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Verkehrszeichen und ihre Bedeutung

Im Grunde jede Partei rechts neben den Grünen (und ja, die SPD sehe ich da leider in relevanten Teilen auch) bestreiten seit geraumer Zeit ihren Wahlkampf mit: „So, jetzt sind aber mal wieder die Autofahrer dran!“ – „Schluss mit der Bevorzugung der Radfahrer“ – „Schluss mit der Autogängelei!“ – „Rettet die Parkplätze!“

Besonders gut knallen diese Slogans auf Wahlplakaten neben dem mehrspurigen Cityring bei dem „bevorzugte Radfahrer“ drei Ampeln mit unterschiedlichen Grünphasen abwarten müssen, um überhaupt zu queren.

Aber es fühlen sich alle wunderbar abgeholt und bestätigt in ihrer gedanklichen und körperlichen Trägheit.

Klar, wäre es deutlich gesünder Rad zu fahren, für jeden einzeln und auch für die Gesellschaft, klar wären Städte lebenswerter und mehr Platz für die, die tatsächlich nicht oder schlecht aufs Auto verzichten können (Polizei, Feuerwehr, Krankenwagen und Handwerker) aber was verfängt ist dieses ominöse Gefühl „dass jetzt auch mal gut ist mit dieser aggressiven Verkehrswende!“

Und dieses von der Politik und relevanten Teilen autoaffiner Medien verbreitete Gefühl führt zu erstaunlichen Wahrnehmungsstörungen.

Da fühlen sich Autofahrer zwischen 2 Reihen parkenden Autos und 2 Reihen fahrenden Autos „benachteiligt“ weil sie 10 Sekunden in der Tempo 30 Zone hinter einem Radfahrer tatsächlich 30 fahren müssen.

Was eine totale Frechheit ist, weil JEDER WEIß, dass Tempo 30 Zonen nur angelegt werden, damit die Leute wenigsten nicht schneller als 50 fahren. Zumindest die meisten.

Ich hatte vor 3 Tagen einen neuen Rekord auf der nach oben offenen Richterskala „Überholzwang“. Tempo 30 Zone, wir warten vor der Ampel, Ampel wird grün, ich roll mit den Autos los, Smart überholt mit quietschenden Reifen links, um dann (kein Scherz) sehr, sehr knapp vor mir nach rechts! abzubiegen. Ich bin übrigens für jeden sichtbar geradeaus über die Kreuzung gefahren. Dieser Smart hat mich nur nicht erwischt, weil ich entgegen meines normal sehr zügigen Anfahrens etwas müde vom Probe-Viertelmarathon am Tag vorher war. 25 cm Platz blieben, ansonsten wäre die Kreuzung ziemlich lange gesperrt gewesen.

In der Presse hätte dann mutmaßlich etwas davon gestanden, dass Radfahrer und Auto in einen Unfall „verwickelt“ waren. Und obwohl faktisch ein völlig wildgewordener Autofahrer mit Überholzwang einen sich 100 % an die Regeln haltenden Radfahrer förmlich umgenietet hat, hätten alle gedacht: „Jaja die Kampfradfahrer wieder, der ist doch bestimmt bei Rot über die Kreuzung!“

Und ich muss auch eure Vorurteile an dieser Stelle übrigens enttäuschen: Das generische Maskulinum lügt, in dem besagten Smart saß eine junge Frau. Die von mir einiges zu hören bekam, aber völlig ungerührt weitergebrettert ist.

Aber zurück zu den „Kampfradfahrern“. Ich fahre selber häufige Auto und daher: Wie dreist ist das eigentlich sich ständig über angebliche Kampfradfahrer zu mokieren, die auf kaum vorhandener Infrastruktur im Grunde freestylen müssen, während Kampfautofahrer von Regeln zuletzt in der Fahrstuhle entfernt gehört haben.

Tempo 50 innerorts? Fährst du wirklich 50, winkt die Polizei dich raus, weil die denken mit dir ist was nicht ganz knusper. (ist mir wirklich passiert)

Nicht in der Kurve parken, nicht direkt vor der Kreuzung, der Ampel, der Feuerwehreinfahrt oder auf dem Radstreifen parken?

Die Hupe regelkonform benutzen? Also nur zum Warnen und nicht um die depperten Kampfradfahrer anzuhupen, die auf der Fahrradstraße nebeneinander fahren? Wobei, man warnt doch! Also vor dem Ende der eigenen Geduld, also alles gut!

