenkratzern inzwischen ganze Stockwerke von superreichen Saudis gekauft, die hier einmal im Jahr mit dem Helikopter für ein paar Tage einfliegen. In der restlichen Zeit liegen die Flächen brach und bleiben ungenutzt während der Verdrängungseffekt letztlich bis zu den Obdachlosen in den Straßen reicht.

…..

Wenn aber der Trickle-Down-Effekt eine Lüge ist, dann bedeutet das, dass wir Gesellschaften in Zukunft komplett neu denken müssen. Denn wir können Digitalisierung und KI nicht aufhalten aber wir können die Gesellschaft darauf vorbereiten. Vielleicht über ein anderes Steuersystem. Digitalsteuer. Über Grundeinkommen. Über Ideen, die hoffentlich noch kommen werden.

Sicher ist aber: Unser derzeitiges System ist bei den sich ändernden Rahmenbedingungen nicht geeignet um Wohlstand für alle zu gewährleisten. Sogar ganz im Gegenteil. Es führt zu monströsem Reichtum Einzelner und Milliarden in Armut und Abhängigkeit.

Und Trickle-Down ist eine bloße Legende.

Euer Captain Futura.

….
P.S. Falls ihr wie ich davon überzeugt seid, dass Menschen besser sein können und dass Solidarität kein leeres Wort ist könnt ihr meine unbezahlte Arbeit unterstützen. Aber nur wenn ihr Geld über habt!

Ich hab ein unterhaltsames Buch gemacht:
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Danke!

Don’t let the Games Stop!

Es ist ja schon faszinierend. 2008 haben wir eine riesige Finanzkrise, die große Teile der Realwirtschaft mit in die Tiefe reißt. Und schon ein paar Jahre später zocken Hedgefonds und co. schon wieder völlig ungeniert, weitestgehend unreguliert und häufig und gerne auf Kosten der Kleinaktionäre und Pensionen.
Banken schöpfen Geld aus dem Nichts, das Finanzsystem ist durch die Gelddruckmaschine völlig aufgebläht und mitten in der Coronakrise steigen die Aktienkurse immer weiter und weiter weil das ganze Geld halt irgendwo hin muss.

Das hat alles mit Realwirtschaft soviel zu tun wie ein Future-Stock-Short* mit dem Brötchen vom Bäcker um die Ecke aber alle sind damit okay bis….ein Haufen Kleinaktionäre im Internet beschließt die Hedgefonds mit ihren eigenen Waffen zu schlagen.

Sie treiben die Kurse bei Gamestop (und anderen Aktien) künstlich hoch und sorgen so dafür, dass Zocker-Hedgefonds die auf sinkende Kurse gesetzt haben, teuer nachkaufen müssen, um ihre Positionen zu räumen. Diese verlieren daraufhin Milliarden an die Kleinanleger, rutschen fast in die Pleite, müssen von anderen Hedgefonds gerettet werden und….heulen und rennen zu Mami und schreien nach REGULIERUNG. Also natürlich nur für die Kleinanleger. Nicht etwa für Hedgefonds. Denn sie wollen doch bitte weiter völlig ungestört Kleinanleger ausnehmen können und mittelständische Firmen für eine Line Koks einmal um den Laptop rum ruinieren.

Und das wichtigste, plötzlich steht in der Presse, dass diese Kurse ja nicht von der REALwirtschaft gedeckt wären. Und das ist dann wirklich REALsatire. Denn das hätte einem halt schon vor circa 40 Jahren auffallen können, aber spätestens 2008. Nur mal ein Beispiel: Tesla ist heute an der Börse mehr wert als alle relevanten Autokonzerne der Welt ZUSAMMEN. Als würden VW, BMW, Mercedes, Hyundai, Renault und co. die nicht inzwischen auch Elektroautos bauen. In den meisten Börsenkursen ist inzwischen soviel Phantasie, da ist die Realität im besten Falle noch homöopathisch.

Schön, dass das jetzt mal auffällt.

Ich hoffe der Gamestop-Schwarm nimmt noch einige Hedgefonds erfolgreich aus. Einfach so als Anschauungsobjekt. Und für dieses wundervoll befriedigende Gefühl sanfter Gehässigkeit. Und damit sich vielleicht mal was ändert.

