Tag: Politik (page 1 of 2)

John McEnroe und die Frauen: Ganz großes Medientennis.

Mal in Sachen Shitstorm und Medien ein schönes Beispiel. Ein Interview mit John McEnroe.

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Garcia-Navarro: We’re talking about male players but there is of course wonderful female players. Let’s talk about Serena Williams. You say she is the best female player in the world in the book. Ein Interview mit John Mc Enroe

McEnroe: Best female player ever — no question.

Garcia-Navarro: Some wouldn’t qualify it, some would say she’s the best player in the world. Why qualify it?

McEnroe: Oh! Uh, she’s not, you mean, the best player in the world, period?

Garcia-Navarro: Yeah, the best tennis player in the world. You know, why say female player?

McEnroe: Well because if she was in, if she played the men’s circuit she’d be like 700 in the world.

Garcia-Navarro: You think so?

McEnroe: Yeah. That doesn’t mean I don’t think Serena is an incredible player. I do, but the reality of what would happen would be I think something that perhaps it’d be a little higher, perhaps it’d be a little lower. And on a given day, Serena could beat some players. I believe because she’s so incredibly strong mentally that she could overcome some situations where players would choke ’cause she’s been in it so many times, so many situations at Wimbledon, The U.S. Open, etc. But if she had to just play the circuit — the men’s circuit — that would be an entirely different story.

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Für dieses Interview hat John McEnroe einen veritablen Shitstorm bekommen. Was ist passiert: Die Interviewerin fängt selber an (auf Basis eines Buchzitats) Tennis in Männer und Frauen zu trennen um dann John McEnroe dafür zu kritisieren, dass er schlicht da weiter macht. Sie fragt dann so lange weiter bis sie eine knallige Headline hat. Diese Headline wird natürlich von the Win genutzt und der Rest des Interviews verschwindet in der medialen Spirale komplett. Was bleibt? „if she played the men’s circuit she’d be like 700 in the world.“ Dieser Satz verbreitet sich weltweit und schließlich setzt Serena Williams wütende Tweets ab. Weil, muss ja. John McEnroe entschuldigt sich ein wenig (aber zum Glück nur halb) und die Sache ebbt ab. Das faszinierende: In dem kompletten Interview finden sich eigentlich nur lobende fast schon bewundernde Worte über Serena Williams. Und der durch die Interviewführung fast schon erzwungene aber sachlich vermutlich korrekte Hinweis, dass Serena Williams im Männertennis lange nicht so weit oben stehen würde. Was ungefähr so ist als würde man sagen, dass ein Mittelgewichtsboxer im Schwergewicht vermutlich nicht Weltmeister wäre – aber in seiner Gewichtsklasse trotzdem der beste Boxer oder die beste Boxerin aller Zeiten. Ich finde das spannend weil es einerseits zeigt wie Medien Diskurse gezielt in die Eskalation bringen und andererseits ein großer Teil der Öffentlichkeit (also von uns) Menschen nur nach ihren Leistungen bewertet. Wäre unser erster Leitsatz im Kopf „Jeder Mensch ist unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe und wasauchimmer gleich viel wert“ könnten wir auch akzeptieren dass Frauentennis einfach eine andere Klasse ist als Männertennis. Es genauso wertschätzen und die mentale und körperliche Leistung der Frauen bewundern. Da aber offensichtlich der Satz in unserem Kopf ist „Ein Mensch der mehr leistet ist auch mehr wert“ bauen wir uns ein Hilfskonstrukt und behaupten einfach dass z.B. Serena Williams auch im Männertennis Nr. 1 wäre. Da es nie wirklich getestet wurde haben wir anscheinend die Situation einer Schrödingerisches Tennisspielerin. Serena Williams ist vielleicht die Nr. 1 im Männertennis vielleicht aber auch die Nr. 700. Ganz tief hinten im Kopf sagt uns aber etwas, dass sie vermutlich deutlich näher bei der 700 als bei der 1 ist. Aber das wollen wir nicht hören weil wir Menschen nach Leistung werten, aber inzwischen endlich und zum Glück gelernt haben, dass Frauen und Männer gleich viel wert sind. Eine der Annahmen kann dann nicht stimmen und unsere kapitalistische Leistungswertlogik ist unbewusst und wir wollen sie nicht hinterfragen. Also überschütten wir lieber John McEnroe mit Häme und Kritik um wieder ein konsistentes Weltbild zu haben. Scheißmacho, alter Knochen, Sexist. Die eigentlichen ungerecht wertenden waren aber wir. Denn das Frauentennis ist selbstverständlich genauso spannend, faszinierend und eine sportliche Ausnahmeleistung wie das Männertennis. Und es käme auch niemand auf die Idee im Boxen die Gewichtsklassen abzuschaffen oder zu sagen: „Er hat ja heute den Weltmeistertitel im Weltergewicht gewonnen aber das ist ja eigentlich nichts wert, denn er würde ja gegen jeden Schwergewichtsboxer verlieren!“ Wer anderer Ansicht ist kann eigentlich konsequenterweise nur dafür plädieren Männer und Frauentennis zusammenzulegen.