Und noch so ein Klassiker: Nicht bei durchgezogenen Linien überholen?

Besonders hier zeigt sich: Regelbrechung ist keine Ausnahme, sie ist der Regelfall.

Ich hab meine persönliche Statistik auf meinem Arbeitsweg. Da ist eine krasse Kurve, links großer Teich mit Bäumen, rechts Deich, dadurch ist uneinsehbar ob Gegenverkehr kommt. Deshalb durchgezogenen Linie.

80-90 % der Autofahrer überholen. OBWOHL ich in der Mitte der Kurve sogar rechts den Deich hoch abbiege und das vorher anzeige. Aber wer kann denn bitte diese 3 Sekunden waren?

Ich wurde von Autos, Sprintern, Obst-LKWs, rasenden Treckern, Schaustellern mit Anhängern und einem LKW mit Doppelanhänger überholt. 3 mal ist es nur durch eine glückliche Fügung gut gegangen. Wobei es mich immerhin meist nicht erwischen würde, ich biege ja kurz danach ab.

Verkehr funktioniert daher aus meiner Sicht am besten wenn alle Morgens einmal in den Spiegel schauen bzw. eine Videoaufnahme ihrer letzten Fahrmanöver sehen. Am besten begleitet von einer kompetenten Fahrlehrerin, die wirklich sehr, sehr enttäuscht von einem schauen kann.

Und dann sollte man sich einmal überlegen mit welchem Gefährt man den schlimmsten Schaden verursachen kann.

Denn das wäre für mich eine logische Regel: Je gefährlicher das Gefährt, desto enger die Regelauslegung.

2,5 Tonnen Auto mit 100 km/h haben circa 600 mal die Wucht eines Radfahrers mit 20 km/h und mit 50 km/h noch 150 mal die Wucht eines Radfahrers. Ein LKW mit 90 hat rund 10.000 mal die kinetische Energie eines zügigen Radfahrers.

Wenn also Fußgänger oder Radfahrer Regeln mal etwas biegen, sind die Folgen häufig harmlos (oder nur für sie selbst gefährlich) ein Auto mit Tempo 50 in der 30-Zone ist dagegen 2-3 mal so tödlich wie mit echten 30.

Und noch so eine Sache: Radfahrer haben Augen, Ohren und fast frei drehbare Köpfe. Es gibt gute Gründe warum z.B. Paris viele rote Ampeln für Radfahrer zu Stoppschildern erklärt hat und es keine messbare Erhöhung von Unfällen gibt.

Wer also selber bei 70 km/h innerorts im SUV sitzt, sollte vielleicht keine Steine auf Radfahrer werfen, die einem Falschparker nicht regelkonform ausweichen.

Alleine schon, weil sonst die Autoscheiben kaputt gehen.

Die Verkehrswende dagegen hat wenn überhaupt nur zaghaft angefangen und wir stehen und selber im Weg. Die Niederlande und Kopenhagen zeigen wie viel schöner und sicherer das Leben in Städten sein könnte. Aber ja, dazu müssen wir bereit sein in unserem temporären Zustand als Autofahrer und Autofahrerinnen etwas weniger bevorteilt zu werden.

Und zwar egal, ob wir fahren oder nicht. Denn z.B. in Hamburg sinkt die Verkehrsleistung der Autos kontinuierlich aber trotzdem rümpeln immer mehr Autos die Stadt voll. Die Leute nehmen zwar Rad und ÖPNV, verhindern aber mit ihrem parkenden Zweit- oder Drittwagen, dass diese Fahrt mit Rad oder ÖPNV sicher und angenehm ist.

Anders gesagt: Wir stehen uns selbst im Weg und Politik und Medien helfen uns dabei, weil sie uns in unserer Faulheit abholen, statt uns in einer klügere und schönere Welt mitzunehmen. Danke für nichts.

Hamburger Beton

Hamburg, weißt du eigentlich wie gut du es hast? Du bist voller kreativer, sozialer Menschen, die in tausenden und tausenden von Projekten Leben, Grün, Musik und Miteinander in deine Mauern bringen. Aber das einzige was die einfällt ist Beton.

Seit Jahrzehnten ist die Antwort auf alles: Beton und Hafen. Riesige Flächen im ehemaligen Hafengebiet, direkt am Stadtzentrum werden frei? Man könnte jetzt dem Stadtzentrum, bei dem man nicht zuletzt in Coronazeiten merkt wie tot es eigentlich ist, eine Grüne Lunge schenken können. Ihm Leben einhauchen.

