Tag: Umwelt (page 2 of 7)

Die Trickle-Down Legende

Es gibt ja diese Legenden, die sich wider besseres Wissen ewig halten. der angebliche „Trickle-down-effekt“ ist so eine. Er besagt ganz kurz, dass wachsender Wohlstand der Reichen über Konsum und Investitionen zu den unteren Gesellschaftsschichten durchsickert.

Selbst ein Paul Krugman, der freien Markt (mit schützenden Staatseingriff) grundsätzlich positiv findet, sagte schon 2008: „Wir warten auf diesen Trickle-down-Effekt nun seit 30 Jahren – vergeblich.“

Trotzdem ist die Idee nicht tot zu kriegen, dabei beweist nicht zuletzt die Coronakrise in der ganze Länder und Gesellschaftsschichten verarmen, während Jeff Bezos, Elon Musk und co. Rekordeinkünfte erzielen, dass es sich um eine Legende ohne Wahrheitsgehalt handelt.

Dabei kann die Trickle-Down-These bereits theoretisch sehr einfach widerlegt werden.

Geld bedeutet Einfluss. Und Einfluss führt zu Geld. Nicht immer so schmutzig und plump wie beim Maskenskandal der Union, wo es fast mustergültig zu beobachten ist – aber während bei der Wahl jeder eine Stimme hat, ist in der Wirtschaft jeder Euro eine Stimme. Denn jeder Euro wird potentiell zu Lobbyismus, der die Rahmenbedingungen nach dem Wunsch des Besitzenden gestaltet. Und daher haben dann einige wenige Milliarden von Stimmen, während Milliarden keine Stimme haben.

Damit der Besitzende seine Besitztümer anhäufen kann, ist er auf die Arbeit der Anderen angewiesen. Hier scheint nun der Ansatzpunkt für den Trickle-Down-Effekt zu sein, weil eine gegenseitige Abhängigkeit entsteht.

Aber weil Geld gleich Einfluss ist, ist es ein Spiel mit gezinkten Karten und ungleicher Machtverteilung. Gefallen dem Milliardär die Spielregeln nicht, verändert er sie mit Lobbyismus oder umgeht sie mit einer Heerschar von Rechtsanwälten.

Dazu kommen drei wichtige Schritte, die die Abhängigkeit immer weiter entkoppelt haben:

– Industrialisierung
– Globalisierung
– Digitalisierung

Vor der Industrialisierung hatte z.B. ein Schuster Fertigkeiten, die ihm exklusiv gehörten und die seine Verhandlungsmasse waren.

Nach der Industrialisierung war er Teil eines standardisierten Prozesses und jederzeit austauschbar.

……

Vor der Globalisierung konnten sich Arbeiter und Angestellte mit gleicher Kultur und Sprache organisieren und den Arbeitskampf als Verhandlungsmasse nutzen.

Nach der Globallsierung standen sie plötzlich in Konkurrenz zu Arbeitskräften auf der ganzen Welt und waren jederzeit austauschbar, wenn sie zuviel Ärger machten, oder mehr Geld wollten.

……

Vor der Digitalisierung hatten Arbeiter und Angestellte Wissen, das ihnen exklusiv gehörten.

Nach der Digitalisierung sind sie wie z.B. als Lieferando-Fahrer nur noch bloße Drohnen, die appgesteuert einzelne Aufgaben erfüllen und im nächsten Schritt durch Roboter und KI ersetzt werden können.

Und Roboter und KI sind letztlich der letzte Schritt zur endgültigen Monopolisierung von Macht. Spätestens dann funktionieren die unteren Schichten nur mehr als Konsumenten in vollständiger Abhängigkeit von einigen Firmenlenkern.

…..

Jetzt muss man noch ergänzen, dass Gier per Definition kein Ende kennt. Etwas, das Jeff Bezos und diverse Autokraten wie Putin oder Erdogan in ihren goldenen Palästen mit hunderten Zimmern und Swimming-Pools eindeutig beweisen. Superreich kann immer noch super reicher sein.

Die Folge davon ist, Werte werden dem Nutzen für die Allgemeinheit entzogen und bilden tote, ungenutzte Materie, die niemandem Freude bringt aber durch die Zerstörung bei der Erzeugung vielen Millionen Menschen Leid.

So sind in New York in den Wolkenkratzern inzwischen ganze Stockwerke von superreichen Saudis gekauft, die hier einmal im Jahr mit dem Helikopter für ein paar Tage einfliegen. In der restlichen Zeit liegen die Flächen brach und bleiben ungenutzt während der Verdrängungseffekt letztlich bis zu den Obdachlosen in den Straßen reicht.