Ich sag mal so: Wenn du als Hedgefondsmanager gegen einen Haufen Kleinaktionäre Milliarden verlierst, frag doch mal bei der Bäckerei um die Ecke ob sie noch nen Job für dich haben!

Dann verdienst du deine Brötchen endlich mal ehrlich und vielleicht reichts einmal im Jahr sogar für ein bisschen mit Mehl gestrecktes Koks.

Don’t let the Games stop.
Euer Captain Futura.

P.S. Der Slogan von Gamestop ist „Power to the Players“. Schöner wirds nicht.

* Ich bin nicht mal sicher ob es Future-Stock-Shorts gibt, ob man das so nennt, oder was das ist. Wüsstet ihr es? Und ist genau das nicht ein Teil des Problems?

Tür 18: Futurakalender – Fast Fashion, wer macht den Gewinn?

Die Adidas-Aktie ist nahe am Allzeithoch, denn der Verkauf läuft trotz Corona gut – oder wegen, weil wir alle im Homeoffice rumgammeln und da trägt man nun mal eher leger…

…wer davon aber kaum profitiert sind die Arbeiterinnen. Die haben in der Coronakrise teilweise kaum genug zu essen. Denn immer noch is gerade die globalisierte Modeindustrie und Fast-Fashion einer der schlimmsten Ausbeuter weltweit von Mensch- und Natur.

Adidas ist dabei hier nur stellvertretend für die Branche. Tatsächlich ist Adidas selber sogar im Rahmen seiner Branche halbwegs okay. Es gibt zarte Ansätze der Zustimmung zu einem überfälligen Lieferkettengesetz und man achtet zunehmend auf gewissen Mindeststandards. Dies liegt natürlich vor allem daran, das Adidas viel zu verlieren hat und es sich erlauben kann.

Denn Adidas hat 2019 einen Milliardengewinn eingefahren. Trotzdem hat es 2020 zu Beginn der Coronakrise spontan keine Miete mehr für seine Stores gezahlt und erst ein gigantischer Shitstorm hat es zum Umdenken gezwungen.

Unternehmen sehen eben nur, was sie sehen wollen oder wozu sie gezwungen werden zu sehen. Und bisher funktionieren die Lieferketten wie stille Post: Egal was am Anfang war, der am Ende weiß von nix. Und während mancher Hersteller seine Hände in Blut badet – wäscht der Rest seine Hände in Unschuld.

Daher ist ein Lieferkettengesetz mehr als überfällig. Und es steht zu hoffen, dass Altmaier und die Lobby sich nicht durchsetzen (Warum eigentlich muss ich hier beinahe wöchentlich über ein weiteres Altmaier-Lobbydesaster schreiben?) Wer dabei mithelfen möchte das nicht der nächste zahnlose Papiertiger entsteht hat hier einen Link:

https://lieferkettengesetz.de/aktuelles/

Und ansonsten wählt dieses Altmaier, der gerade die Zukunft Deutschlands ruiniert und das Sprichwort „des Wahnsinns fette Beute“ ganz neu definiert – endlich ab wenn nächstes Jahr Wahl ist.

Viel nachhaltige und bezahlbare Fashion findet ihr hier unter „Klamotten“ – meine Empfehlung für Basics „Grundstoff“: https://www.captain-futura.de/2020/03/17/liste-von-200x-onlineshops-die-nicht-amazon-sind/

Danke und schönes Wochenende und wenn ihr euch gerade mal schlecht fühlt schaut einfach eure Adidas-Sneaker an und denkt einfach daran wie es jetzt wäre Näherin in Bangladesh zu sein. Wir leben hier in Deutschland größtenteils auf der Sonnenseite des Lebens.

Euer Captain Futura

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/textilbranche-in-der-corona-pandemie-naeherinnen-hungern-17102357.html

https://fashionunited.de/nachrichten/business/indonesien-beschwerdeverfahren-gegen-adidas-eingestellt-arbeiter-leidtragende/2020050435496

https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-01/adidas-kambodscha-produktion-textilindustrie-menschenrechte-eu-kommission/seite-2

Tür 14: Futurakalender – Empörungsjahreszyklus 2020

Worüber haben wir uns 2020 empört?