Aber deine Antwort? BETON! Soviel Beton, dass für die Radwege leider nichts mehr über war. Denn die hast du vergessen Hamburg. In einem Stadtviertel, dass in den Zweitausendern neu gebaut wurde. Die Radwege vergessen. Dass muss man fast noch mal wiederholen so absurd ist das.

Und wie war das noch mit dem Sprung über die Elbe? Man fragt sich ja nun länger was da in den Hamburger Süden springt. Dabei ist die Antwort sehr einfach: BETON! Genauer: Beton, Asphalt und Müll.

Giftmüll loswerden? Autobahnen gnadenlos durch die Landschaft prügeln? Mühlenberger Loch zuschütten? Kohlekraftwerke bauen? Hafenerweiterungsgebiete sinnlos groß halten obwohl sich wirtschaftlich längst Probleme abzeichnen? Alles im Süden. Natürlich.

Denn der Hamburger Politiker an sich logiert vermutlich an der Alster oder Blankenese. Oder vielleicht noch in Altona. Aber im Süden da war er halt noch nicht. Denn das ist halt auch ein Gewürge in den Süden zu kommen. Die S-Bahn z.B. ist ständig überfüllt. Furchtbar.

Hamburg, weißt du eigentlich wie gut du es hast? Du hast bis auf die Elphi und vielleicht noch den Michel kaum Gebäude, die der Rede wert sind. Aber du trägst einen Naturschatz sondergleichen mitten im Herzen. Was dich besonders macht ist nicht das Rot des Backsteins sondern das Grün deiner Parks.

Diese verkehrstechnisch ungünstig gelegene Alster. Die du schon trockenlegen wolltest. Diese verkehrstechnisch ungünstig gelegene Elbe, die du immer weiter ausbaggerst bis da kein Leben mehr ist und der letzte Elbfischer aufgibt weil dein Hafen zu arrogant ist, um mit Wilhelmshafen zusammenarbeiten, wo ganz ohne Baggern die dicksten Pötte anlegen könnten. Die Alsterniederung und die Elbparks wo die Schnösel wohnen, der Altonaer Volkspark, der Stadtpark, der Harburger Stadtpark, Billwerder, die ausgedehnten Moorgebiete im Süden und die Fischbeker Heide, wo der Pöbel wohnt.

Und deine Antwort? Beton. Beton und Asphalt. Jetzt wird dann also die A26 und die Hafenspange gebaut. Mitten durch das alte Land. Durch eines der größten Obstanbaugebiete der Welt und die letzte Ecke Hamburgs, die noch Frieden ausstrahlt. Um Harburg, Wilhelmsburg und das Alte Land vom Verkehr zu „entlasten“ natürlich.

Denn das ist ja der Witz: Autobahnen auf dem Land werden damit beworben, dass sie Verkehr und Arbeitsplätze heranführen. Autobahnen in der Stadt dagegen sollen Arbeitsplätze erhalten und Verkehr vorbeileiten. Was für ein Witz. Ich warte seit mehr als 30 Jahren auf die Pointe.

Aber da die keiner bringt hier meine Pointe: Beides ist gelogen. Auf dem Land verlagern Autobahnen nur Arbeitsplätze. Deutschland ist längst eine durchgehende Autobahn voller Logistikzentren. Alles was passiert wenn man eine neue Autobahn baut ist, dass manche der Speditionen und Logistikzentren sich einen Ort suchen der noch verkehrsgünstiger ist und mehr Fördermittel zahlt. Ach und natürlich der Transport auf der Schiene weiter abnimmt.

Und in der Stadt? In der Stadt macht jede Autobahn es noch komfortabler Auto zu fahren. Und wenn etwas komfortabler wird führt das ja meist dazu, dass weniger Leute es nutzen! Gilt ja auch für S-Bahnen und U-Bahnen. Oh wait, ist das etwa andersherum?

Richtig: Also in der Stadt führt es dazu, dass noch mehr Leute autofahren. Sich noch mehr Leute ein Haus im ehemals Grünen kaufen und täglich pendeln. Dass noch mehr Leute mal eben mit der Karre ins ehemals Grüne fahren.

