Kategorie: Radfahren (Seite 2 von 8)

Radwege-Neubau in Berlin unter Schwarz-Rot

CDU und SPD sind in Berlin angetreten um endlich mit dem Chaos aufzuräumen. Und den „Kampf“ zwischen den Verkehrsträgern – vor allem Rad und Auto – zugunsten eines „friedlichen Miteinanders“ zu beenden.

Das erste ist ein bisschen lustig, weil mindestens die SPD das chaotische Berlin in den letzten naja bald schon Generationen maßgeblich verursacht hat.

Das zweite lässt aufhorchen und man fragt sich wie das gemeint ist. Vor allem wenn Kai Wegner sagt: „Ich will keine Radwege, mit denen man Autos mutwillig ausbremst“ und das der Raum doch „fair verteilt werden müsste“.

60 % der Verkehrsfläche gehören in Deutschland maßgeblich den Autos. Für die Radfahrer sind ganze 3 % reserviert. Also zumindest wenn da nicht gerade ein Kurzzeitparker mit Warnblinkern steht.

„Fair verteilen“ müsste dann ja eigentlich bedeuten, dass in Berlin unter Schwarz-Rot wie wild neue Radwege gebaut werden müssten. Auch die neue Verkehrssenatorin versprühte anfangs bei der Präsentation der Regierungsvorhaben konziliante Energie.

Und dann? Dann beganne die Rollbackfestspiele.

……………..

Akt 1. Die CDU öffnet die Friedrichsstraße sofort wieder für Autos und schickt eine Anordnung an alle Bezirke ALLE Radwegplanungen auf Eis zu legen bei denen auch nur ein Parkplatz in Gefahr ist oder Autospuren wegfallen. Es ist dabei unklar, ob das nur Radwege in der Planung, in welchem Planungsstadium, oder sogar im Bau betrifft.

Akt 2. Es gibt einen Aufschrei, plötzlich ist nicht mehr von einem Parkplatz die Rede, sondern von einer definierten Anzahl von Parkplätzen auf einer bestimmt Länge des Radwegs. Weiterhin ist unklar welche Radwege betroffen sind, aber angeblich wohl nur Radwege in Planung. Die Bezirke sind verwirrt.

Akt 3. Jetzt heißt es plötzlich Radwege, die hauptsächlich der Sicherheit von Schulkindern dienen, sollen weitergeplant werden. Niemand weiß, welche das sind. Die Bezirke sind verwirrt.

Akt 4. Offensichtlich werden auch Radwege im Bau und sogar komplett fertige Radwege gestoppt. Ein Radweg in Reinickendorf mit einer CDU-Verkehrsstadträtin wird – gerade für 280.000 € fertig gestellt – wieder abgeschafft und überklebt. Er ist zu 3/4 durch Fördergelder vom Bund bezahlt und die müssten zurückgezahlt werden. Die CDU geht auf Nachfrage auf Tauchstation. Die Bezirke sind verwirrt.

Akt 5. Es kommt raus, dass mit dem Einfrieren der teilweise schon Jahre laufenden Radwegplanungen Millionen von Fördergeldern in Gefahr sind, entweder neu beantragt oder zurückgezahlt werden müssten. Ziemlich viel Schaden um nach CDU-Aussage „die Planungsprozesse zu überprüfen“. Es gibt eine Anhörung, die CDU wirkt verwirrt.

Akt 6. Das Mobilitätsgesetz hat Schwarz-Rot zwar gestoppt, aber trotzdem könnte das Vorgehen der CDU den Gesetzen widersprechen. Jetzt sind alle verwirrt – Berlin im kompletten CDU-Verkehrschaos.

to be continued.

……………….

Ich möchte an dieser Stelle anmerken: Eingebrockt hat Berlin dieses Desaster – neben offensichtlich ideologisch getriebenen und überforderte CDU-Politikerinnen und Politikern – die Giffey-SPD.

Wer mitbekommen hat, wie Giffey klammheimlich die A100 weitergetrieben hat und mit großen Teilen ihrer SPD permanent bei Radwegausbau und co. auf der Bremse stand, hätte ahnen können was kommt.

Trotzdem bin ich fast belustigt erstaunt WIE GNADENLOS DREIST die CDU gerade abgeht und die eigenen Aussagen zur Mäßigung Lügen straft.

Ich sag mal so: Eeit Jahren erzählen mir supersmarte und eigentlich linke Nasen gerne mal: „Wählen bringt doch eh nix! Und #Gruene 😒 vergiss es!“.

Tja nu. Wählen wirkt.