Tür 13: Futurakalender – Kleinstadtzentrum

Ab Mittwoch soll nun auch der der Einzelhandel in den Lockdown. Damit ihr für das Danach vorbereitet seid, hier eine typische Einkaufsstraße aus einer Kleinstadt. So werden die Einkaufsstraßen vermutlich bald alle aussehen. Nun bin ich grundsätzlich der Ansicht, dass weniger unnötiger Konsum uns allen gut tun würde (und dem Planeten eh) leider wird sich der Konsum aber vermutlich einfach nur verlagern. Meistens zu Amazon.

Damit das nicht ganz so schlimm wird, hab ich schon im ersten Lockdown eine kleine Liste mit 200 Online-Shops gemacht, die nicht Amazon sind. Alle nur einen Klick entfernt und viele nachhaltig. Korrigiert und ergänzt vom großartigen Markus durch eine regionale Göttingen-Liste:
https://www.captain-futura.de/2020/03/17/liste-von-200x-onlineshops-die-nicht-amazon-sind/

Fühlt euch inspiriert für eigene Listen, schickt mir gerne weitere Shops!

Euer Captain Futura

P.S. Wenn ihr noch ein Weihnachtsgeschenk braucht: Alle Grafiken auch im Buch: „Grafiken für eine bessere Welt“ – https://www.m-vg.de/yes/shop/article/20212-grafiken-fuer-eine-bessere-welt/

Tür 12: Futurakalender – Der Markt regelt das!

Futurakalender Tag 2xNikolaus: Eine der beliebtesten Mythen der modernen Welt, man möchte fast sagen Gottheiten, ist „der Markt“ der wie von Geisterhand alles regelt. Und es stimmt. Rauchen in der Schwangerschaft z.B. ist heute weitgehend verpönt, ohne dass der Staat es verbieten musste.

Leider ist da die Auflistung schon so gut wie zu Ende. Denn wenn man ansonsten mal genauer hinschaut, könnte einem auffallen, dass vieles was unser Leben heute länger, gesünder und weniger gefährlich macht, dieser angeblich so schreckliche Verbotsstaat war. Ginge es nach dem Markt würden wir heute noch Bremsbeläge aus Asbest benutzen, Heroin als Hustensaft verkaufen (kein Scherz, hat vermutlich auch geholfen, zumindest war einem Husten damit egal), unangeschnallt besoffen Kinder zur Schule fahren und großflächig „total praktisches“ DDT verprühen.

Daher ist Vorsicht angebracht, wenn mal wieder eine Initiative der Wirtschaft überzeugt ist, dass „der Markt“ schon alles alleine regelt und man ohne den verbotenen Stoff UNMÖGLICH auskommen könnte, dass dann womöglich die Landwirtschaft zusammenbräche, wir keine Autos mehr hätten und alle nix zu essen…

Denn am Ende unterschätzen die Marktbefürworter hier den Markt (was ein interessanter Widersinn in sich ist) Denn der Markt findet natürlich Wege, den verbotenen Stoff zu ersetzen. Innovation kann der Markt. Nur an den Menschen und seine Unversehrtheit denken kann er nicht. Dem Markt ist Mensch egal. Dafür brauche es Demokratie, einen entschiedenen Staat und NGOs die Druck machen. Und dann sind am Ende staatliche Verbote und ein innovativer Markt gemeinsam Treiber für ein besseres und gesünderes Leben.

Man kann daher zusammenfassen: Wer Angst vor sinnvollen Verboten hat, ist vielleicht einfach nur denkfaul, geldgierig und ideenlos. Und Klimawandel, Artensterben, Verkehrswende? Der Weg führt über einen entschiedenen Staat und innovationsfördernde Verbote.

Tür 11: Futurakalender – Gut in Worten

Nach dem Rassismuseklat um das Champions-League Spiel zwischen Paris und Basaksehir von mir ein paar systematische Worte dazu. Der Streit tobt ja nun im Nachhinein darum, was der vierte Offizielle genau gesagt hat. Er verteidigt sich damit, dass er „Negru“ gesagt hätte, also das rumänische Wort für „schwarz“. Aber wäre das besser oder genau so eine Beleidigung und wie lässt sich das logisch einordnen?