Daher man kann es glaube ich nicht oft genug wiederholen: EIN MENSCH IST EIN MENSCH. UND IMMER GLEICH VIEL WERT. Trotzdem gibt es Unterschiede und es ist sinnvoll diese zu sehen statt sie schlicht zu negieren. Denn ansonsten gewinnt am Ende keiner. Auch nicht Serena Williams im Männertennis.

Außen schön braun – Horst Seehofer

Das ist ja das absurde an Horst: Man wird den Verdacht nicht los, dass all das populistische angebräunte Draufgehaue, die ganze AfD-Mimikri doch nur Taktiererei ist. Wie man überhaupt bei Horst diesem bayrischen Biergarten-Machiavelli keinen Verdacht so richtig los wird. Man fragt sich ja ob Horst Seehofer am Abend eines ereignisreichen Tages noch weiß ob er Horst Seehofer ist. Horst Seehofer ist wie eine Weißwurst, die sich auf den Grill legt, weil nun mal gerade außen leicht braun „in“ ist. Und dann platzt sie ständig weil sie so dunnhäutig ist. Das sollte einfach nur lächerlich sein. Dummerweise ist dieser Horst Seehofer aber Innenminister und wird mit seinem populistischem Möchtegern-braungetue zum Steigbügelhalter für Menschen, die die fanatisch-reaktionäre Scheiße tatsächlich glauben. Denn die schaffen es nie allein an die Macht.

Sie brauchen Idioten wie Horst, die im Herzen höchstens an sich selber glauben aber für genau dieses „ICH!“ bereit sind alles zu opfern. Die sich bräunen weil sie meinen es zu müssen. Menschlichkeit, Glaubwürdigkeit, Demokratie, alles wird in diesem Zuge eiskalt mitbeerdigt. Menschen wie Horst zerstören im Vorbeigehen das Vertrauen in Politik und Demokratie, behaupten aber steif und fest es zu retten und endlich aufzuräumen. Mit irgendwas. Hauptsache aufräumen und irgendwie harte Kante. Also heute da so harte Kante und morgen woanders. Mit glasklaren Positionen im Trüben fischen. Hintenrum dreckige Deals aber die Unschuld vom Lande im Nachinterview mimen. Menschen wie Horst können auch nur von Menschen abgelöst werden, die mindestens genauso falsch spielen wie sie.

So folgt folgerichtig Söder auf Seehofer. Ein Söder, der fast noch durchtriebener ist und sich bemüht seinen Ex-Chef noch rechts zu überholen. Auf dem Standstreifen vorbeizieht und Kreuze zu Islamaustreibung und Atheistenbestrafung aufhängen lässt während der Rest der Republik hilflos dem Schauspiel namens „Die Geißel Deutschlands – CSU“ zuschaut. Schön ist, dass jetzt viele Kommentatoren sagen, dass das doch gut wäre: Eine bundesweite CSU, die endlich wieder wirklich konservative Positionen besetzt, die angeblich von der CDU vorsätzlich geräumt wurden. Dumm ist nur, dass was der CSU-Männerbund unter „konservativ“ versteht, mit „reaktionär“ noch freundlich umschrieben ist. Merkel hat ehemals konservative Positionen ja nicht grundlos geräumt, sie hat nicht selten versucht sie gegen den Strom der Zeit noch so lange wie möglich aufrecht zu erhalten.

Atomkraft beenden, Homo-Ehe einführen, Menschen-nicht-ersaufen-lassen war ja nicht progressiv sondern folgerichtig. Merkel hat sich bei all diesen Entscheidungen nicht als Gestalterin hervorgetan aber sie hat eben auch nicht den Horst gegeben und die Zeichen der Zeit zumindest nicht völlig ignoriert. Die CSU-Komödientruppe hat in derselben Zeit mit Mütterrente, Mautdesaster und diversen am Bundesverfassungsgericht gescheiterten Dilettantengesetzen sogar handwerklich armselige Showpolitik gemacht.

Wenn das konservativ war, heißt konservativ dann unfähig, ungeeignet, unzurechnungsfähig? Dabei gäbe es viele konservative Positionen, die zu besetzen es lohnen würde: Strukturen auf dem Land erhalten, sinnlose Zersiedelung und Landschaftszerschandelung durch ständig neue Gewerbegebiete beenden, alte Handwerksberufe unterstützen, steuerflüchtige Großunternehmen und Großreiche wirksam an ihre Pflichten erinnern, tatsächlich mal den Mittelstand fördern (und nicht Großkonzerne, aber behaupten man würde den Mittelstand fördern).

