Schlagwort: Parks in Hamburg (Seite 1 von 4)

Man kann mit Klimaschutz Wahlen gewinnen!

"YEAH! Hier ist die gute Nachricht zum Wochenstart, die wie alle gebrauchen können.

In Hamburg hat gestern der Volksentscheid für mehr und vor allem VERBINDLICHEN Klimaschutz gewonnen!

Man kann mit Klimaschutz noch Wahlen gewinnen!

Die SPD ist jetzt laut hörbar am Leiden. Die wollten beim Klimaschutz eigentlich weiter auf sehr geduldiges Papier setzen und nebenbei um jeden Parkplatz kämpfen, als ginge es um den Untergang des Abendlandes. Da kommt sowas natürlich jetzt echt unpassend.

Die Grünen werden mutmaßlich sehr, sehr leise und unauffällig feiern (offiziell haben sich ihre Senatoren und Senatorinnen auch gegen den Zukunftsentscheid ausgesprochen), die CDU spricht schon von Deindustrialisierung, was die AfD sagt ist mir grundsätzlich egal (weil eh nichts Konstruktives zu erwarten ist) und die Linke freut sich, die haben den Zukunftsentscheid als Einzige offen unterstützt.

Hamburg will jetzt bis 2040 klimaneutral werden und was ich dazu an Ungeheuerlichkeiten gelesen habe, die jetzt wohl nötig sein könnten, ist durchaus gute Unterhaltung.

Erste Ungeheuerlichkeit: Wahrscheinlich ist Tempo 30 im größten Teil des Stadtgebiets erforderlich.

Oh meine Güte, ist das schrecklich! Ich kann also in Zukunft in den circa 70 Minuten am Tag zwischen den Rush-Hours nicht mehr kurz zwischen den Ampeln auf 70 aufdrehen, das ist ein enormer Verlust.

Statt dessen wäre dann Hamburg ja wie Helsinki, diese enorm rückschrittliche Stadt im hohen Norden, die überall Tempo 30 hat und in der deswegen nicht mal mehr Leute im Verkehr sterben und das ist nun wirklich nicht wünschenswert!

Erwähnte ich schon, dass Hamburg gerade auf einen neuen Rekord zusteuert? Also leider einen Rekord an in einem Jahr getöteten Radfahrern und Radfahrerinnen? Gerade hat es eine beliebte Schauspielerin vom Großstadtrevier erwischt und wenn ich auch um jed und jeden gleichermaßen trauer, vielleicht bewegt das endlich mal was!

https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/mahnwache-fuer-grossstadtrevier-schauspielerin-wanda-perdelwitz,mahnwache-150.html

Interessant und gut finde ich übrigens, dass inzwischen auch der ADFC entschieden die zu schmalen Schutzstreifen und Radwege moniert. Das klang vor einigen Jahren noch anders, da hatte man sich drauf zurückgezogen dass Schutzstreifen ja statistisch sicherer sind als Hochbordradwege, was ich schon immer für ein – mit Verlaub – dummes Profiradfahrerargument gehalten habe.

Also: Es gibt die Chance, dass durch den Radentscheid auch die Verkehrswende noch mal einen zusätzlichen Schub bekommt. Und das möchte ich auch mal erwähnen: Da hat sich dank der Grünen zuletzt tatsächlich was bewegt, das ist cool, aber es wurde halt zuletzt auch gerade von der SPD wieder ordentlich auf die Bremse getreten. Das ist nicht so cool und das wird jetzt schwieriger und das finde ich cool

Eine weitere Ungeheuerlichkeit wäre, dass jetzt Öl- und Gasheizungen früher durch Wärmepumpen und Fernwärme ersetzt werden müssen.

Auch hier muss ich sagen: Als ich zuletzt nachschaute muss das ja eh passieren, ist Öl und Gas eh nichts von dem man dauerhaft abhängig sein möchte (siehe weltweiter Krisenmodus gerade) und wenn man dann in Hamburg früher dran ist hat mans auch früher hinter sich.

Ja, wird nicht billig, aber wird eh passieren und warum das Pflaster dann nicht einfach mal zackig abziehen, statt jedes einzelne Haar unter Wehklagen öffentlich zu beleiden.