Stellen wir uns eine abstrakte Gesellschaft vor, aus insgesamt 100 Menschen. 99 davon weiß, eine Person schwarz. Nun kommen hauptsächlich zwei Effekte zum Tragen: Unsere Differenzwahrnehmung und unsere Automatik bei der Bewertung von Gesichtern. Letztlich ist es kurz gesagt so, dass wir auf die Wahrnehmung von Unterschieden ausgelegt sind. Denn blöd gesagt: Unterschiede machen den Unterschied zwischen Leben und Tod. Dinge, die gleich bleiben sind erst einmal uninteressant, da hier ja wahrnehmbar nichts passiert. Sie können weder zum Vorteil genutzt werden, noch zum Nachteil sein. Aber wenn sich etwas verändert, oder etwas anders aussieht greift unsere Differenzwahrnehmung und sagt: „Schau hin, da ist was anders, das solltest du überprüfen“

Nun kann man in einem Meer aus 99 weißen Menschen unmöglich einen schwarzen NICHT wahrnehmen. Der äußerliche Unterschied ist zu auffällig. Es werden also Augen hängen bleiben und Köpfe drehen. Das ist zu großen Teilen ein instinktiver Prozess, der kaum abstellbar ist.

Da keiner der Weißen für die anderen eine Differenz darstellt, wird es auch keinem von diesen auffallen. Dem einen schwarzen Menschen, dagegen wird es bei 99 Weißen, die ihn als Differenz wahrnehmen STÄNDIG auffallen.

Jetzt kommt ein weiteres Problem zum Tragen: Wir finden erst einmal ohne Erfahrungswerte Menschen vertrauenswürdig, die uns ähnlich sehen. Das schleift sich mit der Zeit ab. Aber: Wir lernen (sofern wir halbwegs gesund aufwachsen) uns selbst zu trauen, trauen unser engen Familie und Freunden, bei Unvertrautem fremdeln wir dagegen auch als Erwachsene – zumindest bis eine Gewöhnung einsetzt. Das passiert aber auch in Jobgesprächen. Bei Wohnungsbesichtigungen. Bei Geschäften.

Folge wieder für 99 Weiße kaum wahrnehmbar, für den einen schwarzen Menschen dagegen STÄNDIG Teil seiner Erfahrung.

Er wird im Mittel schlechter verdienen, er bekommt schlechter eine Wohnung und ihm wird bei Geschäften nicht so sehr vertraut. Er kann sich aber natürlich über die Zeit eine persönliche Vertrauensbasis mit vielen Menschen aufbauen, bis er nicht mehr als different sondern vertraut wahrgenommen wird.

Trotzdem kann man sich vorstellen: Das kann sehr ätzend und sehr anstrengend sein.

Kommen wir damit zu den Worten. Wenn es um Mohr oder N**** geht ist die Lage eindeutig. Es sind Worte, die ursprünglich das „Fremde“ beschreiben sollten aber inzwischen durch Kolonialzeit und Nazizeit so belastet und vergiftet sind, dass ihr Verwendung nicht sinnvoll begründbar ist.

Was ist nun mit „farbig“ oder „schwarz“. Zu „farbig“ möchte ich einwenden, dass die Blue-Man-Group bei ihren Auftritten durchaus „farbig“ ist, aber normale Menschen nicht blau oder lila angemalt sondern in Schattierungen von hell bis dunkel kommen. Und wenn schon farbig, sind fast eher „weiße“ rosa bis rot (Je nach Grad des Sonnenbrandes) – mithin eigentlich farbiger. „Schwarz“ wiederum ist auch irgendwie als Sammelbegriff für alles jenseits von weiß eher unglücklich. Beide Begriffe sind aber immerhin wie analog „weiß“ – was ja letztlich genauso unexakt ist – immerhin sehr nüchtern beschreibend.

Warum können trotzdem beide Begriffe ein Problem sein?