Wer die Berliner CDU wählt, hat es so gewollt. Und wer die Berliner SPD wählt?

Der ist selber schuld.
……..

https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/mobilitaet-verkehr-berlin-manja-schreiner-senat-legt-radwegprojekte-auf-eis-immer-mehr-strassen-sind-betroffen-li.361591

https://www.nd-aktuell.de/artikel/1174155.verkehrspolitik-berlins-verkehrssenatorin-das-grosse-missverstaendnis.html

https://www.morgenpost.de/article238704963/radweg-ausbau-stopp-cdu-senat-schreiner-verkehr-senatorin-mobilitaetsgesetz.html

https://www.tagesschau.de/inland/regional/berlin/rbb-stoppt-die-cdu-verkehrssenatorin-einen-fertigen-radweg-102.html

https://www.morgenpost.de/berlin/article238747277/manja-schreiner-radweg-projekte-kein-baustopp.html

CDU und SPD torpedieren das Mobilitätsgesetz

https://www.zeit.de/politik/deutschland/2023-06/berlin-buergermeister-kai-wegner-cdu-radweg-projekt-stopp-begruenung-alexanderplatz

https://taz.de/Berlin-stoppt-Verkehrswende/!5938884/

https://www.businessinsider.de/wirtschaft/auto-vs-fahrrad-3-prozent-der-strassenflaechen-entfallen-auf-radwege-2019-11/

Zeit für echte Fahrradstraßen.

Mein Verdacht ist ja: 99 % der angeblichen „Fahrradstraßen“ hätte man früher einfach „Nebenstraße“ oder „Wohnstraße“ genannt. Aber dann kam plötzlich Druck schnell etwas für Fahrräder zu tun, weil die Städte immer mehr mit Autos verstopften. Na und weil wir in Deutschland sind, ist „Etwas für Fahrräder tun“ selten bis nie „etwas gegen Autos tun“. Statt dessen versucht man naiv bis hilflos eine friedliche Koexistenz zu konstruieren indem man den Rädern ein paar Schilder und aufgemalte Markierungen hinwirft. Superpraktischer Nebeneffekt: Man kann Gelder aus dem Fahrradetat für die Sanierung von Autostraßen und Parkplätzen verwenden und trotzdem großspurig behaupten: „Man hätte mit Millionen den Radverkehr gefördert“ – das macht den gemeinen Planer in DE offensichtlich gleich doppelt glücklich.

Klar, in Realitas sind da einfach nur ein paar Markierungen und Schilder, die eigentlich, wenn man mal ganz ehrlich ist, ziemlich wenig bedeuten. Denn natürlich darf jeder mit dem Auto weiter durchfahren. Ach und jeder mit dem Auto links und rechts parken. Und Türen aufreißen. Und halt auch mal in zweiter Reihe mit Warnblinker stehen. ABER Radfahrer können Nebeneinander fahren! Wow! Gamechanger! Nun sind die meisten Fahrradstraßen nicht für Tourismus, sondern für Alltagsverkehr, da fährt man häufig eh alleine und nicht nebeneinander. Aber man könnte! Denn theoretisch hat man auf dem Rad ja auch Vorfahrt. Praktisch wird man natürlich trotzdem gerne mal angehupt. Vermutlich weil manche Autofahrerinnen so schnell fahren, dass sie im Vorbeifahren das Kleingedruckte auf den „Fahrradstraße“-Schildern leider nicht lesen können oder einfach ständig jemanden sehen, den sie grüßen wollen. Praktisch macht auch das Überholverbot nichts besser. Denn das führt dazu, dass die stinkende Karre vor dir hinter einem mit 12 km/h kriechenden Radfahrer festhängt und dich stotternd vollrußt während du als mobiler Luftfilter sie halt auch nicht überholen kannst, da der Kollege komplett nervös fast in der Mitte der Fahrban Schlangenlinien kurvt weil ALLES IN IHM ENDLICH ÜBERHOLEN WILL!!!

Da ist man dann häufig fast erleichtert, wenn der Drängler vor oder hinter einem einfach heulend vorbeizieht, und naja, der nächste von hinten ranfährt.

Ich wäre daher dringend dafür neue Standards für Fahrradstraßen zu definieren.