Also ich sag mal: Der Gaszentralheizung in unserem Mehrfamilienhaus weine ich keine Träne nach, die hat uns die letzten 2 Jahre so häufig wegen Ausfällen kalt duschen lassen, ich wär bereit.

Was ich schlussendlich teile, ist eine gewisse Sorge, dass es natürlich jetzt wenig Sinn macht Betriebe wie Arubis und co. zu hart anzugehen, da die ja nur von Hamburg aus für den Rest der Welt produzieren und das im Vergleich bereits energieschonend. Hier ist tatsächlich Fingerspitzengefühl erforderlich, denn was bringts wenn dann im Ausland CO2-intensiver produziert wird.

Aber dafür ist dann tatsächlich auch die Politik da, um genau das zu verhindern und das traue ich denen ausnahmsweise auch mal zu!

Was ich der Politik aber ausdrücklich NICHT zutraue, ist dagegen einfach mal ohne gerichtliche nun ja „Hilfe“ von vornherein die naheliegende und wenigstens nicht ganz so schlimme Variante für Irrsinnnsautobahnen zu wählen.

Denn dieses Hamburg mit den angeblich bereits vorm Klimaentscheid so vorbildlichen Klimazielen hatte ja die letzten Jahre nix Besseres zu tun, als Milliarden Steuergelder für ein weiteres Autobahnprojekt im Moor versenken zu wollen.

Und da mussten jetzt halt erst die Umweltverbände (vor allem der BUND, DANKE LEUTE!) vors Gericht ziehen um die Nasen in der Politik zu erinnern, dass sie ja eigentlich da so nen Klimaschutzplan hatten.

https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/verwaltungsgericht-stoppt-plaene-zur-a26-ost-vorerst,hafenautobahn-hamburg-100.html

Hamburg will ja KOSTE ES WAS ES WOLLE die Hafenspange bauen. Das ist die Verbindung von A7 und A1 da so im Hamburger Süden. Zwar fusst die auf längst überholten Wirtschaftlichkeitsberechnungen, weil man dem Hafen ein glorreiches und nie erfolgtes Wachstum vorausgesehen hat aber wir wissen alle: Wo eine Autobahnplanung, da stets ein zerstörerischer Weg. Bevor man die Milliarden noch sinnlos in Bildung ausgibt, lieber Beton in die Landschaft, das macht keine Scherereien!

Die Strecke, die der Senat ausgwählt hatte, kenne ich sehr gut. Denn das ist mein Lieblingsradstrecke.

Mitten durch die letzten wunderschönen Moorgebiete da im Hamburger Süden, zwischen quackenden Fröschen, Rohrdommeln und einmal erlebte ich wie ein Fuchsfamilie erschrocken im Licht meines Fahrrades querte und eines der Kids in den Graben plumste und sehr aufgeregt von Mama gerettet wurde und ich werde das nie vergessen.

GENAU da wollten die durchbauen. Und genau das hat sie jetzt zerlegt. Denn Moorböden speichern sehr viel CO2, das dann frei würde und da hat Leipzig jetzt ein Stoppschild gesetzt und das absolut verdient.

Noch witziger ist, dass die Autobahn auch noch den STADTEIGENEN teuren Abriss und Umbau von Moorburg zu einem Wasserstoffhub gefährdet, dass sie über belastetes Shell-Gelände geht und bisher niemand Anstalten macht das zu sanieren und das sie ingesamt wohl eines der teuersten Autobahnstücke in Deutschland ever wäre.

2,3 Milliarden für 10 Kilometer sind gerade die Annahme, Kritiker gehen längst von mehr als 3 Milliarden aus und es wär ein Wunder wenn es günstiger wird.

Mein Verdacht daher: Ein Verzicht auf die Hafenspange bzw. A26 Ost könnte problemlos alle nun erforderlichen Klimaschutzmaßnahmen in Hamburg bezahlen! 😇

Insofern: Danke Leipzig und lieber Politiker & Betonköpfe, ihr habt jetzt nochmal ein paar Jahre Bedenkzeit, nutzt sie doch einfach mal, wie wärs?