Nun, kommen wir wieder zu unserem Beispiel. Wenn dir von einer Person am Tag gesagt wird, dass du „weiß“ bist ist das kein Problem. Wenn dir von 99 Personen am Tag mitgeteilt wird, dass du „schwarz“ bist – wird dir permanent gespiegelt, dass du „anders“ bist. Der Leidensdruck ist also ein ganz anderer. Zudem sind „schwarz“ und „weiß“ häufig Ausdruck von gedanklicher Trägheit. Es wird jemand unnötig als „schwarz“ bezeichnet, der in dieser Situation z.B. einem Bewerbungsgespräch viel klüger abzugrenzen wäre. Zum Beispiel mit: „Der Bewerber, der einen Doktor gemacht hat.“ Dies kann man sehr wahrscheinlich auch für das Champions-League-Spiel annehmen – wo der vierte Offizielle mit etwas Einfühlungsvermögen und einen Hauch Nachdenken sicher einen bessere und passendere Beschreibung der angesprochenen Person gefunden hätte. Oder vielleicht ganz drauf verzichtet. Er war also nicht aggressiv rassistisch aber quasi passiv unnötig rassistisch – indem er sich keine Gedanken über die Wirkung seiner Aussage auf den Angesprochenen gemacht hat.

Weil wir aber denkfaul sind und jederzeit klare Regeln haben wollen – die es in etwas so lebendigem und kontextabhängigem wie Sprache NIEMALS geben kann ist unsere derzeitige Lösung dieses Dilemmas die Flucht in das Wortdomino. Ein Wort nach dem anderen wird verpönt und soll aus dem Wortschatz gestrichen werden, wobei die Konstrukte irgendwie nicht glücklicher werden. Afroeuropäer z.B. stellt die Herkunft raus – und ich hatte ja immer die Hoffnung, dass wir uns in einer zukünftigen Welt endlich WENIGER über unsere Herkunft definieren. Denn Herkunft war immer eines der übelsten Einfallstore für Abgrenzung und Kriege. Zudem, woher soll ich nun wissen, ob ich wirklich eine afrikanische Herkunft annehmen kann, wo vielleicht eine indische vorliegt? Und es wird wieder einseitig bei dunkelhäutigen Personen eine fremde Herkunft angenommen obwohl wir ALLE letztlich Afroeuropäer sind (Der Mensch ist immer noch in Afrika entstanden) und z.B. ein Teil meiner entfernten Herkunft in Osteuropa liegt. Da müsste ich ja eigentlich Osteuropadeutscher heißen.

Also gehts weiter mit People of colour, was ja irgendwie auch nur „farbig“ auf englisch ist, was sich mir daher wenig erschließt und dann schließlich BPOC oder BIPoC. Also: Black-People-of-Colour bzw. Black-Indigenous-People-of-Colour. Und das heißt nun auch wieder nur Schwarz-(eingeboren)- Farbige. Aber auf englisch und abgekürzt. Das ist semantisch eigentlich auch wieder nur alter Wein in neuen Schläuchen und ich finds komisch wenn ich auf deutsch nur Dinge in einer anderen Sprache „unrassistisch“ ausdrücken kann. Da muss ich sagen verlierts mich. Das KANN nicht sein. Es muss möglich sein in meiner Sprache zu bleiben und trotzdem nicht als Rassist zu gelten. Zudem kann ein Rassist wiederum auch BiPOC als üble rassistische Beleidigung nutzen. Er muss den Kontext nur entsprechend setzen. Und wäre er dann oberflächlich „nicht rassistisch“ weil er ja das „richtige“ Wort gesagt hat. Aber bin ich rassistisch wenn ich sage, dass „schwarze“ mehr wirtschaftliche Teilhabe brauchen? Weil ich das falsche Wort nutze? Das Problem ist also nur scheinbar beseitigt.

Kommen wir daher wieder zum Ursprungsproblem. Das ist:

1. Die unnötige und undurchdachte Benutzung von Begriffen wie „schwarz“ oder „weiß“.

2. Die wirtschaftlichen Nachteile, daraus als „anders“ wahrgenommen zu werden.

Daher schließen sich für mich zwei Dinge:

1. Relevant ist der Kontext. Es gibt Kontexte in denen „schwarz“, „farbig“ oder „weiß“ Sinn macht, z.B. in Gefahrensituationen oder beim Arzt – in vielen sind sie aber ein Ausdruck gedanklicher Trägheit und mangelndem Einfühlungsvermögen. Dies können wir auch mit Begriffswechseln nicht ändern, wir machens nur komplizierter.

2. Wenn „schwarze“ / „farbige“ / BPOC endlich wirtschaftlich besser gestellt werden und in den Hierarchien aufsteigen können – dann kommen sie auch in die Position über andere mitzuentscheiden. Z.B. beim Einstellungsgespräch und dann erledigt sich das Grundproblem zunehmend. Es setzt Gewöhnung ein, die Hautfarbe wird immer unwichtiger und taugt offensichtlich nicht als Abgrenzung.

