Category: Hamburger Parks (page 2 of 2)

Botanischer Garten

Fragst du 10 Hamburger war mit Glück einer im botanischen Garten. Und zehn im Stadtpark. Und das gilt es zu ändern. Zwar wurde der Botanischer Garten wie das Volkssparkstadium Opfer einer sponsorenbasierten Umbenennung in Loki-Schmidt Garten und ich hab jetzt immer den hinterhältigen Loki aus den Thor Filmen von Marvel vor Augen, aber trotzdem bleibt er einer der schönsten Grünplätze Hamburgs. Sozusagen das bessere Planten & Bloomen. Genauso gratis (bzw. gegen Spende) Auch so ein bisschen Betoncharme. Aber der Charme wird deutlich größer geschrieben. Einen Bambuspfad der einfach mal mehr knallt als der gammelige Bambusrest der mir als solcher einst in China verkauft wurde. Ein Stück kanadisch-pazifischer Urwald der einen auch ohne Scotty kurz um den halben Erdball beamt. Und auch und gerade Ecken die so ein bisschen vergessen wirken, das Geld fehlt, Brücken sind wegen „Sicherheitsbedenken“ gesperrt (und wären vermutlich in jedem anderen Land der Welt weiterhin geöffnet, dehalb: …Schild? welches Schild?) und mir geht das Herz auf. Perfektion war nie mein Ding weil er keinen Raum lässt und der Botanischer Garten hat genau die richtige Balance zwischen geordneten Bereichen, Blütenmeer und verwunschenen und halb verwilderten Bachecken. Übrigens: Falls ihr die Tropengewächshäuser sucht, die sind in Planten & Bloomen. Dafür hat der botanische Garten das bessere Cafe.

Botanischen Garten hamburgisch erlebt

Mit der S-Bahn zur Station Klein Flottbek fahren. Am Eingang zum Botanischen Garten die Bronzestatue studieren, die vermutlich die einzige Bronzestatue der Welt ist, die tatsächliche eine Aussage hat außer „hier stehe ich, weil die Stadtverwaltung irgendwie Geld über hatte“. Circa 2 Stunden Zeit mitnehmen, beim Eintritt rechts rum, dann kommt das Highlight Bambusweg zuletzt. Unbedingt bei den Giftpflanzen vorbei, Schilder studieren, ein paar Inspirationen für den nächsten Thriller oder das nächste Trennungsvorhaben mitnehmen und sich danach ganz wunderbar lebendig fühlen.

Danach kommen so Rosen und ein Wüstenpavillon, das knallt jetzt vom Ding her nicht so, ruhig zügig weiter. Zwischendurch kommen noch Nutzpflanzen, das sagt mir was weil Essen und ich liebe Essen, aber vermutlich nicht für alle so spannend. Danach entweder illegaler Inselübertritt bei den Monsterkarpfenteichen, oder besser rechts rum, da kommt die Urwaldecke mit Holzstegen. Und wir lieben Holzstege. Weil das immer so ein bisschen Indiana Jones ist. Hach.

Das Pflanzensystem ist recht neu, gar nicht mal so uninteressant aber irgendwie noch nicht so richtig eingewachsen. Schöner ist es hinten rechts, da so den großen Bogen unbedingt durch Asien (deutlich geiler als in Planten & Bloomen), Fotofinger wundschießen, kurz über die Alpengipfel und ein paar Gemsen jagen, dann durch verwunschene Moore, Heideflächen, Wälder und entlang der Bachläufe. Eigentlich meine Lieblingsecke. Dann im Cafe schön Kaffee und Kuchen (ganz o.k. kann man echt machen) Duft- und Tastgarten ist im Arsch (Geld steckt in der Hafencity und der Elbphilharmonie, da kann man nix machen, Hamburger „Beton-first-policy“) und schließlich zum Abschluss den Bambusweg. Wer dann noch „richtige“ Natur will kann sich unter der Station Klein Flottbek durch fast lückenlos verlaufende und verwilderte Parks Richtung Elbe durchschlagen, sich am Strand ein Feierabendbier gönnen und mit der Fähre zurück Richtung Landungsbrücken. Da ist man dann aber auch fix und foxi wenn man ankommt…

Schanzenpark

Ein Park wie ein räudiger Straßenköter. Wer sich an einem schönen Sommerabend gerne mit Drogen eindecken möchte, um danach high am Fuße des Wasserturms zu der Musik aus circa 24 verschiedenen mitgebrachten Ghettoblastern vor und zurück zu wippen, ist hier genau richtig. Da aus unerfindlichen Gründen auf allen Ghettoblastern im Schanzenpark nur Elektro zu laufen scheint ist das Übersprechen der Boxen sogar nüchtern halbwegs erträglich.

