Kategorie: Hamburger Parks (Seite 1 von 4)

Hamburger Beton

Hamburg, weißt du eigentlich wie gut du es hast? Du bist voller kreativer, sozialer Menschen, die in tausenden und tausenden von Projekten Leben, Grün, Musik und Miteinander in deine Mauern bringen. Aber das einzige was die einfällt ist Beton.

Seit Jahrzehnten ist die Antwort auf alles: Beton und Hafen. Riesige Flächen im ehemaligen Hafengebiet, direkt am Stadtzentrum werden frei? Man könnte jetzt dem Stadtzentrum, bei dem man nicht zuletzt in Coronazeiten merkt wie tot es eigentlich ist, eine Grüne Lunge schenken können. Ihm Leben einhauchen.

Aber deine Antwort? BETON! Soviel Beton, dass für die Radwege leider nichts mehr über war. Denn die hast du vergessen Hamburg. In einem Stadtviertel, dass in den Zweitausendern neu gebaut wurde. Die Radwege vergessen. Dass muss man fast noch mal wiederholen so absurd ist das.

Und wie war das noch mit dem Sprung über die Elbe? Man fragt sich ja nun länger was da in den Hamburger Süden springt. Dabei ist die Antwort sehr einfach: BETON! Genauer: Beton, Asphalt und Müll.

Giftmüll loswerden? Autobahnen gnadenlos durch die Landschaft prügeln? Mühlenberger Loch zuschütten? Kohlekraftwerke bauen? Hafenerweiterungsgebiete sinnlos groß halten obwohl sich wirtschaftlich längst Probleme abzeichnen? Alles im Süden. Natürlich.

Denn der Hamburger Politiker an sich logiert vermutlich an der Alster oder Blankenese. Oder vielleicht noch in Altona. Aber im Süden da war er halt noch nicht. Denn das ist halt auch ein Gewürge in den Süden zu kommen. Die S-Bahn z.B. ist ständig überfüllt. Furchtbar.

Hamburg, weißt du eigentlich wie gut du es hast? Du hast bis auf die Elphi und vielleicht noch den Michel kaum Gebäude, die der Rede wert sind. Aber du trägst einen Naturschatz sondergleichen mitten im Herzen. Was dich besonders macht ist nicht das Rot des Backsteins sondern das Grün deiner Parks.

Diese verkehrstechnisch ungünstig gelegene Alster. Die du schon trockenlegen wolltest. Diese verkehrstechnisch ungünstig gelegene Elbe, die du immer weiter ausbaggerst bis da kein Leben mehr ist und der letzte Elbfischer aufgibt weil dein Hafen zu arrogant ist, um mit Wilhelmshafen zusammenarbeiten, wo ganz ohne Baggern die dicksten Pötte anlegen könnten. Die Alsterniederung und die Elbparks wo die Schnösel wohnen, der Altonaer Volkspark, der Stadtpark, der Harburger Stadtpark, Billwerder, die ausgedehnten Moorgebiete im Süden und die Fischbeker Heide, wo der Pöbel wohnt.

Und deine Antwort? Beton. Beton und Asphalt. Jetzt wird dann also die A26 und die Hafenspange gebaut. Mitten durch das alte Land. Durch eines der größten Obstanbaugebiete der Welt und die letzte Ecke Hamburgs, die noch Frieden ausstrahlt. Um Harburg, Wilhelmsburg und das Alte Land vom Verkehr zu „entlasten“ natürlich.

Denn das ist ja der Witz: Autobahnen auf dem Land werden damit beworben, dass sie Verkehr und Arbeitsplätze heranführen. Autobahnen in der Stadt dagegen sollen Arbeitsplätze erhalten und Verkehr vorbeileiten. Was für ein Witz. Ich warte seit mehr als 30 Jahren auf die Pointe.

Aber da die keiner bringt hier meine Pointe: Beides ist gelogen. Auf dem Land verlagern Autobahnen nur Arbeitsplätze. Deutschland ist längst eine durchgehende Autobahn voller Logistikzentren. Alles was passiert wenn man eine neue Autobahn baut ist, dass manche der Speditionen und Logistikzentren sich einen Ort suchen der noch verkehrsgünstiger ist und mehr Fördermittel zahlt. Ach und natürlich der Transport auf der Schiene weiter abnimmt.