Anders gesagt: Das Alte Land wird NICHT von Verkehr entlastet werden. Es wird zerschnitten und BElastet werden. Es wird einen Bauboom und Neubaugebiete kriegen. Die Leute werden mal eben über die Autobahn dahin donnern um Ruhe zu finden und mit Glück ein paar Äpfel zu kaufen.

Ich war gerade im Alten Land Rad fahren. Es ist wirklich noch so viel schöner als man es sich vorstellt. Vielleicht das letzte Paradies Hamburgs. Und wenn man sieht wie sich die neue Autobahn durch die letzten ruhigen Ecken fräst, partiell neben, partiell direkt durchs Naturschutzgebiet, dann fragt man sich: Wofür und was genau ist dieser Naturschutz?

Denn wenn es drauf ankommt wird jede verf**** Autobahn gebaut. Beton ist einfach härter als Natur. Natur kann keine BI gründen. Natur kann keine Politiker mit Aufsichtsratsposten belohnen. Es macht mich so schrecklich wütend und hilflos zu sehen wie nun diese Autobahn auf exakt dem letzten Stück Radweg gebaut wird, dass vom Süden aus durch den Hafen ins Stadtzentrum führt und nicht direkt an Auspuffen längsläuft.

Das Schild „Denkmalschutz“ ist übrigens genauso viel wert. Wie gerade an der Sternbrücke zu besichtigen. Clubs, Kultur, Denkmalbrücke weg. Fehmarn-Sund-Gedenk-Monsterbrücke und 4-spurige Stresemannstraße hin. Wegen Umweltzone und so. Damit die Autos schnell durchkommen und damit weniger Abgase hinterlassen.

Mitgebaut übrigens einmal mehr von den Grünen. Die irgendwie immer zu spät kommen, um eine Idiotie zu verhindern. So häufig, dass man sich fragt obs an den Grünen oder am Timing liegt. Ganz ehrlich: Die Hamburgs SPD, da hab ich längst alle Hoffnung verloren. Die war schon immer eine halbe CDU. Aber die Grünen? Wenns nicht mal mehr einen Unterschied macht die zu wählen, was bleibt uns dann?

Aber warte: Sie haben in den Koalitionsverhandlungen den Völli gerettet, also den Vollhöfner Wald und das ist aller Ehre wert. Nur führt dann demnächst direkt am Wald die Autobahn längs. Hach, diese erholsame Rauschen der Autos. Fast könnte man denken, da wäre das Meer.

Aber dafür hat die Koalition jetzt versprochen in Zukunft wirklich und Indianerehrenwort so viel Radweg neu zu bauen wie sie bei den letzten Koalitionsverhandlungen versprochen hatten. Was für ein Gamechanger! In Zukunft nennen sie einfach kaputten Radweg, den sie reparieren, „neu“ dann kommt das hin!

Oder sie machens wie direkt hinterm alten Elbtunnel. Der Hauptradweg nach Wilhelmsburg. Zu Stoßzeiten ist da Rad-High-Noon. Bisher war da ein solider Radweg auf dem sehr breiten Bürgersteig. Jetzt, nach 2 Jahren aufwendiger Bauzeit sind da mitten in Schwerlast- und Blohm & Voss Berufsverkehr zwei schmale Schutzstreifen für die Radler aufgepinselt. Aber die 3 Fußgänger am Tag, die haben jetzt 4 1/2 Meter Fußweg in der Breite! Die können durch den Hafen flanieren!

Man hätte allen Platz gehabt, um da leicht erhöhte Protected-Bike-Lanes hinzubauen. Aber nicht mit der Hamburger Verkehrsbehörde. Denn was man ja immer im – manchmal berechtigten, manchmal unberechtigten – Politikerbashing vergisst ist: Der Supertanker Behörde hat sein Eigenleben und eine Bremsspur von Hamburg bis nach Geesthacht hoch.

Wenn da die Politik nicht endlich mal die richtigen Leute reinbringt fällt denen in 20 Jahren noch nicht auf, dass Radfahrer auch Verkehr sind. Und Platz und Sicherheit brauchen. Denn Hamburger Beton ist geduldig.

Denn eigentlich wäre JETZT der Zeitpunkt. Es gibt phantastische Radtechnik. Es gibt E-Bikes. Es gibt LASTENRÄDER. Man kann lange Strecken endlich komfortabel mit dem Rad fahren. Man könnte landschaftlich schöne Strecken von allen Seiten in das Hamburger Zentrum bauen. Nicht an Auspuffen. An GRÜNFLÄCHEN!