…..

Wenn aber der Trickle-Down-Effekt eine Lüge ist, dann bedeutet das, dass wir Gesellschaften in Zukunft komplett neu denken müssen. Denn wir können Digitalisierung und KI nicht aufhalten aber wir können die Gesellschaft darauf vorbereiten. Vielleicht über ein anderes Steuersystem. Digitalsteuer. Über Grundeinkommen. Über Ideen, die hoffentlich noch kommen werden.

Sicher ist aber: Unser derzeitiges System ist bei den sich ändernden Rahmenbedingungen nicht geeignet um Wohlstand für alle zu gewährleisten. Sogar ganz im Gegenteil. Es führt zu monströsem Reichtum Einzelner und Milliarden in Armut und Abhängigkeit.

Und Trickle-Down ist eine bloße Legende.

Euer Captain Futura.

….
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und ich hab einen Patreon mit exklusiven Inhalten, Treffen und Konzerten.
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Danke!

Renaissance der Atomkraft? Schon wieder?

Es ist ja so: Wenn die Bundesregierung einmal mehr die Energiewende verschlampt und allerorten gegen Windräder oder Strommasten opponiert wird* – dann kommt ganz sicher jemand von AfDPWirtschaftsunion in den Raum, furzt „Atomkraft ist klimafreundlich!“ oder „Atomkraft ist die Zukunft, nur wir dummen Deutschen machen wieder nicht mit!“, geht wieder und lässt den Rest mit dem Gestank allein.

Als kleiner Reminder diese Grafik. Ist es nicht alleine schon auffällig genug, wie beliebt es ist Atomkraftwerke direkt an die Grenze zu bauen? So hat Tschernobyl Weißrussland am Ende härter getroffen als die Ukraine. Und Weißrußland baut seinen neuen Reaktor Astrawez folgerichtig mit voller Absicht direkt an die Grenze zu Litauen. Als politisches Druckmittel. Nach dem Motto: Jetzt hängen die Litauer mit drin. Subtext: Wenns Weißrußland scheiße geht und sich die Pannen häufen, dann ist auch Litauen in Gefahr. Also unterstützt mal besser die Führung (bzw. den Föhrer) von Weißrußland!

Auch Fessenheim war zuletzt mehr ein Problem Deutschlands als Frankreichs. Wegen vorherrschender Westwinde hätte Fallout aus einer Kernschmelze wohl vor allem die Umgebunge von Freiburg verseucht. Und die diversen Pannen haben zu so viel Ärger, vor allem auch aus Deutschland geführt, dass man es schlussendlich endlich abgeschaltet hat. Noch dreister ist nur Chooz, das Frankreich mehr oder weniger in Belgien „reingebaut“ hat. Wer seine Nachbarn liebt, zeigt ihnen halt gern sein strahlendstes Lächeln.

Nun noch kurz in Sachen „Renaissance der Kernkraft“ die von den Unbeirrbaren immer so gerne bemüht wird. Zwei Projekte sagen eigentlich alles was man wissen muss:

Olkiluoto in Finnland
Hinkley Point in England

An diesen beiden Orten in zwei der höchstentwickelten Ländern der Welt (na gut, bei England lässt sich zunehmend drüber streiten) sollen neue Kernkraftwerke gebaut werden. Also genauer: Man versuchts. Halt nur schon etwas länger. Um es ganz genau zu sagen: Die beiden Projekte sind der Berliner Flughafen von Finnland bzw. England. Nur dass sie noch viel, viel teurer sind und die Folgekosten viel, viel höher. Sogar wenn man das Risiko einer Kernschmerze ausklammert.

Olkdingsbums wird seit 12. August 2005 gebaut. Geschätzte Kosten 3 Milliarden Euro. Geplante Fertigstellung 2011.

–> Heute geschätzte Baukosten liegen bei 11 Milliarden Euro. Ganz vielleicht soll das Kernkraftwerk Februar 2022 ans Netz gehen. Die explodierenden Kosten trägt größtenteils der französische Steuerzahler, weil Areva als Bauträger einen Festpreis vereinbart hat und französischer Staatskonzern ist. Ich wage die vorsichtige Schätzung: Das machen die nicht nochmal.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Olkiluoto
https://www.swr.de/swr2/wissen/swr2-wissen-2019-12-16-100.html

Hinkley Point. Hier begann das Projekt Neubau 2013 mit geschätzten Kosten von 16 Mrd. Pfund (ca. 18 Mrd Euro) inzwischen sind wir bei 24,5 Mrd. Pfund (27,4 Mrd. Euro) und die Fertigstellung? Nun ja. Eigentlich ist bis heute nicht mal so richtig der Bau in Gange gekommen, Stand 2019 ist man 8 Jahre hinter Zeitplan, was wenn man zurückrechnet das Jahr 2011 wäre, was somit ein Zeitpunkt vor dem Planungsbeginn wäre. Hinkley Point ist also das erste Bauprojekt der Welt, das beim Bau in der Zeit zurückreist. Sozusagen der Benjamin Button der Großprojekte.