Heute ist also ein guter Tag für Hamburg UND den Steuerzahler. Kommt gut in die Woche, es ist nicht alles schlecht! 😀

Wohlerspark

Der Wohlerspark gilt als der Geheimtipp unter den Hamburger Parks. Als ehemaliger Friedhof fristet er heute ein hübsch untotes Dasein zwischen alten Gemäuern. Er ist tatsächlich sehr pittoresk aber auch recht klein, was ihn aus irgendeinem unerfindlichen Grund zu DER Jogginglocation für junge bis mittelalte Frauen in Hamburg zu machen scheint. Mir würde es ja tierisch auf die Eierstöcke gehen alle fünf Minuten an derselben Stelle vorbei zu kommen und immer an Mauern längs zu laufen. Die meisten Menschen joggen an solchen Stellen nur weil sie eine Straftat begangen haben aber im Wohlerspark ist das – warum auch immer – anders. Vielleicht ist irgendwo ein Portal in eine andere Joggingdimension, der Belag der Wege macht 0,001 kmh schneller, das Stockholmsyndrom ist schuld, die Kopflinden senden Pheromone aus oder – was ich für wahrscheinlichsten halten – der Park ist so beliebt weil er sehr schwer einsehbar ist. Denn dadurch kann man zwischendurch gut mal zwischen den Büschen verschnaufen ohne dass es einer merkt und so elegant die neuesten Joggingklamotten spazieren führen und immer auf der Höhe des hübschen Hipsters auf der Bank kurz mit federnden Schritten vorbeischweben. Den Hauptweg der einmal außenrum führt sollte man jedenfalls zu Feierabend zügig queren, am schönsten ist es eh in der versteckten Ecken zwischen alten Gräbern und unter eindrucksvollen Bäumen vor allem im Nordwesten. Dort jedenfalls entwickelt der Wohlerspark seine ganz eigene Atmosphäre und es wurden bestimmt schon so einige kleine Nachwuchshipster oder -Gruftis zwischen den tief herabhängenden Zweigen der Trauerlinde gezeugt.

Wohlerspark hamburgisch erlebt

In Spätsommer oder Herbst einfach mal richtig früh aufstehen und dann im Frühnebel durch eines der geheimnisvollen Tore den Park und die Zwischenwelt betreten bis irgendwann die ersten Sonnenstrahlen des Tages auf die bunten Blätter fallen. Bevor der letzte Nebel schwindet schnell noch eine Ziege auf einem der Gräber opfern, südlich aus dem Park und die Thadenstraße Richtung Osten. Entweder in der Thadenstraße in ein Cafe oder nochmal rechts in die Bernstoffstraße mit bestem Pauliflair und weiteren Cafes und/oder Bäckern.

Entenwerder

Schön ist es nicht dieses Entenwerder. Jedenfalls sicher nicht so klassisch parkschön. Es riecht ordentlich fischig nach Nordseekäse leicht überreif, liegt wie eine überdimensionierte Verkehrsinsel zwischen Land- und Wasserstraßen und in der Mitte sind einfach nur zwei große Rasenflächen und ein Spielplatz, der sich auch in den 80ern wegen Modernität nicht hätte schämen müssen. Trotzdem lohnt sich der Weg – nicht so sehr wegen des Parks aber wegen des Wegs, der Ausblicke und der Umgebung. Und wegen Bootssteg, Cafe und goldener Pavillion da so ganz unten im Südosten. Entenwerder liegt direkt an den Elbbrücken über die fast aller Verkehr, ob nun per Auto oder Bahn, von Hamburg aus nach Süden raus- oder reingeht. Eingefriedet von gigantischen Steinpackungen und von der Norderelbe umströmt kann man an der Westspitze stehend den Anglern und dem rastlosen Treiben auf- und unter den Brücken zuschauen. Überhaupt diese Angler. Es gibt vermutlich keinen geheimnisvollen und noch so versteckten Ort im Hafen an dem man sie nicht trifft. Ich habe noch nie jemanden in den trüben Fluten der Elbe was fangen sehen aber vielleicht geht es darum auch gar nicht. Vielleicht geht es nur darum beim Angeln zu sein und nicht woanders, aber das ist auch nur eine Theorie. Entenwerder jedenfalls ist gleichfalls beliebt bei Anglern und Hundehaltern. Uns dagegen zieht es eher Richtung Café, denn um mir mein Essen zu angeln fehlt mir leider die nötige Geduld. Der Platz auf dem Bootssteg und der Blick sind großartig und das Essen und der Kaffee durchweg ordentlich bis sehr gut – der Preis ist auch recht ordentlich aber erklärt sich wohl auch durch den Platz. Sagen wir es so: billig ist es nicht aber was ist in Hamburg schon billig und der Ort ist das Geld wert. Ein Hauch von Zauber umweht die bunten Stühle, den goldenen Pavillion (der den Entenwerder Elbpiraten eine Heimstatt bietet) und den ganzen phantasievoll gestalteten Bootssteg. Im Norden von Entenwerder ist für alle Naturfreunde noch ein Schilf- und Verlandungsbereich für Teichrohrsänger und co. als Ausgleichsfläche entstanden. Das ist schön für die Natur und auch durchaus nett fürs Auge – wobei Entenwerder auch hier visuell eher auf der rustikalen Seite des Lebens bleibt. Abends ist Entenwerder so eine Art abgelegener Partykeller für alle Formen von elektronischen Tanzmusikabenden. Ob Spontanrave oder drei-Stunden-wach (…drei Tage geht eher nicht weil vorher die Polizei kommt) hier ist gerne und häufig was los und wer einmal zur falschen Zeit mit dem Rad in der S21 Richtung Entenwerder (Rothenburgsort) stand, hat einen ungefähren, schmerzhaften Eindruck was für Menschenmassen plötzlich auf dieser sonst eher einsamen Parkinsel aufschlagen. Dafür machen plötzlich die großen Rasenflächen Sinn und die Ausblicke, die tagsüber schon mal etwas trostlos wirken können, wirken nachts geheimnisvoll und wildromantisch. Bis jemand neben einem den Hosenschlitz öffnet und schwankend in die Steinpackungen pisst.

