Category: Politik (page 1 of 2)

Wem gehört die Stadt?

Du hast vielleicht einen Aushang gefunden oder bist über Social Media auf dieser Seite gelandet und ich suche deine Geschichte. Wie viele andere suchst du ein bezahlbares Heim in Hamburg. Und wie ich und viele andere wirst du gemerkt haben wie sich die Spirale aus Spekulation, Geldgier, Aufwertung, Zuzug und Anlageobjekt immer schneller dreht. Wie die Stadt immer mehr zu einem Ort wird, der rein dem Geld zu dienen scheint und die Menschen darüber vergisst, die ihn überhaupt erst lebenswert und zu etwas Besonderem machen. Wie immer mehr Menschen von der Fliehkraft dieser Bewegung in das gesellschaftliche Abseits gedrängt werden.

Um die Menschen wieder in den Mittelpunkt zu rücken suche ich deine Geschichte. Um sie der Stadt zurück zu geben. Warum bist du auf der Suche? Warum ist es so schwer eine Wohnung zu finden? Was war dein absurdestes Erlebnis bei der Wohnungssuche? Ich werde alle Geschichten dokumentieren und anonymisiert in diesem Blog sammeln. Am Ende werde ich die eindrucksvollsten zu einem Song verdichten und verbreiten. An dieselben Laternenpfähle und Ampeln hängen an denen die Wohnungssuchen der Verzweifelten hängen. Du kannst auch mit dem Hashtag #diestadt bei Twitter oder Instagram posten. Das kriege ich auch mit.

Denn ich bin überzeugt dass es einen anderen Weg gibt als den, den Hamburg mit seiner fast unbegrenzt wachsenden Stadt geht. Letztendlich tut Hamburg damit nichts anderes als das Monster immer weiter zu füttern und größer werden zu lassen. Wie es anders geht zeigt Wien. Wien hat schlicht durch einen sehr hohen Anteil an genossenschaftlichem Wohnraum dafür gesorgt, dass ein großer Teil des Wohnens dem Markt entzogen wurde. Mit durchschlagendem Erfolg. Bis heute sind die Mieten in Wien trotz der hohen Lebensqualität fast durchgehend günstig und steigen kaum an. Die deutsche Politik dagegen zuckt entweder die Achsel oder versucht mit untauglichen Werkzeugen wie der Mietpreisbremse Schönheitskorrekturen zu machen während die Investoren nur müde lächeln. Klar, auch in Wien ist nicht alles perfekt (zum Beispiel fehlt hier am unteren Ende sozialer Wohnraum) aber es zeigt dass es auch anders geht.

Wenn du mir deine Geschichte schreiben willst wie du bei der absurden Wohnungsbesichtigung warst, wo die Leute bis auf die Straße standen und der Makler wie üblich scheißunfreundlich, wie du deine Wohnung nach der xten Mieterhöhung verloren hast, oder, oder, oder….freue ich mich. Und vielleicht wird ein Song daraus. (Natürlich verwende ich alles anonym) Dein „Captain Futura“ alias „Jörn macht Musik“. Schreib mir auf Facebook:

https://www.facebook.com/joernmachtmusik/

oder auch gerne per Mail an jpb(add)einmannmusik.de

Denn Wir sind #diestadt

Artikel zum Thema:

https://www.berliner-zeitung.de/berlin/berlin-4-millionen/von-wien-lernen-wie-sich-preiswertes-wohnen-in-zukunft-organisieren-laesst-31604122

Angela

Du lächelst. Aber ich sehe kein Lächeln. Ich sehe ein Maske. Und dahinter? Die ideen- und visionslose Leere einer Zeit in der sich die Politik längst zum Erfüllungsgehilfen des Status Quo gemacht hat des „irgendwie-weiter-so“. Du hast ein Monster geschaffen Angela. Ein Monster, dass sich Realpolitik nennt. Ein Monster, dass alle Visionen, Ideen und Richtungen mit einem Lächeln frisst und doch gesichtslos bleibt. Aber du sitzt einfach da, lächelst und sagst dass doch alles gut ist und dass es uns gut geht. Nein Angela, nichts ist gut. Gar nichts. Es geht mir auch nicht gut. Doch, vielleicht geht es mir gut. Eigentlich sogar sehr gut. Aber da draußen vor der Tür sind hunderttausende, Millionen, Milliarden Menschen denen geht es gar nicht gut und denen wird es noch viel schlechter gehen. Genau wie uns.