Um das Vertrauen in den Erfolg des Projektes noch zu vertiefen: Drin hängen England (logisch), China über den Staatskonzern China General Nuclear Power und Frankreich über den Staatskonzern EDF. Wobei EDF wegen der explodierenden Kosten Angst hat Pleite zu gehen und wilde Memos verschickt wurden. Daher wurde eine Einspeisevergütung verhandelt. FALLS das Atomkraftwerk eines Tages ans Netz geht, würde der britische Staat über 35 Jahre garantiert mindestens 100 Euro pro Megawattstunde zahlen. Und zwar mit der Inflation wachsend. Es würde also mit 10 cent pro kWh starten und mit ca. 22 cent pro kWh enden.

Der Witz daran: Erneuerbare Energien produzieren Strom längst durchweg günstiger. Heute schon. Onshore-Wind kostet zwischen 3,99 und 8,23 cent pro kWh / Offshore-Wind geht von 7,79 bis 13,79 cent pro kWh / Solarenergie kostet zwischen 3,71 und 11,54 cent pro kWh / Tendenz überall fallend.

Man schätzt die Gesamtkosten von Hinkley Point für den britischen Staat auf 100 Milliarden. HUNDERT Milliarden. Das sind Löcher in der Staatskasse, da wird sogar Corona neidisch.

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Kleiner Funfact zu den alten schon bestehenden Blöcken von Hinkley Point, ich zitiere Wikipedia: „Während der Bauphase im Jahr 1961 urinierte ein Bauarbeiter gegen eine der Rohrleitungen. Dies hatte zur Folge, dass die entsprechenden Leitungen, durch welche während der Betriebsphase die radioaktiven Abwässer flossen, zu rosten begannen und deswegen 1986 die Anlage für zehn Tage stillgelegt werden musste, um die Leitungen für umgerechnet damals rund 4,5 Millionen DM zu erneuern.“

Atomkraft: Immer eine sichere Kiste! Wirklich traurig dass wir dummen, dummen Deutschen da nicht mehr mitspielen. Wir verpassen die strahlende Zukunft Leute! Aber sowas von!
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P.S. Mehr aufschlussreiche Grafiken (und Erklärungen) nur im Buch „Grafiken für eine bessere Welt“ im Yes Verlag:
https://www.m-vg.de/yes/shop/article/20212-grafiken-fuer-eine-bessere-welt/
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weitere Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Hinkley_Point
https://www.ews-schoenau.de/energiewende-magazin/zur-sache/hintergruende-zu-hinkley-point-c/
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/energie-strahlendes-milliardenspiel-1.4147237

* kurz noch ein Wort zu Bürgerinitiativen. Ursprüngliche Formulierung hab ich gestrichen weil sie missverstanden wurde. Grundsätzlich finde ich BIs ein sinnvolles Instrument des Bürgerwillens. In den letzten Jahren gab es leider einen gewissen Trend zu Nimby (Not-in-my-backyard) bzw. dem schönen St. Florians Prinzip („“Heiliger Sankt Florian, verschon‘ mein Haus, zünd‘ and’re an!“) was meint: Alle, wollen alles haben außer den Nachteilen, die will keiner. Anders gesagt: Wer Strom will, muss halt auch irgendeinen Tod sterben. Und wer aus guten Gründen GEGEN Atomkraft und Kohle ist, muss Windkraftanlagen und PV auch in seiner Nachbarschaft akzeptieren, sonst wirds irgendwann lächerlich. Der Windstrom muss zudem von Norddeutschland nach Süddeutschland. Ganz ohne Fernspannung wirds nicht gehen, auch wenn Dänemark vormacht, dass mehr lokal ausgeglichen werden kann, als in Deutschland gerne behauptet wird. Kurz, es ist kompliziert, wenn aber an so gut wie jedem Windrand und jedem Hochspannungsmast demonstriert wird kommt überhaupt nichts voran und es ist teilweise schwer die seriösen BIs von den zunehmend verschwörungstheoretisch aktiven wie z.B. „Windwahn“ (Wobei da der Name immerhin Bände spricht) zu unterscheiden.