Weniger erträglich sind die Müllberge nach Ende der Spontanraves, die am folgenden Tag zwischen Joggern und Hunden über Schanzenwiese und Wege verwehen bis die Stadtreinigung sich endlich erbarmt. Der Schanzenpark hätte so schön sein können, doch irgendein geldgeiles Mitglied des Hamburger Pfeffersackfilzes muss irgendwann auf die Idee gekommen sein den Wasserturm der majestätisch über allem thront in ein Mövenpick-Nobelhotel zu verwandeln. Jeder weiß, dass Mövenpick Eis viel zu süß ist und Mövenpick-Hotels viel zu teuer und so passierte was passieren musste: Dem Schanzenpark wurde für ein paar Milliönchen „unter Freunden“ das Herz entrissen. Statt eines möglichen Kulturzentrums sitzt hier nun die reiche Klasse in ihrem Raumschiff und schaut auf den Pöbel herab. Derweil kämpft sich unten die Polizei zwischen Alkis auf der sinnlosen Suche nach Drogen durch Büsche und fährt über den Hauptweg Streife. Übrigens haben die Reichen ihren eigenen Zugang von hinten durch die kalte Küche bei Umgehung des Parkes. Natürlich.

Kommen wir zum Positiven: Wirklich unsicher ist der Park nicht, die Drogendealer wollen sich ihr Geschäft nicht kaputt machen, auch spät nachts und allein hab ich nie wirklich unsicher gefühlt. Aber ich fühl mich auch sehr selten nachts unsicher, vielleicht bin ich kein guter Unsicherheits-Seismodingsbums. An dem Ende des Parks Richtung Planten & Bloomen, versteckt in den Bäumen, gibt es Fußballplätze. Im Cafe Sternchance kann man sich im netten Garten einen wirklich ordentlichen Mittagstisch gönnen, während die Kinder Backe-backe Kuchen spielen und Sand essen. Der Cappuccino ist auch ganz veritabel. Kurz hinterm Mövenpick-Hotel steht im Sommer entweder ein Zirkuszelt mit diversen auch kinderfähigen Veranstaltungen und Sommermärchen-Public-Viewing oder Freiluftkino ist angekündigt. Das Zirkuszelt ist ganz cool, das Freiluftkino säuft eigentlich Jahr für Jahr ab. It’s Hamburg, you know.

In Richtung Schanzenbahnhof gibts direkt vorm Schanzenbahnhof in Verlängerung des Parks die Kaffeetanten mit linker Gesinnung, gutem Kaffee und leckerem aber für die Post-Drogen-Fressattacke definitiv viel zu kleinem Quiche. Hier empfiehlt sich eher einen der jüngst exponentiell gewachsenen Falafelläden anzusteuern. Der Klassiker „Falafelstern“. Die waren vorher da. Sehr lecker auch Kimo. Der war zwar später da, aber seine Merguez- oder Shawarma-Teller sind in Sachen Preis-Geschmacks-Menge-Verhältnis schwer zu toppen. Ach so und irgendwo versteckt in den Bäumen gibt es noch so einen ganz coolen Fußballkäfig, ich sag aber nicht wo, da spiel ich manchmal und ich will nicht dass da noch mehr nervige Kinder aufkreuzen. Im Winter ist die Schanzenwiese an den seltenen Tagen spontaner Zusammenkunft von Schnee und kalter Witterung ein Schlitteneldorado für alle unter 7 und die sehr leicht Begeisterbaren und Faulen dadrüber. Also mich zum Beispiel. Wers härter braucht fährt Richtung Altona und Elbhang.

Schanzenpark hamburgisch erlebt

Am Falafelstern einen Sternfalafel holen (Das riesige Teil für 4€ mit allen Vorspeisen drin, auch mit Schawarma oder den Hackbällchen, die nie da sind, lohnt sich das, die eigentlichen Falafel sind öde) oder zu Kimo wenns ein Teller sein soll, bei den Kaffeetanten einen Cafe Togo, dann gemütlich durch den Park schlendern, nicht auf das „Alles gut“, „tsss, tsss…“ der Dealer reagieren, den Kroaten bei ihrem ominösen Boule-Boccia-Derivat zuschauen und schließlich am ewigen Feuer der Rastafaris beim Spielplatz die Hände wärmen. Es geht übrigens die Legende um, dass an dem Tag an dem das Feuer der Rastafaris ausgeht und sie aufhören zu tanzen, Störtebecker wieder aufersteht und Olympia nach Hamburg bringt.

 

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