Und in der Stadt? In der Stadt macht jede Autobahn es noch komfortabler Auto zu fahren. Und wenn etwas komfortabler wird führt das ja meist dazu, dass weniger Leute es nutzen! Gilt ja auch für S-Bahnen und U-Bahnen. Oh wait, ist das etwa andersherum?

Richtig: Also in der Stadt führt es dazu, dass noch mehr Leute autofahren. Sich noch mehr Leute ein Haus im ehemals Grünen kaufen und täglich pendeln. Dass noch mehr Leute mal eben mit der Karre ins ehemals Grüne fahren.

Anders gesagt: Das Alte Land wird NICHT von Verkehr entlastet werden. Es wird zerschnitten und BElastet werden. Es wird einen Bauboom und Neubaugebiete kriegen. Die Leute werden mal eben über die Autobahn dahin donnern um Ruhe zu finden und mit Glück ein paar Äpfel zu kaufen.

Ich war gerade im Alten Land Rad fahren. Es ist wirklich noch so viel schöner als man es sich vorstellt. Vielleicht das letzte Paradies Hamburgs. Und wenn man sieht wie sich die neue Autobahn durch die letzten ruhigen Ecken fräst, partiell neben, partiell direkt durchs Naturschutzgebiet, dann fragt man sich: Wofür und was genau ist dieser Naturschutz?

Denn wenn es drauf ankommt wird jede verf**** Autobahn gebaut. Beton ist einfach härter als Natur. Natur kann keine BI gründen. Natur kann keine Politiker mit Aufsichtsratsposten belohnen. Es macht mich so schrecklich wütend und hilflos zu sehen wie nun diese Autobahn auf exakt dem letzten Stück Radweg gebaut wird, dass vom Süden aus durch den Hafen ins Stadtzentrum führt und nicht direkt an Auspuffen längsläuft.

Das Schild „Denkmalschutz“ ist übrigens genauso viel wert. Wie gerade an der Sternbrücke zu besichtigen. Clubs, Kultur, Denkmalbrücke weg. Fehmarn-Sund-Gedenk-Monsterbrücke und 4-spurige Stresemannstraße hin. Wegen Umweltzone und so. Damit die Autos schnell durchkommen und damit weniger Abgase hinterlassen.

Mitgebaut übrigens einmal mehr von den Grünen. Die irgendwie immer zu spät kommen, um eine Idiotie zu verhindern. So häufig, dass man sich fragt obs an den Grünen oder am Timing liegt. Ganz ehrlich: Die Hamburgs SPD, da hab ich längst alle Hoffnung verloren. Die war schon immer eine halbe CDU. Aber die Grünen? Wenns nicht mal mehr einen Unterschied macht die zu wählen, was bleibt uns dann?

Aber warte: Sie haben in den Koalitionsverhandlungen den Völli gerettet, also den Vollhöfner Wald und das ist aller Ehre wert. Nur führt dann demnächst direkt am Wald die Autobahn längs. Hach, diese erholsame Rauschen der Autos. Fast könnte man denken, da wäre das Meer.

Aber dafür hat die Koalition jetzt versprochen in Zukunft wirklich und Indianerehrenwort so viel Radweg neu zu bauen wie sie bei den letzten Koalitionsverhandlungen versprochen hatten. Was für ein Gamechanger! In Zukunft nennen sie einfach kaputten Radweg, den sie reparieren, „neu“ dann kommt das hin!

Oder sie machens wie direkt hinterm alten Elbtunnel. Der Hauptradweg nach Wilhelmsburg. Zu Stoßzeiten ist da Rad-High-Noon. Bisher war da ein solider Radweg auf dem sehr breiten Bürgersteig. Jetzt, nach 2 Jahren aufwendiger Bauzeit sind da mitten in Schwerlast- und Blohm & Voss Berufsverkehr zwei schmale Schutzstreifen für die Radler aufgepinselt. Aber die 3 Fußgänger am Tag, die haben jetzt 4 1/2 Meter Fußweg in der Breite! Die können durch den Hafen flanieren!

Man hätte allen Platz gehabt, um da leicht erhöhte Protected-Bike-Lanes hinzubauen. Aber nicht mit der Hamburger Verkehrsbehörde. Denn was man ja immer im – manchmal berechtigten, manchmal unberechtigten – Politikerbashing vergisst ist: Der Supertanker Behörde hat sein Eigenleben und eine Bremsspur von Hamburg bis nach Geesthacht hoch.