Daher ist für mich recht eindeutig: Wir müssen keine einzelnen beschreibenden! Worte verdammen – aber der unsinnige Gebrauch außerhalb eines sinnvollen Kontexts gehört durchaus verpönt.

Und wir brauchen endlich mehr anonyme Bewerbungsverfahren und ein strikteres Reglement bei Wohnungsvergaben etc. Wir brauchen also ganz praktische Verbesserungen. Schlicht: Mehr Geld. Mehr Einfluss. Gerade neuere Studien haben wieder gezeigt, dass der „andere“ Name und die „andere“ Hautfarbe bedeutet: Dass man weniger verdient, schlechter ein Wohnung bekommt und sehr viel häufiger im Job überqualifiziert ist.

Um zum Ausgangsbeispiel zu kommen: Deutschland ist und war immer und jederzeit ein Vielvölkerstaat. Wir sind ja längst ethnisch viel gemischter als häufig behauptet und in meinem abstrakten Beispiel. Dabei ist wirtschaftliche Teilhabe der verschiedenen Gruppen der Weg, um sich einen fairen Platz und Anteil SELBST zu erkämpfen. Und sich selbst als Spieler und nicht als Gespielter wahrnehmen zu können. Wir brauchen neue Normalitäten. Das ist harte Arbeit und braucht Sensibilität und Mut auf allen Seiten, ist aber für mich der einzig gangbare Weg.

Denn die ständige, erregte Diskussion um die „jetzt-aber-wirklich-korrekte“ Bezeichnung bei gleichzeitig wirtschaftlichen Kleinhalten wird die Lage nicht verbessern und wir werden uns bei den Diskussionen vermutlich ewig im Kreis drehen.

Daher: Black Chances Matter!

Tür 7: Futurakalender – wie nachhaltig Deutschland ist

Futura-Adventskalender Tag 7: 2017 summierten sich die Ausgaben für Umweltschutz von Bund, Unternehmen und privaten Haushalten auf 70,4 Milliarden. Das wirkt so lange eindrucksvoll, bis man es in Relation zu dem größtenteils umweltschädigend erreichten Bruttosozialprodukt von 3657 Milliarden im selben Jahr setzt.

Die traurige Realität ist, dass letztlich nur 2 Prozent der Wirtschaftsleistung dafür eingesetzt werden, die Schäden aus der nicht nachhaltigen Wirtschaftskraft Deutschlands oberflächlich zu beheben. Die Sozialausgaben dagegen summieren sich immerhin fast auf eine Billion. Die Nachhaltigkeit steht in Deutschland also auch 2020 nur auf zwei Säulen, die tragfähig genug sind, während die Ökologie als dritte Säule vernachlässig wird. Im derzeitigen Regierungshandeln ist zudem keine Änderung absehbar.

Ohne einen gesunden Planeten wird unsere Zivilisation auf Dauer nicht überleben können, das zeigt sich deutlich beim Klimawandel. Und mit dem Planeten geraten auch Wirtschaft und Soziales in Schieflage, bis das ganze Gebäude in sich zusammenfällt. Die Konsequenzen des Klimawandels zeigen sich längst in Waldsterben und Dürren, Hitzewellen und Starkregenereignisse verursachen Milliardenschäden.

Die Folgekosten unseres derzeitigen Wirtschaftens für heutige und folgende Generationen sind absehbar gigantisch und es gilt längst: It’s the economy that’s stupid!

So sehr wir auch an Details Symptombehandlung betreiben, Abwässer und Abgase reinigen und versuchen, uns mit Ablasshandel ein gutes Gewissen zu verschaffen: Ein System, das auf Raubbau an der Natur und ewigem Wachstum basiert, ist auf Dauer nicht tragfähig. Die Zeit für Symptombehandlung ist längst vorbei, wir brauchen ein neues sozial-ökologisches Haus und zwar besser heute als morgen.
https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Umwelt/Umweltschutzmassnahmen/_inhalt.html

komplette Quellen und Grafik im Buch „Grafiken für eine bessere Welt“ – https://www.m-vg.de/yes/shop/article/20212-grafiken-fuer-eine-bessere-welt/

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