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/erdweg-windrad-energiewende-1.4950579
https://www.kontextwochenzeitung.de/gesellschaft/245/hansi-mueller-und-die-windkraft-verschwoerer-3303.html
https://www.sfv.de/artikel/mit_vernunftkraft_gegen_saubere_energie
http://www.bund-rvso.de/buergerinitiativen-windkraft-windenergie-fake-news.html

Hamburg nur aus Einfamilienhäusern? – warum die Grünen eine unangenehme Wahrheit angehen!

Die Grünen haben ja gerade mal wieder eine unangenehme Debatte am Hals. Das hatten sie sich ja eigentlich seit der Debatte über 5 Mark pro Liter Benzin und der Veggieday-Debatte erfolgreich verboten – aber einmal nicht aufgepasst und ZACK ist die Einfamilienhausdebatte in der Welt und alle sind empöööört. Die Grünen wieder, die VEBOTSPARTEI IN IHREN ALTBAULOFTS!!!

Ich find das immer herrlich wie alle fordern, dass die Politik endlich mal wieder AKTIVE Politik macht – aber sobald jemand sich mal vorwagt, nimmt sich exakt niemand die Zeit mal nachzudenken, geschweige denn nachzurechnen, oder mal zu schauen was eigentlich wer gesagt hat. Denn tatsächlich haben die Grünen ZUSAMMEN mit der SPD in einigen lokalen Bebauungsplänen im Hamburger Norden Einfamilienhäuser ausgeschlossen. Um unnötige Flächenversiegelung zu verhindern. Dann wird Anton Hofreiter dazu vom Spiegel interviewt und an das recht nichtssagende Interview hängt wiederum die BILD die dreiste Lüge, dass die „pösen Grünen DEIN Einfamilienhaus VERBIETEN wollen!!1!“

Und sofort holen alle, von AfD, über CDU/CSU bis hin zur SPD die Bazooka „billiger Populismus“ aus dem Keller und versuchen sich auf Kosten des dummen Klugen politisches Oberwasser zu verschaffen. Die SPD übrigens, die die Bebauungspläne mit beschlossen hat und die CSU, die so ähnliche Bebauungspläne aus gutem Grund lokal in Bayern beschlossen hat. Aber ich hab mir gedacht, wo die BILD die Debatte schon mal gestartet hat, hauen wir denen doch mal einen Return um die Ohren.

Denn er leuchtet hach so verlockend der Traum vom Eigenheim im Grünen. Und ist er doch ein Widerspruch in sich. Denn es schließt sich aus: Wo trautes Eigenheim, da kein Grün mehr. Eigentlich haben die Grünen einen hochgeradig sozialen und mutigen Aufschlag gemacht. Denn die Eigenheime bauen ja nicht die Working poor, die Eigenheime bauen Mittel und Oberschicht – also potentielle Grünen-Wählerinnen. Und diese Eigenheime stehen final in den ehemalig grünen Naherholungsgebieten, die gerade die (setze euphemistischen Namen für Unterschicht ein) so dringend braucht. Gerade bei Corona zeigt sich: Parks, Wälder und Wiesen sind ein unfassbar wichtiger Beitrag für die psychische Gesundheit.

Davon abgesehen, dass mancher Eigenheimtraum auch für die Besitzer zum Alptraum wird, wird er es ganz sicher für den „Rest“ der es sich nicht leisten kann.

Ich hab das mal durchgerechnet. Links Hamburg bei heutiger Bebauung. Rot, was mehr oder weniger dicht bebaut ist. Grün die Frei- und Naturflächen. Von Feld bis Wald.

Rechts Hamburg ausschließlich aus Einfamilienhäusern. Besetzt mit im Schnitt 2,5 Menschen. Denn auch das ist Teil der Wahrheit. Da leben ja fast keine Großfamilien. Ein großer Teil der Häuser da draußen ist mit 2 oder manchmal nur einer Person besetzt, weil da nie Kinder waren oder die längst ausgezogen sind. Und das ist gut gerechnet, die durchschnittliche Haushaltsgröße in Deutschland sinkt seit Jahrzehnten und liegt inzwischen nur noch bei 1,9 Personen. Wenn man jetzt berechnet, dass jedes Einfamilienhaus ungefähr 600 qm Handtuch-Grundstück bekommt (was vermutlich eher die Untergrenze des Einfamilienhaustraums ist) und 400 qm für Straßen, Gewerbe und co. annimmt, kommt man auf das Hamburg auf der rechten Seite.