Wenn da die Politik nicht endlich mal die richtigen Leute reinbringt fällt denen in 20 Jahren noch nicht auf, dass Radfahrer auch Verkehr sind. Und Platz und Sicherheit brauchen. Denn Hamburger Beton ist geduldig.

Denn eigentlich wäre JETZT der Zeitpunkt. Es gibt phantastische Radtechnik. Es gibt E-Bikes. Es gibt LASTENRÄDER. Man kann lange Strecken endlich komfortabel mit dem Rad fahren. Man könnte landschaftlich schöne Strecken von allen Seiten in das Hamburger Zentrum bauen. Nicht an Auspuffen. An GRÜNFLÄCHEN!

Man könnte S-Bahnen und U-Bahnen konsequent ausbauen, Straßenbahnen bauen, endlich weniger auf diese scheißlangsamen Virenschleudern namens Bussen setzen. Denn ein Bus ist IMMER das unangenehmste Verkehrsmittel. Laut, eng, wackelig und ÜBERALL in der Stadt langsamer als das Rad.

Man könnte zu der Erkenntnis kommen, dass Autos in der Stadt nur in Ausnahmefällen Sinn machen. Für genau die, die sie wirklich brauchen. Körperlich eingeschränkt, Polizei etc. Denn für die wäre dann mehr Platz und weniger Stau.

Und ich weiß was jetzt kommt – Irgendwer nölt: „Aber ich lebe auf dem Land, da fährt kein Bus ich bin aufs Auto ang….“ Ja verfluchte scheiße nochmal, kann eigentlich niemand lesen? IN DER STADT! Auf dem Land, macht es ab einer bestimmten nicht vorhandenen Besiedlungsdichte keinen Sinn Busse fahren zu lassen. Da ist das Auto doch völlig okay. Da ist Platz, keiner will euch die Karre verbieten. Ich hab selber eine aber ich fahre damit NICHT IN DIE STADT. Denn da gibt es viel bessere Optionen.

Denn IN DER STADT sind Autos die dümmste, platzverschwendenste, asthmaerzeugendste, nervigste und lebsqualitätsvernichtenste Option.

Also hört endlich auf die letzten intakten Grünflächen mutwillig zu zerschneiden, die Elbe totzubaggern, die letzten Clubs zu beerdigen nur damit der VERKEHR besser durchkommt nur weil ihr daran scheitert zu erkennen, dass VERKEHR UNGLEICH AUTO ist und REICHTUM UNGLEICH HAFEN ist.

Der Reichtum von Hamburg besteht in Menschen, Ideen, Natur und vielen klugen mittelständischen Betrieben und Verkehr kann in 2020 so viel smarter sein als ein SUV, der nicht auf den Parkplatz passt. Eine S-Bahn durch den Elbtunnel um Altona und den Süden zu verbinden. Da ist doch eh immer eine Röhre gesperrt. Einfach mal sauber sanieren das Teil und dann passt das auch für den Autoverkehr. Radfernwege auf eigener Strecke durch Hafen und co. Die Milliarden sind doch anscheinend da?! Und technisch sollte das im Land der Ingenieure doch auch möglich sein. Oder können die nur Autobahnen? „Nee, sorry du ich bin Autobahnasphaltingenieur, Radwege sind mir echt zu komplex!“

Aber das geht nur wenn IHR in Politik UND DEN BEHÖRDEN endlich mal den Hamburger Beton aus euren Köpfen spült.

Also wenn ihr welche aus den Behörden oder Politik kennt, schickt ihnen das hier, schnappt ihn euch, redet mit ihnen, macht ihnen klar, dass das auch anders geht. Oder gründet eine Partei für das Jahr 2020. Denn ich bin es so satt in einer Stadt zu leben, die immer noch Verkehrspolitik aus den 60ern umsetzt. Wirklich. Ich mag nicht mehr. Es ist so unfassbar lächerlich.

Und außerhalb Hamburgs? Wählt verflucht nochmal endlich Parteien, die nicht die nächste idiotische, ewiggestrige Autokaufprämie durchwinken. Ich hoffe die gibts. Also die Parteien, nicht die Prämie.

Sorry für nix. Euer Captain Futura.
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Petition gegen Spritschleuderkaufprämie: https://epetitionen.bundestag.de/…/Petition_110043.$$$.a.u.…

Petition gegen neue Autobahn im Hamburger Süden: https://www.bund-hamburg.de/keine-neue-stadtautobahn/

P.S. Der Captain wohnt wenige hundert Meter von der B73 entfernt, die angeblich durch die Autobahn entlastet werden soll. Er würde also theoretisch von der Autobahn „profitieren“. Ist aber natürlich Blödsinn.