1. Eine Mindestlänge. Manche Städte stehen mit superkurzen Altstadthäusern im Reiseführer („Krass, das ist so schmal, da kann man drin wohnen?“), Hamburg sollte mit superkurzen „Fahrradstraßen“ im Reiseführer stehen. Manche sind so kurz, da fährt man länger über den Aldi-Parkplatz, was vor allem gut passt, weil sie faktisch auch einfach Parkplätze sind, auf denen jemand ein „Fahrradstraßen“-Schild aufgestellt hat. Denn das lässt sich die kommunale Prominenz natürlich nie nehmen. Ein „Fahrradstraßen“-Schild mit viel Tamtam aufstellen. Praktisch beim Einweihungsfoto: Man kann das Aufstellen beider „Fahrradstraßen“- Schilder am Anfang und am Ende der „Fahrradstraße“ problemlos auf ein Foto kriegen!

2. Gold, Silber- und Bronzestandard für Autofreiheit. Gold wäre einfach autofrei. Woah. Was für ein Wort. Da das in Deutschland keinerlei Chance auf Umsetzung hat (sorry, es ist kurz mit mir durchgegangen) der Silberstandard: Wirklich nur Anlieger, von der Polizei regelmäßig kontrolliert (haha) und HART bestraft (hahaha). Naja man wird ja wohl noch träumen dürfen. Auf jeden Fall sehr wichtig: Maximal eine Seite mit parkenden Autos. Das würde auch für den Bronzestandard gelten. Denn das finde ich enorm wichtig. Jegliches Gefühl und Sinn einer Fahrradstraße ist für die Tüte wenn man durch ein beidseitiges beengtes Spalier aus parkenden Autos fährt bei denen jederzeit die Tür aufspringen kann.

Und wenn man das mal hinkriegt, dann lass ich mich auch auf den Namen Fahrradstraße ein.

Ansonsten sollte man eigentlich alle derzeit bestehenden Fahrradstraßen mit Anführungszeichen versehen. Aber sowas würde ich Sprayern und Radaktivistinnen selbstverständlich niemals vorschlagen.

—————-
P.S. Versteht mich nicht falsch: Selbst „Fahrradstraßen“ sind teilweise eine Verbesserung gegenüber dem Status Quo und besser als nichts ABER mir geht es darum hier zu zeigen, dass noch VIEL Luft nach oben ist. Und vor allem sehr kurze „Fahrradstraßen“ bringen tatsächlich so gut wie nichts, weil sich dann auch kein durchgängiger Fahrradverkehr etabliert, der auf Dauer die Autofahrer zumindest teilweise vertreibt.

Mit autonomen Elektroautos wird alles besser! Nicht.

Ich hab ja mal Umweltwissenschaften studiert. Das ist schon ein bisschen her und damals war das Zauberwort in den Management-Theorien für eine bessere Welt: SHARING ECONOMY! Damit wird alles besser hieß es.

Ich kann mich sehr genau daran erinnern, wie ich den Prof genervt habe, weil ich ihm da ständig widersprochen habe.

Leider hatte ich recht.

Denn natürlich ist die Grundidee an der Sharing Economy super. Mein teilt z.B. ein Auto, dass sonst 23 Stunden am Tag nur rumsteht und spart so Parkraum und Produktion von unnötigen Blechkisten.

Mein Argument war damals: Ein System, dass auf Wachstum und Besitz aufgebaut ist wird Sharing Economy nicht als Ersatz für Bestehendens nutzen. Sondern einfach on-top. Noch so oben drauf im Dienste der Bequemlichkeit. Als Kirsche auf der vergifteten Sahnetorte „Wachstum 4ever!“*

Die den Radweg blockierenden E-Roller allerorten und die wie Pilze aus dem Boden schießenden Möchtegern- „Carsharing“Systeme wie „Car4now“ oder „Mobility2You“ oder „2Lazy2Bike“ belegen das leider.**

Denn NATÜRLICH kaufen sich die Leute trotzdem noch einen neuen fetten SUV. Und einen E-Roller. Und ein E-Bike.***

Obwohl für die meisten Strecken ein stinknormales Rad am schnellsten und bequemsten gewesen wäre. Und sie hätten alleine mit den Kosten für das E-Bike sich so ein geiles normales Bike kaufen können, dass sie das E nicht mal vermisst hätten.

Der nächste Retter der verstopften Städte soll jetzt das E-Auto sein. Oder am besten das autonom fahrende E-Auto.

Aber wird es das? Ja, E-Autos sind leiser (das ist super), E-Autos retten Menschenleben, weil weniger Abgase (das ist super), E-Autos sind nach so gut wie allen Studien ökologischer, aber E-Autos transportieren genauso sinnlos eingelackte Luft durch die Gegend, wenn sie im Regelfall nur eine Person transportieren.