Man könnte S-Bahnen und U-Bahnen konsequent ausbauen, Straßenbahnen bauen, endlich weniger auf diese scheißlangsamen Virenschleudern namens Bussen setzen. Denn ein Bus ist IMMER das unangenehmste Verkehrsmittel. Laut, eng, wackelig und ÜBERALL in der Stadt langsamer als das Rad.

Man könnte zu der Erkenntnis kommen, dass Autos in der Stadt nur in Ausnahmefällen Sinn machen. Für genau die, die sie wirklich brauchen. Körperlich eingeschränkt, Polizei etc. Denn für die wäre dann mehr Platz und weniger Stau.

Und ich weiß was jetzt kommt – Irgendwer nölt: „Aber ich lebe auf dem Land, da fährt kein Bus ich bin aufs Auto ang….“ Ja verfluchte scheiße nochmal, kann eigentlich niemand lesen? IN DER STADT! Auf dem Land, macht es ab einer bestimmten nicht vorhandenen Besiedlungsdichte keinen Sinn Busse fahren zu lassen. Da ist das Auto doch völlig okay. Da ist Platz, keiner will euch die Karre verbieten. Ich hab selber eine aber ich fahre damit NICHT IN DIE STADT. Denn da gibt es viel bessere Optionen.

Denn IN DER STADT sind Autos die dümmste, platzverschwendenste, asthmaerzeugendste, nervigste und lebsqualitätsvernichtenste Option.

Also hört endlich auf die letzten intakten Grünflächen mutwillig zu zerschneiden, die Elbe totzubaggern, die letzten Clubs zu beerdigen nur damit der VERKEHR besser durchkommt nur weil ihr daran scheitert zu erkennen, dass VERKEHR UNGLEICH AUTO ist und REICHTUM UNGLEICH HAFEN ist.

Der Reichtum von Hamburg besteht in Menschen, Ideen, Natur und vielen klugen mittelständischen Betrieben und Verkehr kann in 2020 so viel smarter sein als ein SUV, der nicht auf den Parkplatz passt. Eine S-Bahn durch den Elbtunnel um Altona und den Süden zu verbinden. Da ist doch eh immer eine Röhre gesperrt. Einfach mal sauber sanieren das Teil und dann passt das auch für den Autoverkehr. Radfernwege auf eigener Strecke durch Hafen und co. Die Milliarden sind doch anscheinend da?! Und technisch sollte das im Land der Ingenieure doch auch möglich sein. Oder können die nur Autobahnen? „Nee, sorry du ich bin Autobahnasphaltingenieur, Radwege sind mir echt zu komplex!“

Aber das geht nur wenn IHR in Politik UND DEN BEHÖRDEN endlich mal den Hamburger Beton aus euren Köpfen spült.

Also wenn ihr welche aus den Behörden oder Politik kennt, schickt ihnen das hier, schnappt ihn euch, redet mit ihnen, macht ihnen klar, dass das auch anders geht. Oder gründet eine Partei für das Jahr 2020. Denn ich bin es so satt in einer Stadt zu leben, die immer noch Verkehrspolitik aus den 60ern umsetzt. Wirklich. Ich mag nicht mehr. Es ist so unfassbar lächerlich.

Und außerhalb Hamburgs? Wählt verflucht nochmal endlich Parteien, die nicht die nächste idiotische, ewiggestrige Autokaufprämie durchwinken. Ich hoffe die gibts. Also die Parteien, nicht die Prämie.

Sorry für nix. Euer Captain Futura.
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Petition gegen Spritschleuderkaufprämie: https://epetitionen.bundestag.de/…/Petition_110043.$$$.a.u.…

Petition gegen neue Autobahn im Hamburger Süden: https://www.bund-hamburg.de/keine-neue-stadtautobahn/

P.S. Der Captain wohnt wenige hundert Meter von der B73 entfernt, die angeblich durch die Autobahn entlastet werden soll. Er würde also theoretisch von der Autobahn „profitieren“. Ist aber natürlich Blödsinn.

P.P.S. Auf dem Foto ist eine Streuobstwiese unter Naturschutz versteckt. Finde sie!