P.P.S. Auf dem Foto ist eine Streuobstwiese unter Naturschutz versteckt. Finde sie!

Wohlerspark

Der Wohlerspark gilt als der Geheimtipp unter den Hamburger Parks. Als ehemaliger Friedhof fristet er heute ein hübsch untotes Dasein zwischen alten Gemäuern. Er ist tatsächlich sehr pittoresk aber auch recht klein, was ihn aus irgendeinem unerfindlichen Grund zu DER Jogginglocation für junge bis mittelalte Frauen in Hamburg zu machen scheint. Mir würde es ja tierisch auf die Eierstöcke gehen alle fünf Minuten an derselben Stelle vorbei zu kommen und immer an Mauern längs zu laufen. Die meisten Menschen joggen an solchen Stellen nur weil sie eine Straftat begangen haben aber im Wohlerspark ist das – warum auch immer – anders. Vielleicht ist irgendwo ein Portal in eine andere Joggingdimension, der Belag der Wege macht 0,001 kmh schneller, das Stockholmsyndrom ist schuld, die Kopflinden senden Pheromone aus oder – was ich für wahrscheinlichsten halten – der Park ist so beliebt weil er sehr schwer einsehbar ist. Denn dadurch kann man zwischendurch gut mal zwischen den Büschen verschnaufen ohne dass es einer merkt und so elegant die neuesten Joggingklamotten spazieren führen und immer auf der Höhe des hübschen Hipsters auf der Bank kurz mit federnden Schritten vorbeischweben. Den Hauptweg der einmal außenrum führt sollte man jedenfalls zu Feierabend zügig queren, am schönsten ist es eh in der versteckten Ecken zwischen alten Gräbern und unter eindrucksvollen Bäumen vor allem im Nordwesten. Dort jedenfalls entwickelt der Wohlerspark seine ganz eigene Atmosphäre und es wurden bestimmt schon so einige kleine Nachwuchshipster oder -Gruftis zwischen den tief herabhängenden Zweigen der Trauerlinde gezeugt.

Wohlerspark hamburgisch erlebt

In Spätsommer oder Herbst einfach mal richtig früh aufstehen und dann im Frühnebel durch eines der geheimnisvollen Tore den Park und die Zwischenwelt betreten bis irgendwann die ersten Sonnenstrahlen des Tages auf die bunten Blätter fallen. Bevor der letzte Nebel schwindet schnell noch eine Ziege auf einem der Gräber opfern, südlich aus dem Park und die Thadenstraße Richtung Osten. Entweder in der Thadenstraße in ein Cafe oder nochmal rechts in die Bernstoffstraße mit bestem Pauliflair und weiteren Cafes und/oder Bäckern.