Man könnte Förderprogramme für gute Landgasthöfe und Biergärten auf dem Land auflegen. Man könnte Strukturvielfalt in der Landwirtschaft fördern. Kleine lokale Brauereien unterstützen. Genossenschaften aus aufrechten bayerischen oder deutschen Bürgen staatlich unter die Arme greifen. Aber an all dem hat die CSU-Bundesspitze kein Interesse. Da zieht man sich lieber einmal im Jahr Lederhose an, faselt irgendwas von Brauchtum und Traditionen und macht im Rest des Jahres Politik auf Kosten des Bürgers und des Restes der Republik. Denn das ist ja das furchtbar nervige an der Situation. Eine ganze Bundesrepublik, in der viele Länder zeigen wie es anders geht, muss hilflos die Bayerischen Extrawürste ertragen weil die Union das irgendwann mal entschieden hat.

In Schleswig-Holstein führt ein konservativer Politiker eine fast geräuschlose schwarz-grün-gelbe Regierung, die nach Lösungen und nicht nach Problemen sucht, aber in den Medien inszeniert Horst seinen angeblichen Rücktritt und die AfD steigt in den Umfragen. In Hamburg arbeiten rot-grün sachlich und größtenteils konstruktiv zusammen aber in den Medien inszeniert Horst Seehofer seinen Rücktritt vom Rücktritt und die AfD steigt in den Umfragen. Aus Bremen ist schon länger kein Finanzdesaster mehr zu hören, überhaupt geht es Deutschland wirtschaftlich glänzend aber in den Medien inszeniert Horst Seehofer inzwischen gewohnt durchtrieben seinen Anti-Asyl-Plan (der so nicht mit der SPD abgestimmt ist) und die AfD steigt in den Umfragen. In Mecklenburg nimmt das Leben seinen Lauf, in Niedersachsen auch, in Berlin wird der BER von VW als Lagerplatz zwischengenutzt, die Kriminalitätsstatistiken sind deutschlandweit so niedrig wie lange nicht und Horst freut sich öffentlich dass an seinem 69ten Geburtstag 69 Afghanen abgeschoben wurden, nennt Victor Orban einen super Kumpel und ist mit Salvini und Kurz per Du. Und die AfD steigt in den Umfragen.

Horst Seehofer, ein Mann in seinen besten Trump-Jahren. Man müsste den Hit von Udo Jürgens umschreiben. Mit 69 Jahren fängt das Politikerleben an, mit 69 Jahren ist noch lang noch nicht Schluss. Da kann man noch locker zehn Jahre lang Demokratien zersetzen, Politikverdrossenheit fördern, hübsch entmenschlichte Wörter wie „Asyltouristen“ prägen und die Bürger immer schön mit der Nase in jeden Haufen Wohlfühlscheiße am Wegesrand stoßen. Damit er nicht auf die Idee kommt sich umzuschauen und zu sehen wie schön das so vor sich hinblüht. Wie reich wir sind. Wie viel wir zu verlieren haben. Was für dringendere Probleme wie z.B. den Klimawandel es gibt. Wir sollten uns langsam überlegen wie lange wir noch zuschauen wie der Club der Rentner unsere westlichen Demokratien zersetzte. Aber was sage ich „wir“. Wir haben Horst ja nie gewählt. Wir stehen da als hilflose Zaungäste und weinen Tränen der Wut über die bayerische CSU-Extrawurst.

Also: Hallo Bayern, ihr habt da demnächst Landtagswahl, wäre es euch vielleicht einmal möglich über Alternativen nachzudenken? Und damit meine ich nicht DIE Alternative. Die ist auch nicht anders als der CSU-Bundesvorstand nach 4 Mass auf dem Oktoberfest. Damit meine ich mal in Parteiprogramme reinschauen und selber nachdenken. Sich mal fragen ob man wirklich mit dem nächsten Horst das bayerische Wesen komplett lächerlich machen möchte. Ich verspreche auch keine Weißwürste mehr zu grillen. Oder nach 12 zu essen. Und vielleicht trink ich sogar mal eine gute Mass bayrisches Bier, obwohl mir ein herbes norddeutsches Pils normalerweise eher zusagt. Nur erspart uns in Zukunft Menschen vom Schlage Horsts. Und lieber Horst Seehofer, um wie du mit einem falschen jovialen Lächeln, aufgesetzter Ehrlichkeit und den Diktum eines ehemaligen Außenministers zu schließen: „Mit Verlaub, Herr Innenminister, Sie sind ein Arschloch!

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