Stadtpark, Alster, Billwerder, Volkspark, Harburger Berge, Fischbeker Heide, Kirchwerder Wiesen, Elbparks, Duvenstedter Brook, Landwirtschaft, Wälder, Wiesen – alles weg. Man müsste sogar große Teile der Wasserflächen bebauuen, um hinzukommen. „Wohnen direkt am Wasser!“ – das verkauft sich doch wie verrückt!

Und das ist noch die Untergrenze und sehr freundlich gerechnet. Wahrscheinlich würde die Fläche Hamburgs bei weitem nicht reichen. Und das ist alles NICHT weit hergeholt: Die Siedlungsfläche in Deutschland steigt trotz aller Warnungen seit Jahrzehnten unbegrenzt weiter, mit ensprechend schlimmen Folgen für Ökologie, Wasserhaushalt und Landschaft. Zur Zeit werden pro Tag grob 80 Fußballfelder pro Tag verbraucht.

Zusammengefasst: Wie beim Benzin (Klimawandel) und Veggieday (Massentierhaltung, Klimawandel, industrielle Massentierhaltung, Gülletourismus, Vergiftung Trinkwasser) sind die Zahlen eigentlich eindeutig auf Seiten der Grünen und auch die sozialen Folgen sprechen für das Vorgehen. Aber wen interessieren Zahlen wenn es einen Traum zu verteidigen gilt und man den Grünen einen reinwürgen kann!

So. Ich hoffe der Return hat gesessen,
Euer Captain Futura.

P.S. Bevor ich in den Verdacht komme hier die Grünen einseitig zu feiern: Ich sehe vieles kritisch was die machen (gerade aus sozialer Sicht) aber dem Verbot des EinfamilienhausNEUBAUS kann ich wenig Problematisches sehen.

Denn mir ist noch wichtig zu erwähnen: Die Meisten werden trotz NEUBAUverbot NICHT auf den Traum vom Eigenheim verzichten müssen. Denn genau darum geht es: Da draußen sind abertausende BESTEHENDE Einfamilienhäuser, die fast oder ganz leer stehen und die lieber abgerissen werden, weil es billiger und bequemer ist neu zu bauen und zu versiegeln. Dabei wäre es auch aus Arbeitsplatzsicht besser zu RENOVIEREN.

………………………..
RECHNUNG:

Fläche Hamburg – 755,2 km2 minus 8 % Wasserfläche = 695 km2 / Einwohner Hamburg – 1,845 Millionen.

1,845 Mio : 2,5 Personen pro Einfamilienhaus = 738 000

738.000 x 1.000 m2 = 738 km2

738 km2 > 695 km2

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https://www.bmu.de/themen/europa-internationales-nachhaltigkeit-digitalisierung/nachhaltige-entwicklung/strategie-und-umsetzung/reduzierung-des-flaechenverbrauchs/

https://www.umweltbundesamt.de/daten/flaeche-boden-land-oekosysteme/flaeche/siedlungs-verkehrsflaeche#zukunftige-entwicklung

https://www.bib.bund.de/DE/Fakten/Fakt/L50-Privathaushalte-Haushaltsgroesse-1991-Vorausberechnung.html

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Tür 22: Futurakalender – Impfen & Datenverarbeitung

Ich hatte hier vor einiger Zeit einen längeren Text in dem ich darstellte wie die Verschwörungsschwurbler uns allen die Chance nehmen Dinge auf gesunde Art kritisch zu sehen. Je näher die Impfungen rücken, umso schmerzhafter zeigt sich das. Denn die Desinformationskampagnen der „Verschwörer“ bleiben nicht folgenlos. Sie sind im Gegenteil höchst schädlich. Inzwischen wollen sich weniger als die Hälfte! der Deutschen überhaupt noch impfen lassen. Damit wäre eine Herdenimmunität unmöglich und Corona würde bleiben.

Dabei sind die Impfstoffe in der EU komplett normal zugelassen und umfangreich getestet worden. Alles spricht für eine hohe Wirksamkeit der Impfstoffe und bisher wurden nur normale Nebenwirkungen gefunden. Eine Impfung bringt das Immunsystem auf Touren, daher kann es logischerweise zu leichten Grippesymptomen kommen. Das ist letztlich sogar ein Zeichen für die Wirksamkeit und wer angeblich keine Angst vor Corona hat, sollte davor ja nun erst recht keine Angst haben.