Und mit autonom fahrenden Autos wird es noch schlimmer. Die Idee ist: Autonom fahrende Autos können automatisiert mit engeren Abständen zueinander fahren und so Staus verhindern und auf ominöse Art und Weise die Straßen entlasten.

Das funktioniert aber nur wenn der Großteil der Autos autonom fährt. Und das wird sehr lange dauern. Bis dahin machen autonome Autos Autofahren NOCH bequemer. Und ÖPNV noch unverlockender.

Und was wird denn in der Realität passieren? Nun. Die Kirsche auf der Sahnetorte von „Wachstum 4ever“ natürlich. Die Leute werden zum Beispiel auf der Party ein Bier zuviel trinken. Und dann nicht die Sbahn nehmen. Sondern in sein Smartphone lallen „K. I. T. T. Ich brauche dich!“

Und dann fährt das autonome Auto einmal leer durch die Stadt. Und natürlich ist das kein kleines Auto. Sondern ein fetter, autonomer Elektro-Bus-SUV, der dann als Statussymbol bei der Party vorfährt. Die Flügeltüren fahren hoch und man torkelt mit einem „Wegbier!“ und „Haha“ rein.
………..

Daher nochmal für alle zum Mitschreiben: Die Antwort auf verstopfte lebensfeindliche Städte sind keine Autos, E-Autos oder autonom fahrende E-Autos. Und übrigens schon gar keine Flugdrohnen, deren massenhafte Verbreitung eine urbane Hölle sondergleichen wäre. Sondern Fahrrad, ÖPNV, zu Fuß gehen und ab- und an ein Auto, wenn es sehr schnell gehen muss oder große Lasten transportiert werden müssen. Wir haben alles bereits erfunden, was wir brauchen für ein gutes Leben in der Stadt.

Und das sage ich als Mitbesitzer eines Autos. Auf dem LAND ist das ein anderes Thema. Aber eng bebaute Städte und jeder ein Auto ist und WIRD kein Zukunftsmodell.

Euer Captain Futura

P.S. Falls ihr Bock auf spannende Grafiken und ein bisschen gute Unterhaltung habt und meine Arbeit unterstützen mögt:
https://www.m-vg.de/yes/shop/article/20212-grafiken-fuer-eine-bessere-welt/

oder auch hier bei den pösen Amazon (aber besser im Buchhandel kaufen!)

………..

* Die weithin unbekannt, obwohl idelogisch erfolgreichste Boygroup des neoliberalen Hypes der späten 90er.

** die eigentlich mehr ÖPNV oder Radfahrt Ersatzsysteme sind. Ich meine hier ausdrücklich NICHT Cambio und co. Also die „Alten“ Carsharing-Anbieter mit festen Stationen. Das ist echtes und ernstzunehmendes Carsharing und bringt etwas.

*** Natürlich nicht alle, aber viele, denn es gibt (zum Glück) auch ein paar, die es ernst meinen mit Ökologie und Klimaschutz, aber die Mehrheit macht nun einmal, was für sie bequem ist.

………..

Zum Unterschied zwischen dem sinnvollen „echtem“ stationsbasiertem Carsharing und der „free-float“-Mogelpackung, die eher ÖPNV schädigt:

https://www.sueddeutsche.de/auto/carsharing-studie-staedte-probleme-1.4554329?fbclid=IwAR2X2fTsubbT9iPRFCHspEjZEIWYMlbooDeD0QTdGEmmn25A2rD2pfQ9a6Q

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/carsharing-studie-101.html?fbclid=IwAR3pt1tNP8funSuRidy_LkG0dj24sZ6Jf3ScEZkz5UAH7N0R9cRn9sHDLlE

https://t3n.de/news/carsharing-hype-studie-1186745/?fbclid=IwAR1uPUq0o8FumXBrI681riDS2E_sHZ_SkUzCwBFy6ZdHtIk5_XQ7oVfm87c

In Sachen autonomes Fahren:

https://www.vdv.de/position-autonome-fahrzeuge.pdfx

https://www.auto-motor-und-sport.de/tech-zukunft/autonomes-fahren-energie-datenmengen-vernetzung/

In Sachen Farräder / Elektroauto und co.

Klicke, um auf English_Studie.pdf zuzugreifen

https://www.spiegel.de/auto/elektroautos-tatsaechlicher-co2-ausstoss-niedriger-als-bisher-angenommen-a-01907849-ede6-4f24-8c3f-89475aadbe69

https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/nachhaltige-mobilitaet/radverkehr

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026 Captain Futura

Theme von Anders NorénHoch ↑