Da draußen sind Menschen die reißen sich den Arsch auf für Ihren Lebensunterhalt in Jobs, die ich selbst mit zehntausend Miese auf dem Konto nicht freiwillig machen würde. Da draußen sind Menschen die denken sie haben eine Chance aber sie haben gar keine, alles was da ist ist eine weichgespülte Seifenblase der Versprechungen eine Fata Morgana eines irgendwie besseren Lebens, das mit jedem vierhunderteurojob nur noch weiter wegrückt. Da draußen ist ein Planet der allmählich durchgegrillt wird während du wie eine Gallionsfigur auf einem verchromten Kühlergrill mit einem Lächeln alle Klimaschutzanstrengungen der letzten Jahre zunichte machst. Arbeitsplätze bei deutschen Großwagenherstellern retten damit wir deutschen nicht zu einem Volk von Kleinwagenfahrern verkommen. Aber hey mach dir keine Sorgen, hat doch keiner gemerkt.

Als du das erste mal gewählt werden solltest erschienst du mir irgendwie nicht fassbar, wie eine weiße Wand. Leider lag ich damit vollkommen richtig. Du bist wie eine weiße Wand. Eine Wand auf die jeder seine kleinbürgerlichen Wünsche von Ruhe, Nichveränderung und Geborgenheit projezieren kann. Und ein Lächeln von dir dazu. Aber diese Welt ist nicht geborgen. In dieser Welt wird schon unser seelig verdummtes Lächeln von der NSA überwacht und sollten wir mal nicht mehr seelig dumm lächeln erst recht. Und diese Welt verändert sich, jeden Tag, jede Minute, jede Sekunde. Und du? Du verwaltest Realpolitik. Beim Amt wärst du vielleicht meine liebste Sachbearbeiterin, weil du so verlässlich wärst und meinungsfrei. Nur als Kanzlerin in einer Zeit in der es uns nur noch zufällig gut geht bist du völlig fehl am Platze.

Denn das ist es ja: Eine Reihe von glücklichen Zufallen durch die es uns noch gut geht. Eine gigantische Chance, eine Verantwortung die wir nutzen müssten. Um etwas zu tun! Etwas zu verändern. Nicht um etwas zu verwalten. Dieses eine Mal könnte Deutschland seiner Verantwortung gerecht werden, nicht durch Großmannstum oder Besserwisserrei sondern durch vorbildliches Handeln. Indem wir zu unseren Werten stehen. Weil wir es uns leisten können! Indem wir keine Panzer nach Saudi Arabien, Indonesien  oder wohin auch immer verkaufen. Weil wir das nicht nötig haben. Und die Energiwende, eine ganze Welt schaut auf uns und fragt sich ob wir die Energiewende schaffen und was machen wir? Kurz vor dem Ziel fangen wir an uns nur noch irgendwie durchzuwurschteln, uns im Kleinklein zu verirren. Aus Angst vor dem Bürgerzorn wird alles nur noch halb gemacht oder verschleppt oder gar nicht, mutwillig gekürzt, pervertiert, die Großbetriebe befreit und am Ende kann man dann sagen: „Hätte eh nicht funktioniert“ Doch, es hätte funktioniert und es wird funktionieren. Aber ohne dich, dafür mit Menschen die davon eine Vision habe für das Danach.