Wir könnten im Angesicht dessen nun endlich die systematischen Probleme diskutieren: Warum war die Reaktion auf Corona so unkoordiniert? Ist es gesund, dass ein Mensch und seine Stiftung soviel Einfluss in der WHO hat? Warum hat überhaupt ein Mensch soviel Geld? Wer verdient jetzt die Milliarden an den Impfstoffen? Was wurde in den Milliardenverträgen zugesichert? Wieso sind die Superreichen um Jeff Bezos und co. in der Krise noch einmal sprunghaft reicher geworden? Was passiert eigentlich mit unseren sensiblen Daten? Wie schieben sich Politik und Pharmakonzerne gegenseitig Gelder und Personal zu?

All das sollten wir diskutieren. Aber werden wir nicht. Wir werden darüber diskutieren ob wir beim Impfen in den Cloud hochgeladen werden. Ob wir vom Impfen Autismus kriegen. (Nein, die angebliche Studie dazu war IMMER Blödsinn und die Daten frei erfunden) Ob Pharmakonzerne und Reiche, Kinder in Geheimlaboren zur Blutgewinnung missbrauchen.

Und damit sind die Verschwörungsschwurbler letztlich Steigbügehalter der tatsächlichen Seilschaften in Politik und Wirtschaft. Denn natürlich gibt es die, sie bleiben so aber schön im Verborgenen. Denn sie sind eben keine Verschwörung, sondern schlichter Lobbyismus und Vetternwirtschaft. A kennt B, B kennt C. A hat Pharmakonzern, B hat Geld, C hat Einfluss in der Politik. Das ist alles hochgeradig banal, weniger Tempelritter und mehr „Die Ritter der geschickten Verteilung von Staatsgeldern“. Aber es ist auf Dauer hochgeradig schädlich für freie Gesellschaften und muss daher dringend in das vielveschworene Licht der Öffentlichkeit. Nur sind wir halt viel zu beschäftigt damit über den kompletten Unsinn der Schwurbler zu diskutieren. Und der hört sich viel knalliger an als die Banalität der Realität.

Und wenn man so etwas kritisch anmerkt, läuft man permanent Gefahr von Schwurblern verfolgt, oder selber für einen Verschwörungstheoretiker gehalten zu werden. Dabei zeigt z.B. die Anstalt immer wieder eindrucksvoll wie die realen, ganz banalen Seilschafte eigentlich funktionieren.

Daher: Warum müssen wir eigentlich permanent Verschwörungen erfinden? Warum beschäftigen wir uns nicht mal mit den Seilschaften, die tatsächlich existieren?

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Tür 21: Futurakalender – BMW

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Tür 20: Futurakalender – Wir sind das Volkswagen

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Tür 19: Futurakalender – Plötzlich ergrünt – Shell und Greenwashing

Verzeiht, dass es am Wochenende so still war – ich brauchte mal ne Pause – dafür gibts heute 3 Grafiken zum Preis von einer. Greenwashing und andere Konzertricks. Also mal wieder so ein Thema was durch Corona verschüttet wurde. Ich denke zu VW und BMW muss ich nicht mehr viel sagen aber Shell ist tatsächlich sehr spannend – denn es ist ein absolutes Lehrstück über den Kampf um Symbole, der leider so häufig das eigentliche Ziel aus den Augen verliert – daher hier eine kurze Erklärung:

1995 wollte Shell die ausgediente Ölplattform Brent Spar im Atlantik versenken. Sie hatten nicht mit dem Proteststurm gerechnet, der getrieben durch Greenpeace (und leider auch durch eine von der Umweltorganisation verbreitete falsche Zahl über die Restmenge an Öl und Giften) zu weltweiten Boykotten führte.

Der Rest ist Geschichte: Shell musste am Ende klein beigeben, demontierte die Ölplattform an Land und versprach ein anderer, besserer und grünerer Konzern zu werden. Unter anderem investierte man in erneuerbare Energien, insbesondere die Solarenergie. Heute, rund 25 Jahre später, zeigt sich, dass das neue Image von Shell nichts als Greenwashing war. Noch immer macht Shell gigantische Gewinne mit der Erdölforderung und lässt sich nicht von Umweltschutzbedenken davon abhalten, in der Arktis zu bohren. Auch Menschenrechts- und Umweltschutzbedenken hindern den Ölriesen nicht daran, im Nigerdelta zu fördern, es großräumig zu verschmutzen, die halbe Regierung Nigerias zu schmieren und das Verschwinden von Umweltschutzaktivisten in Kauf zu nehmen.