Entenwerder

Schön ist es nicht dieses Entenwerder. Jedenfalls sicher nicht so klassisch parkschön. Es riecht ordentlich fischig nach Nordseekäse leicht überreif, liegt wie eine überdimensionierte Verkehrsinsel zwischen Land- und Wasserstraßen und in der Mitte sind einfach nur zwei große Rasenflächen und ein Spielplatz, der sich auch in den 80ern wegen Modernität nicht hätte schämen müssen. Trotzdem lohnt sich der Weg – nicht so sehr wegen des Parks aber wegen des Wegs, der Ausblicke und der Umgebung. Und wegen Bootssteg, Cafe und goldener Pavillion da so ganz unten im Südosten. Entenwerder liegt direkt an den Elbbrücken über die fast aller Verkehr, ob nun per Auto oder Bahn, von Hamburg aus nach Süden raus- oder reingeht. Eingefriedet von gigantischen Steinpackungen und von der Norderelbe umströmt kann man an der Westspitze stehend den Anglern und dem rastlosen Treiben auf- und unter den Brücken zuschauen. Überhaupt diese Angler. Es gibt vermutlich keinen geheimnisvollen und noch so versteckten Ort im Hafen an dem man sie nicht trifft. Ich habe noch nie jemanden in den trüben Fluten der Elbe was fangen sehen aber vielleicht geht es darum auch gar nicht. Vielleicht geht es nur darum beim Angeln zu sein und nicht woanders, aber das ist auch nur eine Theorie. Entenwerder jedenfalls ist gleichfalls beliebt bei Anglern und Hundehaltern. Uns dagegen zieht es eher Richtung Café, denn um mir mein Essen zu angeln fehlt mir leider die nötige Geduld. Der Platz auf dem Bootssteg und der Blick sind großartig und das Essen und der Kaffee durchweg ordentlich bis sehr gut – der Preis ist auch recht ordentlich aber erklärt sich wohl auch durch den Platz. Sagen wir es so: billig ist es nicht aber was ist in Hamburg schon billig und der Ort ist das Geld wert. Ein Hauch von Zauber umweht die bunten Stühle, den goldenen Pavillion (der den Entenwerder Elbpiraten eine Heimstatt bietet) und den ganzen phantasievoll gestalteten Bootssteg. Im Norden von Entenwerder ist für alle Naturfreunde noch ein Schilf- und Verlandungsbereich für Teichrohrsänger und co. als Ausgleichsfläche entstanden. Das ist schön für die Natur und auch durchaus nett fürs Auge – wobei Entenwerder auch hier visuell eher auf der rustikalen Seite des Lebens bleibt. Abends ist Entenwerder so eine Art abgelegener Partykeller für alle Formen von elektronischen Tanzmusikabenden. Ob Spontanrave oder drei-Stunden-wach (…drei Tage geht eher nicht weil vorher die Polizei kommt) hier ist gerne und häufig was los und wer einmal zur falschen Zeit mit dem Rad in der S21 Richtung Entenwerder (Rothenburgsort) stand, hat einen ungefähren, schmerzhaften Eindruck was für Menschenmassen plötzlich auf dieser sonst eher einsamen Parkinsel aufschlagen. Dafür machen plötzlich die großen Rasenflächen Sinn und die Ausblicke, die tagsüber schon mal etwas trostlos wirken können, wirken nachts geheimnisvoll und wildromantisch. Bis jemand neben einem den Hosenschlitz öffnet und schwankend in die Steinpackungen pisst.

Entenwerder hamburgisch erlebt

Nach Entenwerder reist man unbedingt mit dem Rad an. Einerseits ist es mit Öffis eher schlecht zu erreichen, andererseits ist der Radweg von der City aus so ziemlich das heißeste Miststück an urbaner Blickgeilheit was Hamburg zu bieten hat und man rollt auf dem perfekt ausgebauten Weg smooth wie auf ner rasierten Ananas. Also brav Ecke Hauptbahnhof auf Fixie oder Stadtrad-Panzer und dann zwischen Deichtorhallen und Spiegelhaus durch immer schön an der Hafenkante vom Oberhafen vorbei. Nicht zu verpassender Einsatzpunkt für den Radweg ist 53°32’44.0″N 10°00’26.3″E (bei google eingeben) bei der Oberhafenbrücke. Von da aus immer nach Südosten den Radwegschildern folgen bzw. einfach immer an der Hafenkante bleiben und genießen. Macht den Radweg bei Sonne oder zumindest halbwegs gutem Wetter bei Regen ist es eher kein Spaß. Bei 53°32’08.6″N 10°01’40.5″E kurz vor Entenwerder und den Elbbrücken kommt man noch bei einem malerischen alten (und abgefucktem) Kran vorbei der sich als perfektes Fotomotiv anbietet). Dann rechtsseitig unter den Elbbrücken durch weiter Richtung Park (Wer groß ist passt ein bisschen auf die Birne auf). An der Nordwestspitze von Entenwerder ein bisschen Verkehr gucken, mal kurz auf dem Spielplatz auf dem Reifen schaukeln, dann ab ins Cafe oder im Südosten ein bisschen auf den Bänken in der Sonne abhängen. Warten bis es dunkel wird und das Wummern auf der großen Wiese loslegt. Inzwischen leichte Kopfschmerzen von der Sonne und der angestrengten Haltung auf dem Stadtrad, aber kein Problem! Irgendjemand auf der Party, die langsam startet, hat ein paar Schmerzpillen im Angebot. Zwei Stunden später sind die Kopfschmerzen immer noch da, aber dafür möchtest du plötzlich die ganze Welt umarmen. Da ein Baum, der guckt aber nett, der Baum, ach und so eine weiche Rinde, lass uns kuscheln! Was machen denn jetzt die Bullen hier, woah ist die süß die blonde Polizistin, und so eine weiche Haut, lass uns kuscheln! Warum sind da große Eisenstäbe und was macht der Riesentyp da neben mir in dem speckigen Unterhemd, aber eine weiche Haut hat er, ach lass uns kuscheln…

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