Category: Radfahren

Schanzenpark

Ein Park wie ein räudiger Straßenköter. Wer sich an einem schönen Sommerabend gerne mit Drogen eindecken möchte, um danach high am Fuße des Wasserturms zu der Musik aus circa 24 verschiedenen mitgebrachten Ghettoblastern vor und zurück zu wippen, ist hier genau richtig. Da aus unerfindlichen Gründen auf allen Ghettoblastern im Schanzenpark nur Elektro zu laufen scheint ist das Übersprechen der Boxen sogar nüchtern halbwegs erträglich.

Weniger erträglich sind die Müllberge nach Ende der Spontanraves, die am folgenden Tag zwischen Joggern und Hunden über Schanzenwiese und Wege verwehen bis die Stadtreinigung sich endlich erbarmt. Der Schanzenpark hätte so schön sein können, doch irgendein geldgeiles Mitglied des Hamburger Pfeffersackfilzes muss irgendwann auf die Idee gekommen sein den Wasserturm der majestätisch über allem thront in ein Mövenpick-Nobelhotel zu verwandeln. Jeder weiß, dass Mövenpick Eis viel zu süß ist und Mövenpick-Hotels viel zu teuer und so passierte was passieren musste: Dem Schanzenpark wurde für ein paar Milliönchen „unter Freunden“ das Herz entrissen. Statt eines möglichen Kulturzentrums sitzt hier nun die reiche Klasse in ihrem Raumschiff und schaut auf den Pöbel herab. Derweil kämpft sich unten die Polizei zwischen Alkis auf der sinnlosen Suche nach Drogen durch Büsche und fährt über den Hauptweg Streife. Übrigens haben die Reichen ihren eigenen Zugang von hinten durch die kalte Küche bei Umgehung des Parkes. Natürlich.

Kommen wir zum Positiven: Wirklich unsicher ist der Park nicht, die Drogendealer wollen sich ihr Geschäft nicht kaputt machen, auch spät nachts und allein hab ich nie wirklich unsicher gefühlt. Aber ich fühl mich auch sehr selten nachts unsicher, vielleicht bin ich kein guter Unsicherheits-Seismodingsbums. An dem Ende des Parks Richtung Planten & Bloomen, versteckt in den Bäumen, gibt es Fußballplätze. Im Cafe Sternchance kann man sich im netten Garten einen wirklich ordentlichen Mittagstisch gönnen, während die Kinder Backe-backe Kuchen spielen und Sand essen. Der Cappuccino ist auch ganz veritabel. Kurz hinterm Mövenpick-Hotel steht im Sommer entweder ein Zirkuszelt mit diversen auch kinderfähigen Veranstaltungen und Sommermärchen-Public-Viewing oder Freiluftkino ist angekündigt. Das Zirkuszelt ist ganz cool, das Freiluftkino säuft eigentlich Jahr für Jahr ab. It’s Hamburg, you know.

In Richtung Schanzenbahnhof gibts direkt vorm Schanzenbahnhof in Verlängerung des Parks die Kaffeetanten mit linker Gesinnung, gutem Kaffee und leckerem aber für die Post-Drogen-Fressattacke definitiv viel zu kleinem Quiche. Hier empfiehlt sich eher einen der jüngst exponentiell gewachsenen Falafelläden anzusteuern. Der Klassiker „Falafelstern“. Die waren vorher da. Sehr lecker auch Kimo. Der war zwar später da, aber seine Merguez- oder Shawarma-Teller sind in Sachen Preis-Geschmacks-Menge-Verhältnis schwer zu toppen. Ach so und irgendwo versteckt in den Bäumen gibt es noch so einen ganz coolen Fußballkäfig, ich sag aber nicht wo, da spiel ich manchmal und ich will nicht dass da noch mehr nervige Kinder aufkreuzen. Im Winter ist die Schanzenwiese an den seltenen Tagen spontaner Zusammenkunft von Schnee und kalter Witterung ein Schlitteneldorado für alle unter 7 und die sehr leicht Begeisterbaren und Faulen dadrüber. Also mich zum Beispiel. Wers härter braucht fährt Richtung Altona und Elbhang.

Schanzenpark hamburgisch erlebt

Am Falafelstern einen Sternfalafel holen (Das riesige Teil für 4€ mit allen Vorspeisen drin, auch mit Schawarma oder den Hackbällchen, die nie da sind, lohnt sich das, die eigentlichen Falafel sind öde) oder zu Kimo wenns ein Teller sein soll, bei den Kaffeetanten einen Cafe Togo, dann gemütlich durch den Park schlendern, nicht auf das „Alles gut“, „tsss, tsss…“ der Dealer reagieren, den Kroaten bei ihrem ominösen Boule-Boccia-Derivat zuschauen und schließlich am ewigen Feuer der Rastafaris beim Spielplatz die Hände wärmen. Es geht übrigens die Legende um, dass an dem Tag an dem das Feuer der Rastafaris ausgeht und sie aufhören zu tanzen, Störtebecker wieder aufersteht und Olympia nach Hamburg bringt.

 

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