Radschutzstreifen sind feige Verkehrspolitik

Hamburg hat leider viel zu lange gebraucht um sich von dem Ziel der autogerechten Stadt zu verabschieden. Die Theorie war: Es gäbe eine Höchstgrenze der Automobilität und man müsste nur genug Straßen bauen, um diese abzudecken und dann würde man eines der Tages in der goldenen Stadt der perfekten Mobilität aufwachen in der jeder staufrei und gemütlich sein Ziel erreicht. Amen.

Das Problem ist: Es gibt zwar eine Höchstgrenze der Mobilität. Aber die misst sich in Zeit bzw. Aufwand und nicht in Kilometern. Ob wir bereit sind eine Strecke zurück zu legen machen wir an der Zeit und dem Aufwand in Geld, Ärger, usw. fest aber nicht an der Entfernung. Je mehr vierspurige Straßen man durch die Stadt prügelt desto mehr Menschen ziehen weiter raus weil dort die Mieten günstiger sind, mehr Natur und weniger Autoverkehr ist und der Zeitaufwand für die Fahrt ja gesunken ist. Die Theorie ist also eine Fata Morgana, die sich immer weiter entfernt, umso mehr Straßen man baut.

Das wäre völlig okay wenn Autoverkehr nicht eine Reihe von Nebenwirkungen hätte, die die Medizin der autogerechten Stadt nicht nur bitter sondern bei genauerer Betrachtung eher als Gift für ein gutes Leben in der Stadt erscheinen lässt.

Lärm, Abgase, Feinstaub, Umwelt- und Klimazerstörung, Zerschneidung und Vernichtung von Grünflächen und Freiräumen, ständige Gefahr für spielende Kinder und andere Verkehrsteilnehmer und vor allem die Vereinnahmung von unfassbar viel Raum. Und das in der Stadt, wo von allem viel vorhanden ist, aber Platz nun gerade nicht. Damit wir schnell von A nach B kommen vernichten wir also auf einer Vielzahl von Ebenen Lebensqualität.

Wird das nun mit Elektroautos besser? Lärm und Abgase ja, Feinstaub teilweise (Reifenabrieb bleibt ja) ansonsten bleibt das Problem eins zu eins bestehen.

Aber es wird doch mit autonomen Autos besser! Nein. Warum sollte es? Wenn ich das Autofahren noch angenehmer mache, man auf der Fahrt arbeiten kann und es z.B. möglich ist zu ner Party zu fahren und sich dann angetrunken das eigene Auto zu rufen „K.I.. ICH BRAUCH DICH“ – dann fahren doch nicht weniger Autos, dann fahren MEHR Autos komplett leer durch die Stadt um Menschen abzuholen. Studien berechnen den Effekt auf bis zu 60%. Und auch das Statussymbol bleibt. Ist doch derbe dicke Hose wenn bei der Party in Blankenese ein riesiger Schlitten mit der Lieblingsserie auf den Bildschirmen von selbst vorfährt. Die Stadt wird noch mehr ein Ort sein, an dem, die mit Kohle ihr Leben auf Kosten der anderen pseudo-optimieren.

Anders gesagt: Das Problem wird sich von selber nicht lösen. Das löst sich nur durch mutige Politik.

Und da kommt auch schon die mutige Hamburger Politik mit dem (Tusch) RADSCHUTZSTREIFEN!

Yay.

Man versucht also die Fata Morgana der „autogerechten Stadt“ aufrecht zu erhalten und gleichzeitig Radstadt zu werden indem man die Radfahrer als lebende Theorie-Crash-Test-Dummies und nur durch eine dünne Linie geschützt auf die jetzt schon zu enge Fahrbahn schickt. Und sagt das wäre wie in Holland.

Und irgendwo westlich fällt einem erschrockenen Niederländer der Gouda beim Radfahren in die Gracht und man hört ihn in dem Westwind rufen: „Aber das ist doch völlig waanzinnig, das hab ich doch nie gesagtje!“

Wer auch nur einmal in Holland war weiß: Hier werden Auto- Rad- und Fußverkehr konsequent und aufwendig getrennt. Hier werden Radfahrer NICHT entlang der Hauptauspuffrouten durch Abgaswolken in die Stadt geführt sondern wenn möglich abseits auf eigenen Wegen wo es ruhiger und schöner ist.

Aber der Hamburger Radfahrer ist halt an sich ein verkappter Navi-SEAL, der als Ex-Raucher einfach sein Pensum Gefahr, Feinstaub und Teer braucht, um den Tag wirklich zu leben. Und Hamburger Autofahrer sind einfach die hochkonzentriertesten Menschen der Welt, immer auf 20 Espresso und haben immer und überall 50 Radfahrer, 10 Fußgänger und 200 andere Autos im Blick.