Entenwerder hamburgisch erlebt

Nach Entenwerder reist man unbedingt mit dem Rad an. Einerseits ist es mit Öffis eher schlecht zu erreichen, andererseits ist der Radweg von der City aus so ziemlich das heißeste Miststück an urbaner Blickgeilheit was Hamburg zu bieten hat und man rollt auf dem perfekt ausgebauten Weg smooth wie auf ner rasierten Ananas. Also brav Ecke Hauptbahnhof auf Fixie oder Stadtrad-Panzer und dann zwischen Deichtorhallen und Spiegelhaus durch immer schön an der Hafenkante vom Oberhafen vorbei. Nicht zu verpassender Einsatzpunkt für den Radweg ist 53°32’44.0″N 10°00’26.3″E (bei google eingeben) bei der Oberhafenbrücke. Von da aus immer nach Südosten den Radwegschildern folgen bzw. einfach immer an der Hafenkante bleiben und genießen. Macht den Radweg bei Sonne oder zumindest halbwegs gutem Wetter bei Regen ist es eher kein Spaß. Bei 53°32’08.6″N 10°01’40.5″E kurz vor Entenwerder und den Elbbrücken kommt man noch bei einem malerischen alten (und abgefucktem) Kran vorbei der sich als perfektes Fotomotiv anbietet). Dann rechtsseitig unter den Elbbrücken durch weiter Richtung Park (Wer groß ist passt ein bisschen auf die Birne auf). An der Nordwestspitze von Entenwerder ein bisschen Verkehr gucken, mal kurz auf dem Spielplatz auf dem Reifen schaukeln, dann ab ins Cafe oder im Südosten ein bisschen auf den Bänken in der Sonne abhängen. Warten bis es dunkel wird und das Wummern auf der großen Wiese loslegt. Inzwischen leichte Kopfschmerzen von der Sonne und der angestrengten Haltung auf dem Stadtrad, aber kein Problem! Irgendjemand auf der Party, die langsam startet, hat ein paar Schmerzpillen im Angebot. Zwei Stunden später sind die Kopfschmerzen immer noch da, aber dafür möchtest du plötzlich die ganze Welt umarmen. Da ein Baum, der guckt aber nett, der Baum, ach und so eine weiche Rinde, lass uns kuscheln! Was machen denn jetzt die Bullen hier, woah ist die süß die blonde Polizistin, und so eine weiche Haut, lass uns kuscheln! Warum sind da große Eisenstäbe und was macht der Riesentyp da neben mir in dem speckigen Unterhemd, aber eine weiche Haut hat er, ach lass uns kuscheln…

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