Daneben ist Shell mit 31,95 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent seit 1965 das Unternehmen mit dem weltweit siebtgrößten CO2-Ausstoß. Und das Solargeschäft? Nun, der größte Teil davon wurde 2006 an die Solarworld AG verkauft. (Ich erinner übrigens noch wie ich damals die eigentlich guten Shell Solarmodule aus dem Katalog der Solarfirma geworfen habe, für die ich gearbeitet habe) Shell hatte also nie „verstanden“ – sie gaben immer nur vor, zu verstehen, und sind bis heute ein ganz gewöhnlicher und dreckiger Erdölkonzern geblieben, bei dem das grüne Deckmäntelchen nur ein Feigenblatt war.

Die Brent Spar zu versenken wäre übrigens bezogen auf die Firmenbilanz von Shell im Umweltbereich eine absolut zu vernachlässigende Aktion gewesen – es war ein Symbolkampf, dessen Folgen Shell auf lange Sicht vielleicht sogar geholfen haben dürften. Aber es konnten sich alle gut fühlen, etwas erreicht zu haben, indem sie eine Zeit lang mal woanders tankten und ansonsten am klima- und umweltzerstörenden Verhalten nichts änderten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Royal_Dutch_Shell#Unternehmensgeschichte

https://www.desmog.co.uk/2018/04/11/how-shell-greenwashed-its-image-internal-documents-warnedfossil-fuels-contribution-climate-change

https://www.theguardian.com/commentisfree/2019/jun/26/shell-not-green-saviour-death-machine-greenwashoil-gas

Tür 18: Futurakalender – Fast Fashion, wer macht den Gewinn?

Die Adidas-Aktie ist nahe am Allzeithoch, denn der Verkauf läuft trotz Corona gut – oder wegen, weil wir alle im Homeoffice rumgammeln und da trägt man nun mal eher leger…

…wer davon aber kaum profitiert sind die Arbeiterinnen. Die haben in der Coronakrise teilweise kaum genug zu essen. Denn immer noch is gerade die globalisierte Modeindustrie und Fast-Fashion einer der schlimmsten Ausbeuter weltweit von Mensch- und Natur.

Adidas ist dabei hier nur stellvertretend für die Branche. Tatsächlich ist Adidas selber sogar im Rahmen seiner Branche halbwegs okay. Es gibt zarte Ansätze der Zustimmung zu einem überfälligen Lieferkettengesetz und man achtet zunehmend auf gewissen Mindeststandards. Dies liegt natürlich vor allem daran, das Adidas viel zu verlieren hat und es sich erlauben kann.

Denn Adidas hat 2019 einen Milliardengewinn eingefahren. Trotzdem hat es 2020 zu Beginn der Coronakrise spontan keine Miete mehr für seine Stores gezahlt und erst ein gigantischer Shitstorm hat es zum Umdenken gezwungen.

Unternehmen sehen eben nur, was sie sehen wollen oder wozu sie gezwungen werden zu sehen. Und bisher funktionieren die Lieferketten wie stille Post: Egal was am Anfang war, der am Ende weiß von nix. Und während mancher Hersteller seine Hände in Blut badet – wäscht der Rest seine Hände in Unschuld.

Daher ist ein Lieferkettengesetz mehr als überfällig. Und es steht zu hoffen, dass Altmaier und die Lobby sich nicht durchsetzen (Warum eigentlich muss ich hier beinahe wöchentlich über ein weiteres Altmaier-Lobbydesaster schreiben?) Wer dabei mithelfen möchte das nicht der nächste zahnlose Papiertiger entsteht hat hier einen Link:

https://lieferkettengesetz.de/aktuelles/

Und ansonsten wählt dieses Altmaier, der gerade die Zukunft Deutschlands ruiniert und das Sprichwort „des Wahnsinns fette Beute“ ganz neu definiert – endlich ab wenn nächstes Jahr Wahl ist.

Viel nachhaltige und bezahlbare Fashion findet ihr hier unter „Klamotten“ – meine Empfehlung für Basics „Grundstoff“: https://www.captain-futura.de/2020/03/17/liste-von-200x-onlineshops-die-nicht-amazon-sind/

Danke und schönes Wochenende und wenn ihr euch gerade mal schlecht fühlt schaut einfach eure Adidas-Sneaker an und denkt einfach daran wie es jetzt wäre Näherin in Bangladesh zu sein. Wir leben hier in Deutschland größtenteils auf der Sonnenseite des Lebens.