Und die Realität so: Nee, is erundsie nicht. Sorry. Radverkehr ist in 2019 gesunken. War aber Zufall. Wir haben doch so viele tolle Radschutzstreifen gebaut! Und z.B. an der Osterstraße mit den Mitteln des Radprogramms die ganzen Kreuzungen saniert und nach der Sanierung haben alle mehr Platz. Außer den Radfahrern natürlich. Die haben eine Linie auf der Straße. Rechts parkende Autos und links Busse, die jetzt leider nicht mehr wirklich zwischen die Linien passen und daher standardmäßig auf den Radschutzstreifen ausweichen müssen. Aber auf dem Fußweg können jetzt Fußballmannschaften nebeneinander laufen. Oder die Straße Beim Schlump. Da hat die Behörde gleichzeitig eine riesige Unibaustelle aufgemacht, den sicheren Radweg auf dem Fußweg geschlossen und auf die Straße verlegt. What can possibly go wrong? Jetzt sind da wöchentlich Polizeikontrollen gegen Radfahrer, die überleben wollen und heimlich auf dem Gehweg fahren. Ich hab da gewohnt. Wer da mal zur Rush-Hour (ca. 50 % des Tages) mit dem Rad war, weiß: Ich übertreibe nicht. Es ist gemeingefährlich. Ich bin da nie auf der Straße gefahren. Ich mag dieses Leben.

Und auf der Elbchaussee, diesem mäandrierenden Ungetüm für Cayenne-Fahrer, bei dem nie jemand weiß obs gerade eine Spur oder zwei sind und man sich folgerichtig permanent anhupt und behindert. Da hat nicht etwa jemand die Eier zu sagen: Machen wir eine Spur draus, sonst entsteht ja eh nur Chaos. Nee, da wird das nächste Elend geplant.

Fragt man einmal NICHT die Rad-Nerds sondern die Freunden, die NICHT oder WENIG Fahrrad fahren sagt dir jeder: „Ich hab Angst. Das ist mir zu gefährlich.“ Und ich verstehe das komplett. In Deutschland sterben Jahr für Jahr mehr Radfahrer und nicht weniger wie in anderen Ländern. Aber Schuld sind die Radfahrer, weil ohne Helm und Warnweste. Auch wenn der Löwenanteil der Unfälle bei bester Sicht im Sommer passiert (Warnweste?) und durch abbiegende LKWs und Autos (Helm?).

Wir haben eine verdammte Straßenverkehrsordnung. Man hat auch OHNE Helm und Warnweste und 5 Airbags am Rad sicher zu sein. Und dafür braucht es Infrastruktur. RICHTIGE Infrastruktur. Die mit MUT. Die ohne 5.000 Auspuffe vor meiner Lunge.

Entweder: Maximal Tempo 30 für alle. Dann kann man die Wege auch zusammenschmeißen. Bin ich persönlich gern dabei, ich fürchte nur…

Oder: GETRENNTE WEGE FÜR ALLE.

Und das geile ist: Alle profitieren. Radfahren macht endlich wirklich Spaß. Fußgänger und Radfahrer müssen sich nicht mehr anbrüllen. Die Stadt atmet auf. Jeder, der neu Rad fährt macht Platz für die, die wirklich Auto fahren MÜSSEN. Ob Lieferant, körperlich eingeschränkt oder Handwerker – manche Menschen brauchen ihr Auto und auch die fahren dann entspannter und geschützt vor plötzlichen Radüberraschungen durch die Stadt. Ja. Man wird dazu manchmal eine Spur bei den Autofahrern wegnehmen müssen. Ja, es wird Protest geben. Das wird übel werden. Aber Protest ebbt auch wieder ab wenn die Menschen merken: „Scheiße, irgendwie ist mein Leben in der Stadt jetzt schöner!“

Hat in den Niederlanden funktioniert. Hat in Kopenhagen funktioniert. Wird gerade in Paris angegangen. Warum soll das nicht in Hamburg funktionieren? Also: Schluss mit halber Kacke und gefährlichen Schutzstreifen, baut endlich RICHTIGE und SCHÖNE Infrastruktur. Ich will ein Leben in der Stadt. Danke.

Euer Captain.

P.S. Sonntag ist Wahl.

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