Ich habe dich beim TV-Duell gesehen. Auch wenn ich mich an keine einzige Aussage von dir erinnern kann habe ich dich gesehen. Und für einen Moment sogar den Mensch Angela. Als du Peer von der Seite angesehen hast. Wenn Blicke töten könnte er wäre augenblicklich mit einer schweren Herzattacke zu Boden gesunken. Aber Alice Schwarzer sagt du hättest ihn so interessiert und nett von der Seite angesehen. Alice Schwarzer, die offensichtlich irgendjemand mal in einer Talkshow vergessen hat und jetzt sitzt sie da, ernährt sich zwischen den Auftritten von Schnittchen und sagt ab und zu zu einem beliebigen Thema dass die Angela doch symphatisch rüberkommst. Die Angela, die die Herdprämie verwurstet hat, die eine klare Quotenregelung für Frauen in Vorstandsetagen verhindert hat. Die Angela, die damit die Schuld daran trägt, dass Frauen die nicht noch härter als die Männerwelt sein wollen es weiterhin nicht dorthin schaffen, wo sie eine wirkliche Bereicherung wären. Nicht als Frauen, sondern einfach als Menschen denen Konkurrenz, Machtgehabe und eiskaltes Abservieren der Konkurrenz nicht alles ist. Du dagegen bist oben, ganz oben. Ohne Quote. Und dein Blick war nicht nett. Er war eiskalt. Er hat gesagt: “ Was maßt sich dieser unwichtige Fettnäpchentreter, dessen Name ich nicht einmal nenne, an, mir hier tatsächlich Paroli bieten? Mit Sachargumenten zu kommen?“ Du hast dir vorgestellt wie du ihne genauso abservieren wirst wie all die unglücklichen Männergestalten aus deinem Kabinett. Jung, Guttenberg, Röttgen, Wulff. Bei dir ist kein Platz für eigenen Machtanspruch oder Dissenz. Nur für Machtanspruch von deinen Gnaden bei uneingeschränkter Folgsamkeit bei deiner Irrfahrt ohne Kompass durch die Stürme der Globalisierung.

Dieses Land leidet unter Merkelismus, unter akuter Visionslosigkeit. Ein neues Biedermeier der Politik, das sich irgendwie schön anfühlt aber das wir uns überhaupt nicht leisten können.
Du bist der Wärmetod der Demokratie – indem du jede Position kassierst und hinweglächelst werden die überlebenswichtigen Anstöße und Bewegungen abgefangen bis nur noch ein leichtes Zittern bleibt und tönende Stille der Meinungslosigkeit. Wie in einem Kopfhörer mit Noise Cancelling Technologie setzt du jeder klaren Aussage eine annähernd ähnliches aber komplett folgenloses Statement entgegen, was bleibt ist einlullende Fahrstuhlmusik und zwischendurch die Ansage, dass doch alles gut ist und wir uns entspannen sollen.

Die Sueddeutsche hat jüngst Politiker gefragt ob sie über eine rote Ampel gehen würden, wenn es niemanden gefährdet. Aber du Angela, du würdest niemals über eine rote Ampel gehen aber über jede grüne. Egal wo sie dich hinführt. Nichts ist gut Angela. Aber du lächelst.

John McEnroe und die Frauen: Ganz großes Medientennis.

Mal in Sachen Shitstorm und Medien ein schönes Beispiel. Ein Interview mit John McEnroe.

………………..

Garcia-Navarro: We’re talking about male players but there is of course wonderful female players. Let’s talk about Serena Williams. You say she is the best female player in the world in the book. Ein Interview mit John Mc Enroe

McEnroe: Best female player ever — no question.

Garcia-Navarro: Some wouldn’t qualify it, some would say she’s the best player in the world. Why qualify it?

McEnroe: Oh! Uh, she’s not, you mean, the best player in the world, period?

Garcia-Navarro: Yeah, the best tennis player in the world. You know, why say female player?

McEnroe: Well because if she was in, if she played the men’s circuit she’d be like 700 in the world.

Garcia-Navarro: You think so?

McEnroe: Yeah. That doesn’t mean I don’t think Serena is an incredible player. I do, but the reality of what would happen would be I think something that perhaps it’d be a little higher, perhaps it’d be a little lower. And on a given day, Serena could beat some players. I believe because she’s so incredibly strong mentally that she could overcome some situations where players would choke ’cause she’s been in it so many times, so many situations at Wimbledon, The U.S. Open, etc. But if she had to just play the circuit — the men’s circuit — that would be an entirely different story.

………………..