Euer Captain Futura

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/textilbranche-in-der-corona-pandemie-naeherinnen-hungern-17102357.html

https://fashionunited.de/nachrichten/business/indonesien-beschwerdeverfahren-gegen-adidas-eingestellt-arbeiter-leidtragende/2020050435496

https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-01/adidas-kambodscha-produktion-textilindustrie-menschenrechte-eu-kommission/seite-2

Tür 17: Futurakalender – Veräppelt / Preise für Äpfel

War vor gar nicht so langer Zeit sogar Thema bei der Heute-Show – wie die großen 4 Lebensmittelketten und Discounter (REWE, Edeka, Aldi, Lidl) ziemlich schamlos ihre Lieferanten unter Druck setzen. Das kann dafür sorgen, dass Landwirte ihre konventionell für mindestens 40 Cent erzeugten Äpfel am Ende teilweise DEUTLICH unter dem Erzeugungspreis verkaufen müssen. Übrigens gerade in guten Apfeljahren, weil dann schnell ein Überangebot auf dem Markt ist. Das ist teilweise normales Marktgeschehen aber teilweise eben auch gerade nicht weil die „großen 4“ oder vielleicht eher „notorischen 4“ längst den Markt so gründlich beherrschen, dass sie unverhältnismäßig viel Druck ausüben können.

Es gibt einen einfachen Ausweg: Ab zum Wochenmarkt. Da sind Obst- und Gemüse meist eh frischer und günstiger, ihr bekommt sie unverpackt und dazu kauft ihr in Coronazeiten an freier Luft ein. Und der Bauer aus der Region kann von dem Leben, was er euch verkauft. Also quasi ein Win-Win-Win-Win. Vor allem kriegt man auf den meisten Wochenmärkten die meiste Zeit des Jahre tatsächlich Äpfel aus Deutschland und keine Globetrotter von der anderen Seite des Erdballs.

Meine Empfehlung dabei: Wer es sich leisten kann greift zu Bio oder wenigstens integriertem Anbau – denn was sich gerade beim Pestizidskandal in Südtirol gezeigt hat ist wirklich erschreckend.

Euer Captain Futura.

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/pestizide-apfelanbau-suedtirol-1.5087759
https://www.oekom.de/beitrag/gespritzte-aepfel-fuer-ganz-europa-141

https://taz.de/Einschuechterung-von-Umweltschuetzern/!5709829/

Tür 16: Futurakalender – Wie lang wäre ein Stau aus allen Autos des Landes?

Mir fällt immer wieder auf, dass viele Menschen sich schlicht nicht vorstellen können, dass wir so etwas wie den Klimawandel wirklich verursachen können. Denn irgendwie ist da diese Wahrnehmung: Wir sind so klein, die Erde so groß. Das stimmt, aber wir sind eben auch 7,7 Milliarden Menschen und in der Gesamtheit durchaus fähig, diesen Planeten großräumig zu verändern. Als Beleg einmal diese Grafik. Ich habe pro Auto im Stau fünf Meter Länge angenommen, die Autos stünden also fast Stoßstange an Stoßstange. Leider ist Wikipedia bei den Daten teilweise stark veraltet, daher habe ich diese mit vergleichsweise aktuellen Zahlen privater Statistikanbieter ergänzt.

Interessant ist, dass China inzwischen selbst die USA überrundet hat und den derzeit mit Abstand größten Automarkt darstellt. Die Gesamtzahl ist im Grunde schon veraltet, wenn dieses Buch erscheint. Allein 2018 wurden unfassbare 24 Millionen Pkw in China verkauft und ein Stau aus allen Autos Chinas würde dreimal zum Mond reichen. In Deutschland wurden in den letzten Jahren „nur“ noch um die 3,5 Millionen Autos zugelassen. Deutschland hat aber immer noch eine rund viermal so hohe Dichte an Autos pro Einwohner wie China. Hätte die ganze Weltbevölkerung so viele Autos wie Deutschland, könnten wir alle noch einmal Gas geben und dann vermutlich das Todesurteil für das Klima unterschreiben. In der EU ist der Verkehr für fast 30 Prozent der gesamten CO2-Emissionen verantwortlich, von denen 72 Prozent auf den Straßenverkehr entfallen. Vielleicht wäre es klüger, statt einen Stau bis zum Mond zu bilden mal ernsthaft Alternativen auszuprobieren.

https://www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/society/20190313STO31218/co2-emissionen-vonautos-zahlen-und-fakten-infografik

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/12131/umfrage/pkw-bestand-in-deutschland

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/321522/umfrage/indien-fahrzeugbestand/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/219928/umfrage/anzahl-der-pkw-in-china/

Weitere Quellen und Grafik im Buch „Grafiken für eine bessere Welt“ – https://www.m-vg.de/yes/shop/article/20212-grafiken-fuer-eine-bessere-welt/

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