Für dieses Interview hat John McEnroe einen veritablen Shitstorm bekommen. Was ist passiert: Die Interviewerin fängt selber an (auf Basis eines Buchzitats) Tennis in Männer und Frauen zu trennen um dann John McEnroe dafür zu kritisieren, dass er schlicht da weiter macht. Sie fragt dann so lange weiter bis sie eine knallige Headline hat. Diese Headline wird natürlich von the Win genutzt und der Rest des Interviews verschwindet in der medialen Spirale komplett. Was bleibt? „if she played the men’s circuit she’d be like 700 in the world.“ Dieser Satz verbreitet sich weltweit und schließlich setzt Serena Williams wütende Tweets ab. Weil, muss ja. John McEnroe entschuldigt sich ein wenig (aber zum Glück nur halb) und die Sache ebbt ab. Das faszinierende: In dem kompletten Interview finden sich eigentlich nur lobende fast schon bewundernde Worte über Serena Williams. Und der durch die Interviewführung fast schon erzwungene aber sachlich vermutlich korrekte Hinweis, dass Serena Williams im Männertennis lange nicht so weit oben stehen würde. Was ungefähr so ist als würde man sagen, dass ein Mittelgewichtsboxer im Schwergewicht vermutlich nicht Weltmeister wäre – aber in seiner Gewichtsklasse trotzdem der beste Boxer oder die beste Boxerin aller Zeiten. Ich finde das spannend weil es einerseits zeigt wie Medien Diskurse gezielt in die Eskalation bringen und andererseits ein großer Teil der Öffentlichkeit (also von uns) Menschen nur nach ihren Leistungen bewertet. Wäre unser erster Leitsatz im Kopf „Jeder Mensch ist unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe und wasauchimmer gleich viel wert“ könnten wir auch akzeptieren dass Frauentennis einfach eine andere Klasse ist als Männertennis. Es genauso wertschätzen und die mentale und körperliche Leistung der Frauen bewundern. Da aber offensichtlich der Satz in unserem Kopf ist „Ein Mensch der mehr leistet ist auch mehr wert“ bauen wir uns ein Hilfskonstrukt und behaupten einfach dass z.B. Serena Williams auch im Männertennis Nr. 1 wäre. Da es nie wirklich getestet wurde haben wir anscheinend die Situation einer Schrödingerisches Tennisspielerin. Serena Williams ist vielleicht die Nr. 1 im Männertennis vielleicht aber auch die Nr. 700. Ganz tief hinten im Kopf sagt uns aber etwas, dass sie vermutlich deutlich näher bei der 700 als bei der 1 ist. Aber das wollen wir nicht hören weil wir Menschen nach Leistung werten, aber inzwischen endlich und zum Glück gelernt haben, dass Frauen und Männer gleich viel wert sind. Eine der Annahmen kann dann nicht stimmen und unsere kapitalistische Leistungswertlogik ist unbewusst und wir wollen sie nicht hinterfragen. Also überschütten wir lieber John McEnroe mit Häme und Kritik um wieder ein konsistentes Weltbild zu haben. Scheißmacho, alter Knochen, Sexist. Die eigentlichen ungerecht wertenden waren aber wir. Denn das Frauentennis ist selbstverständlich genauso spannend, faszinierend und eine sportliche Ausnahmeleistung wie das Männertennis. Und es käme auch niemand auf die Idee im Boxen die Gewichtsklassen abzuschaffen oder zu sagen: „Er hat ja heute den Weltmeistertitel im Weltergewicht gewonnen aber das ist ja eigentlich nichts wert, denn er würde ja gegen jeden Schwergewichtsboxer verlieren!“ Wer anderer Ansicht ist kann eigentlich konsequenterweise nur dafür plädieren Männer und Frauentennis zusammenzulegen.

Daher man kann es glaube ich nicht oft genug wiederholen: EIN MENSCH IST EIN MENSCH. UND IMMER GLEICH VIEL WERT. Trotzdem gibt es Unterschiede und es ist sinnvoll diese zu sehen statt sie schlicht zu negieren. Denn ansonsten gewinnt am Ende keiner. Auch nicht Serena Williams im Männertennis.

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